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16.07.2019 | ST-Hebungsinfarkt | Nachrichten

Rauchstopp zeigte großen Effekt

Herzinfarkt: Junge Raucherinnen am stärksten gefährdet

Autor:
Joana Schmidt

Rauchen erhöht das kardiovaskuläre Risiko unabhängig von Alter und Geschlecht. Bei jungen Frauen scheint sich der Zigarettenkonsum jedoch am stärksten auszuwirken. Durch Rauchentwöhnung lässt sich dieses Risiko wieder deutlich senken.

Auch wenn Rauchen bei Männern und Frauen jeden Alters das Risiko für Herzinfarkt erhöht, ist dieser Effekt bei Frauen unter 50 Jahren am stärksten, legt eine aktuelle Studie nahe. Nach Ansicht der Autoren lässt sich das Risiko jedoch durch einen Rauchstopp wieder auf das von Nichtrauchern reduzieren.

Ein akuter ST-Hebungsinfarkt (STEMI) ist lebensbedrohlich und in fast der Hälfte aller Fälle ist Rauchen die Ursache. Jetzt wollten Forscher herausfinden wie die Häufigkeit von STEMI mit dem Alter und Geschlecht von Rauchern zusammenhängt.

Weibliche Raucher hatten ein höheres STEMI-Risiko als männliche

Für ihre retrospektive Kohortenstudie nutzte die Arbeitsgruppe um Dr. Ever Grech von den Sheffield Teaching Hospitals Daten aller 3.343 Patienten, die zwischen 2009 und 2014 mit akutem STEMI in das Herz-Thorax-Zentrum im britischen South Yorkshire gekommen waren. Diese kombinierten sie mit Bevölkerungsdaten, um Inzidenzraten für STEMI zu generieren. Dafür verglichen sie STEMI-Raten von Rauchern und Nichtrauchern, unterteilt nach Geschlecht und Alter (18 bis 49, 50 bis 64, 65 und älter).

Das Ergebnis der Forscher: Rauchen erhöhte das STEMI-Risiko bei allen Patienten unabhängig von Alter und Geschlecht. Bei Frauen jeden Alters war es jedoch höher als bei Männern. Der größte relative Risikounterschied bestand in der Gruppe der 50- bis 64-Jährigen: Bei Raucherinnen in diesem Alter war es 9,7-fach erhöht, bei Rauchern jedoch nur 4,5-fach. In der jüngsten Gruppe war dagegen der größte Risikoanstieg durch Rauchen zu beobachten: Raucherinnen von 18 bis 49 hatten ein 13,2-fach höheres STEMI-Risiko als Nichtraucherinnen. Männliche Raucher dieser Altersgruppe hatten ein 8,6-fach erhöhtes Risiko.

Hängt die Risikoverteilung mit dem Östrogenspiegel oder der Größe der Gefäße zusammen?

Nach Ansicht der Studienautoren gibt es mehrere mögliche Gründe, warum Rauchen das STEMI-Risiko bei Frauen stärker erhöht als bei Männern. Dazu gehört, dass Rauchen den Östrogenspiegel senken kann, denn Östrogene können vor Arteriosklerose schützen. Zudem haben Frauen kleinere Koronargefäße als Männer, sodass chronische Entzündungen durch Rauchen bei ihnen zu einer stärkeren arteriellen Verengung führen kann. Bei weiblichen STEMI-Patienten treten auch weitere Gefäßerkrankungen wie Vasospasmus, Vaskulitis und spontane Koronardissektion häufiger auf.

Die Forscher entdeckten jedoch auch, dass sich das Risiko durch einen Rauchstopp wieder deutlich senken ließ. Unabhängig von Alter oder Geschlecht reduzierte ein Verzicht auf Zigaretten das STEMI-Risiko wieder auf einen Wert wie bei Nichtrauchern. Über die Dauer der Abstinenz lieferte die Studie jedoch keine genaueren Informationen, lediglich dass die Raucher mindestens einen Monat rauchfrei blieben.

Literatur

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