Online-Artikel 05.11.2015

STEMI: Mehrgefäß-PCI bezüglich Lebensqualität von Vorteil

Eine komplette Revaskularisation, bei der auch nicht infarktrelevante Koronarstenosen gleich mitbehandelt werden, scheint bei Patienten mit Herzinfarkt auch im Hinblick auf Symptomatik und Lebensqualität von Vorteil zu sein, wie neue Studiendaten nahelegen.

Die Frage, welche Strategie der Revaskularisation bei Patienten mit ST-Hebungs-Myokardinfarkt (STEMI) und koronarer Mehrgefäßerkrankung zum Zuge kommen soll, treibt derzeit die interventionell tätigen Kardiologen um. Soll sich die Revaskularisation bei primärer perkutaner Koronarintervention (PPCI) auf die „schuldige“ Infarktarterie (culprit lesion) beschränken oder sollen – simultan oder wenig später in einer zweiten Sitzungen – auch bestehende Stenosen ohne Bezug zum Infarktgeschehen (non culprit vessel) zügig mitbehandelt werden?

Mehrgefäß-PCI im Aufwind

Im Widerspruch zu den Leitlinien, die bisher von einer präventiven Mehrgefäß-Intervention wegen vermeintlicher Risiken abrieten, legen die Ergebnisse neuen Studien wie PRAMI, CVLPRIT und DANAMI-3-PRIMULTI inzwischen nahe, dass eine komplette Revaskularisation klinisch eher von Vorteil ist. Im Vergleich zur konventionellen, auf die Infarktarterie beschränkten Rekanalisierung hat sich gezeigt, dass eine Mitbehandlung von „Non-culprit“-Koronarstenosen bei STEMI-Patienten mit einer Abnahme schwerwiegender kardiovaskulärer Ereignisse einhergeht. In aktualisierten US-STEMI-Leitlinien ist die Strategie der kompletten Revaskularisation deshalb jüngst als „in Betracht kommend“ aufgewertet worden.

Aus den Studien gehe allerdings bislang nicht hervor, welchen Einfluss die Mehrgefäß-PCI auf den Gesundheitsstatus (Symptomatik und Lebensqualität) der Patienten habe, konstatiert eine US-Forschergruppe um Dr. John Spertus vom Mid American Heart Institute in Kansas City. Dieser Frage ist Spertus deshalb gemeinsam mit Kollegen in einer eigenen Beobachtungsstudie nachgegangen.

Stärkere Verbesserungen nach Mehrgefäß-PCI

Die Forscher nutzten dazu zwischen 2005 und 2008 erhobene Daten aus der TRIUMPH-Studie, einer prospektiven US-Kohortenstudie bei 4.340 Patienten mit akutem Myokardinfarkt. Den Fokus richteten sie bei ihrer Analyse auf 664 STEMI-Patienten mit koronarer Mehrgefäßerkrankung. Davon waren 38 Prozent einer Mehrgefäß-Revaskularisation mittels PCI (88 Prozent) oder Bypass-Op (12 Prozent) unterzogen worden. In 28 Prozent der Fälle erfolgte diese unmittelbar während der primären PCI, in den übrigen Fällen dagegen in einer zweiten Sitzung noch während des Klinikaufenthalts (64 Prozent) oder kurz nach der Entlassung (8 Prozent). Daten zum subjektiven Gesundheitsstatus wurden mithilfe validierter Fragebögen erhoben.

Unabhängig von der revaskularisierenden Strategie zeigte sich der Gesundheitsstatus der Patienten nach einem Jahr deutlich verbessert. Allerdings war die Mehrgefäß-PCI im Vergleich zur alleinigen Revaskularisation der Infarktarterie mit einer stärkeren und als klinisch bedeutsam eingeschätzten Verbesserung der Symptomatik assoziiert. Auch im Hinblick auf die empfundene Verbesserung der Lebensqualität erwies sich die komplette Revaskularisation als vorteilhafter.

Die Analyse „harter“ klinischer Ereignisse ergab dagegen keine Unterschiede bezüglich Mortalität, erneute revaskularisierende Interventionen oder Reinfarkte. Allerdings war die Studie statistisch auch nicht dafür ausgelegt, hier Unterschiede aufdecken zu können, betonen die Autoren.

Nach ihrer Ansicht sollten Aspekte wie symptomatische Wirksamkeit und Einfluss auf die Lebensqualität auch in künftigen prospektiven randomisierten Studien zum Vergleich beider Strategien neben der Wirkung auf ischämische Ereignisse stärker berücksichtigt werden.

Literatur

Jang J-S, Spertus J A et al.: Impact of Multivessel Revascularization on Health Status Outcomes in Patients With ST-Segment Elevation Myocardial Infarction and Multivessel Coronary Artery Disease.
J Am Coll Cardiol 2015;66:2104–13

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