Nachrichten 07.09.2016

STEMI: N-Acetylcystein verringert Myokardschädigung

Die intravenöse Gabe von N-Acetylcystein bei perkutaner Koronarintervention kann die Infarktgröße nach einem ST-Hebungs-Myokardinfarkt (STEMI) verringern, wie eine beim ESC-Kongress präsentierte Pilotstudie zeigt. Taugt diese Substanz als Add-on-Medikament?

N-Acetylcystein  – ein Abkömmling der natürlich vorkommenden Aminosäure Cystein – hat sich bereits in früheren experimentellen Untersuchungen als potenzielles Pharmakon für Herzinfarktpatienten ins Gespräch gebracht: Denn einerseits kann die Substanz als Radikalfänger oxidativen Stress verringern und damit Reperfusionsschäden nach einer Revaskularisationstherapie gering halten, zum anderen verstärkt es die vasodilatorische Wirkung von Nitroglycerin und damit die Durchblutung des Myokardgewebes.

Ob N-Acetylcystein tatsächlich solche Effekte erzielt, hat nun ein Forscherteam um Dr. John Beltrame von der Universität in Adelaide bei 112 STEMI-Patienten in drei australischen Kliniken getestet. Im Rahmen einer PCI verabreichten sie den STEMI-Patienten zusätzlich zu Nitroglycerin entweder hochdosiertes N-Acetylcystein (NAC) i. v. oder Placebo. Nach einer Woche und nach drei Monaten wurde die finale Infarktgröße – der primäre Endpunkt – per kardialer Magnetresonanztomografie bestimmt.

Infarktgröße reduziert

Die Infarktgröße habe sich bei den Patienten mit NAC-Gabe signifikant um absolute 5,5% im Vergleich zur Placebo-Gruppe verringert, berichtete Sivabaskari Pasupathy, die die Ergebnisse der als NACIAM (N-AcetylCysteine In Acute Myocardial infarction) benannten Studie auf dem ESC-Kongress in Rom vorstellte. Relativ bedeutet das eine 33%ige bzw. 50%ige Reduktion nach einer Woche bzw. drei Monaten. 

Auch der Anteil an gerettetem Myokardgewebe (myocardial salvage) war in der NAC-Gruppe nach einer Woche mehr als doppelt so hoch als mit Placebo (60% vs. 27%). Die beste Wirkung scheint dabei bei Patienten mit kurzer Ischämiedauer erzielt worden zu sein, denen NAC also recht früh nach Symptombeginn gegeben wurde. 

Hinsichtlich der Kinetik der Kreatinkinase-Freisetzung als Ausdruck des Myokardschadens zeigte sich zwar kein signifikanter Unterschied zwischen beiden Gruppen, jedoch ein Trend zugunsten von N-Acetylcystein. 

Weniger Todesfälle mit N-Acetylcystein

Auffällig sei, dass es in der NAC-Gruppe nach zwei Jahren seltener zu Todesfällen oder erneuten Klinikeinweisungen wegen kardialer Ereignisse gekommen war als in der Placebo-Gruppe (6% vs. 27%), so Pasupathy. Ansonsten waren bei den Sicherheitsparametern wie Hypotension, Blutungen oder Nierenschäden keine Abweichungen zwischen den Gruppen zu erkennen. 

Ob sich die hier beobachteten Effekte auch auf klinische Endpunkte auswirken, müssen größere Studien erst noch zeigen. In der Vergangenheit haben sich durch kleine Pilotstudien geweckte Erwartungen für ähnlich wirkende Substanzen, etwa im Falle des Immunsuppressivums Ciclosporin, häufig nicht erfüllt.

Literatur

Hot Line “Preventive Strategies”, ESC-Kongress, 28.08.2016 in Rom

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