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08.11.2017 | Stabile Angina pectoris | Nachrichten

Stabile Angina pectoris ohne Koronarobstruktion

Funktionsstörungen der Herzkranzgefäße sind bei Frauen häufiger

Autor:
Philipp Grätzel

Frauen sind bekanntlich anders als Männer. Das gilt auch für die Herzkranzgefäße. Kardiologen aus Deutschland und Dänemark haben jetzt gezeigt, dass vasomotorische Störungen bei Frauen mit stabiler Angina pectoris häufiger sind als bei Männern.

Epikardiale Vasospasmen und eine koronare mikrovaskuläre Dysfunktion gelten zunehmend als relevante Ursache für Angina-pectoris-Beschwerden bei Patienten mit stabiler Angina pectoris, die keine für den Blutfluss relevanten makrovaskulären atherosklerotischen Obstruktionen aufweisen. Genaue Daten zur Häufigkeit der unterschiedlichen vasomotorischen Störungen bei Männern und Frauen gab es bisher aber nicht.

Kardiologen des Robert Bosch Krankenhauses in Stuttgart und der Universität Odense in Dänemark berichten jetzt über eine große Kohortenstudie, in der sie bei 1.379 konsekutiven Patienten mit stabiler Angina pectoris ohne höhergradige Koronarobstruktionen einen Acetylcholin(ACh)-Test durchgeführt haben, um epikardiale und mikrovaskuläre Spasmen zu entdecken.

Insgesamt waren vasomotorische Störungen bei diesem Patientenkollektiv häufig: 59 % der Studienteilnehmer hatten einen pathologischen ACh-Test, bei jeweils rund der Hälfte war es eine mikrovaskuläre Dysfunktion (33 %) bzw. ein epikardialer Vasospasmus (26 %).

Überraschend deutlicher Unterschied

Das kam soweit nicht unerwartet. Erstaunlich war allerdings der deutliche Unterschied zwischen Frauen und Männern. So hatten 70 % der Frauen, aber nur 43 % der Männer einen pathologischen ACh-Test, was hochsignifikant war (p < 0,001). Auch in der multivariaten Analyse hielt die Signifikanz: Die Wahrscheinlichkeit für eine mikrovaskuläre Dysfunktion bei Frauen mit stabiler Angina pectoris ohne relevante Koronarobstruktionen ist demnach um mehr als den Faktor 4 höher als bei Männern, die Wahrscheinlichkeit für einen epikardialen Vasospasmus immer noch um mehr als den Faktor 2.

Pathologische ACh-Tests waren bei Frauen nicht nur häufiger als bei Männern. Wenn eine Gefäßreaktion auf ACh eintrat, dann reichten bei Frauen auch niedrigere Dosierungen. Wichtig sei, dass sich eine mikrovaskuläre Dysfunktion nicht anhand von nicht invasiven Parametern vorhersagen lasse, so die Autoren. Es gab keine Korrelation zwischen mikrovaskulärer Dysfunktion und anderen Risikofaktoren.

Gründe für Unterschied nicht ganz klar

Die Gründe für den Unterschied zwischen den Geschlechtern sind nicht ganz klar. Denkbar seien anatomische Faktoren: Die Koronargefäße von Frauen sind dünner und stärker geschlängelt und deswegen möglicherweise anfälliger für eine Reaktion auf ACh. Auch hormonelle Faktoren werden von den Autoren ins Spiel gebracht, aber nicht näher ausgeführt.

In einem begleitenden Editorial betonen Dr. Raffaele Bugiardini und Dr. Edina Cenko von der Universität Bologna, dass es weiterhin viele Fragezeichen hinsichtlich der klinischen Bedeutung vasomotorischer Störungen gebe. Klar sei lediglich, dass Patienten mit Angina pectoris ohne makrovaskuläre Stenosen eine ungünstigere Prognose haben als lange Zeit gedacht. Da praktisch alle diese Patienten Anzeichen einer zumindest leichten koronaren Atherosklerose aufwiesen, komme dem Risikofaktormanagement auch bei Patienten ohne höhergradige Obstruktion eine überragende Bedeutung zu.

Literatur

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