Nachrichten 04.11.2019

Metaanalyse: Morphin-Analgesie bei akutem Herzinfarkt ohne Risiko

Eine periprozedurale Morphin-Therapie zur Schmerzlinderung bei katheterinterventionell behandelten Patienten mit akutem Myokardinfarkt geht mit keiner kurzfristigen Risikozunahme einher, so das beruhigende Ergebnis einer neuen Metaanalyse.

Der Verdacht, dass die häufig genutzte Schmerzbehandlung mit Morphin bei perkutaner Koronarintervention (PCI) wegen akutem ST-Hebungs-Myokardinfarkt (STEMI) ein Sicherheitsrisiko darstellen könnte, wird durch eine neue Metaanalyse nicht bestätigt. Sie kommt zu dem Ergebnis, dass die intravenöse Morphin-Gabe in diesem klinischen Kontext mit keiner kurzfristigen Zunahme von Reinfarkten oder Todesfällen assoziiert ist.  Experten sehen allerdings weiterhin Bedarf an randomisierten Studien zu definitiven Klärung der Frage.

Mögliche Interaktion mit P2Y12-Hemmern

Sicherheitsbedenken bezüglich der Morphin-Analgesie bei akutem STEMI basieren auf Beobachtungen, wonach diese Schmerztherapie Aufnahme und Wirkung der Thrombozytenhemmer Clopidogrel, Ticagrelor und Prasugrel beeinträchtigen könnte. Schon vor einiger Zeit hatten Daten des CRUSADE-Registers, nach denen eine Morphin-Therapie bei  Patienten mit Nicht-ST-Hebungs-Myokardinfarkt (NSTEMI) mit einem erhöhten Sterberisiko einherging, entsprechende Bedenken bestärkt. In anderen Studien war hingegen keine Risikozunahme beobachtet worden.

Eine Forschergruppe um Dr. Riley Batchelor aus Melbourne, Australien, hat deshalb jetzt die Studienlage zur Frage einer sicherheitsrelevanten Interaktion zwischen Morphin und P2Y12-Hemmern bei katheterinterventionell behandelten  STEMI-Patienten  in einer Metaanalyse systematisch aufgearbeitet. Daten von 11 Studien, darunter 10 Beobachtungsstudien und nur eine randomisierte Studie, wurden dafür ausgewertet.

Keine kurzfristige Zunahme von Herzinfarkten oder Todesfällen

Auf Basis von fünf Studien mit insgesamt 3.748 beteiligten STEMI-Patienten  haben Batchelor und seine Kollegen die Assoziation einer periprozeduralen Morphin-Behandlung mit der Häufigkeit von während  der stationären Phase sowie innerhalb von 30 Tagen aufgetretenen Myokardinfarkten  (primärer Endpunkt) analysiert. Die Patienten dieser Gruppe waren gleichzeitig mit Ticagrelor (n = 2.239) oder Clopidogrel (n = 1.256) oder Prasugrel (n = 253) behandelt worden.

Ergebnis: Eine intravenöse Morphin-Therapie war bei diesen Patienten mit keiner signifikanten Zunahme von Myokardinfarkten in der In-Hospital-Phase oder nach 30 Tagen assoziiert  (Odds Ratio 1,88; 95% Konfidenzintervall  0,87-4,09).

Auf Basis von sieben Studien mit insgesamt 5.800 beteiligten STEMI-Patienten haben die Untersucher zu beiden Zeitpunkten zudem die Rate an aufgetretenen Todesfällen analysiert. Sie kommen zu dem Ergebnis, dass eine Morphin-Analgesie auch mit keiner Zunahme der Mortalität assoziiert war (Odds Ratio 0,70; 95% Konfidenzintervall 0,40-1,23).

Angesichts der Ergebnisse der Metaanalyse halten es ihre Autoren für gerechtfertigt, Morphin im Bedarfsfall auch weiterhin zur Schmerzlinderung in der Akutbehandlung von STEMI-Patienten therapeutisch zu nutzen. Als schon zufriedenstellend schätzen sie die derzeitige wissenschaftliche Beweislage aber nicht ein: Weitere randomisierte Studien seien erforderlich, um die Frage nach der klinischen Relevanz einer pharmakologischen Interaktion von Morphin und P2Y12-Hemmer zuverlässig beantworten zu können.

Literatur

Batchelor R. et al.: Association of periprocedural intravenous morphine use on clinical outcomes in ST‐elevation myocardial infarction (STEMI) treated by primary percutaneous coronary intervention: Systematic review and meta‐analysis. Catheter Cardiovasc Interv. 2019, online 26. Oktober

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