Nachrichten 20.10.2017

Angina pectoris: Therapiemöglichkeiten werden nicht ausgeschöpft

Bei persistierenden Angina-Beschwerden werden die verfügbaren medikamentösen Therapiemöglichkeiten offenbar häufig nicht voll ausgeschöpft – obwohl das die Leitlinien empfehlen.

Vieler Herzinfarktpatienten leiden selbst nach einer perkutanen Intervention (PCI) weiter an Angina pectoris-Beschwerden. Die für solche Fälle zur Verfügung stehenden Substanzen werden in der Praxis allerdings häufig nicht eingesetzt, wie sich in einer Analyse der Beobachtungsstudie TRANSLATE-ACS mit 10.870 Teilnehmern nun herausgestellt hat.

Ein Drittel hat weiterhin Beschwerden

Etwa ein Drittel der wegen eines Herzinfarktes mit einer PCI behandelten  Patienten (29,3%) litt sechs Wochen nach dem Ereignis weiterhin an Angina-Beschwerden. Von diesen Patienten erhielten zu diesem Zeitpunkt gerade einmal knapp ein Viertel (23,3%) neben einen Betablocker noch eine weitere antianginöse Substanz.

Dabei wird in den aktuellen Leitlinien empfohlen, bei Angina-Patienten, die trotz eines Betablockers symptomatisch bleiben, eine weitere antianginöse Substanz (Kalziumantagonist [Klasse IA], langwirksame Nitrate, Ivabradin, Nicorandil oder Ranolazin [Klasse IIA]) hinzuzunehmen.

Die meisten bekommen nur Betablocker

Eine Betablocker erhielten in der vorliegenden Analyse zwar fast alle Patienten (92,0% nach 6 Wochen). Doch für eine stufenweise Therapieeskalation entschieden sich selbst bei über einem Jahr anhaltenden Beschwerden offenbar nur wenige Ärzte. Nach einem Jahr waren noch immer 33,3% der Patienten symptomatisch. Fast zwei Drittel von ihnen bekam trotzdem nur einen Betablocker (68,8%).

Und selbst dann, wenn bei den Patienten aufgrund von Beschwerden eine erneute koronare Revaskularisation nötig war, sind vorher die medikamentösen Therapiemöglichkeiten oftmals nicht ausgeschöpft worden; bei weniger als einem Drittel (25,9%) dieser Patienten hatte man sich für die Gabe einer weiteren antianginösen Substanz entschieden.

Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass in der Praxis viele Ärzte die Leitlinienempfehlungen nicht befolgen, resümieren die Studienautoren um Prof. Alexander Fanaroff von der Duke Universität in Durham. Vermutlich sei das häufige Ausbleiben der Therapieeskalation schuld daran, dass bei so vielen Patienten die Beschwerden persistierten.

Beschwerden der Patienten richtig einschätzen

Doch warum waren die behandelten Ärzte so wenig gewillt, die verfügbaren medikamentösen Therapien auszuschöpfen? Zum einen müssten Ärzte die Beschwerden ihrer Patienten erst mal richtig erkennen und einschätzen, führen die Fanaroff und Kollegen an, und daran mangele es Studien zufolge recht häufig in der Praxis. Zum anderen könne es sein, dass einige Ärzte den Nutzen antianginöser Substanzen nicht anerkennen. Immerhin hat sich bisher für keine Substanz – mit Ausnahme von Betablockern – belegen lassen, dass sie die kardiovaskulär bedingte Mortalität bei Herzinfarktpatienten senken kann, auch wenn die Beschwerden der Patienten unter einer solchen Medikation nachweislich nachlassen und die Belastbarkeit ansteigt.

Nach Ansicht der Studienautoren benötigt es daher effektive Strategien, die das Bewusstsein für die Folgen anhaltender Angina pectoris-Beschwerden stärken und das Management der Patienten verbessern.

Literatur

Fanaroff A, Kaltenbach L, Peterson E et al. Management of Persistent Angina After Myocardial Infarction Treated With Percutaneous Coronary Intervention: Insights From the TRANSLATE‐ACS Study. Journal of the American Heart Association. 2017;6:e007007, originally published October 19, 2017; https://doi.org/10.1161/JAHA.117.007007

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