Skip to main content
main-content

09.11.2016 | Stabile Angina pectoris | Nachrichten

REACH-Register

Stabile KHK: Angina pectoris als unabhängiger Risikofaktor?

Autor:
Veronika Schlimpert

Bei Patienten mit stabiler KHK kommen kardiovaskuläre Spätfolgen häufiger vor, wenn sie an Angina pectoris leiden, das zeigen aktuelle Daten des REACH-Registers. Doch stellen diese Beschwerden wirklich einen unabhängigen Risikofaktor dar?

Die prognostische Bedeutung einer Angina pectoris bei Patienten mit stabiler KHK ist noch immer unklar. In einigen Studien waren diese Beschwerden unabhängig von anderen Risikofaktoren mit einem vermehrten Auftreten kardiovaskulärer Ereignisse assoziiert. Andere Untersuchungen wiederum deuten darauf hin, dass es sich dabei eher um einen Marker für eine fortgeschrittene Erkrankung handelt.

Nun haben sich Wissenschaftler um Alon Eisen von der Universität Paris-Diderot erneut diesem Thema zugewandt und für ihre Analyse Daten des großen internationalen REACH-Registers herangezogen.

Angina-Patienten mit anderen Charakteristika 

Von den insgesamt 26.159 Patienten mit stabiler KHK litten zu Studienbeginn mehr als die Hälfte (52%) an Angina pectoris. Diese Patienten waren im Vergleich älter, hatten mehr kardiovaskuläre Begleiterkrankungen, Arteriosklerose-Risikofaktoren und nahmen mehr Medikamente ein, Frauen waren zudem häufiger betroffen. Die Charakteristika von Patienten mit Angina pectoris unterscheiden sich somit substanziell von denen ohne diese Beschwerden, fassen die Studienautoren zusammen.

Zusammenhang zur kardiovaskulären Spätfolgen nur schwach

Auch bzgl. des Risikos für kardiovaskuläre Ereignisse stellten die französischen Wissenschaftler einen Unterschied zwischen Angina- und Nicht-Angina-Patienten fest. So kam es nach der vierjährigen Beobachtungszeit bei den Patienten mit Angina pectoris häufiger zu Myokardinfarkten, Schlaganfällen und kardiovaskulärem Tod (16,3 vs. 14,2%). Nach Adjustierung auf diverse Komorbiditäten und andere Faktoren schwächte sich dieser Zusammenhang allerdings merklich ab (adjustierte Hazard Ratio, HR: 1,06)

Das relative Risiko für Angina-Patienten, wegen kardiovaskulärer Komplikationen in eine Klinik eingewiesen zu werden, eine Revaskularisation zu erhalten und eine Herzinsuffizienz zu entwickeln, war allerdings selbst nach multivariater Adjustierung um entsprechend 29%, 23% und 17% erhöht. 

Prognostische Bedeutung vom Risiko abhängig?

Interessanterweise blieb der Zusammenhang zwischen Angina und der Häufigkeit kardiovaskulärer Ereignisse nach Stratifizierung der Studienteilnehmer in die Risikokategorie „hoch“ und „niedrig“ nur bei jenen Patienten mit einem niedrigen Risiko bestehen.
Nach Ansicht der Studienautoren könnte dieser Befund darauf hindeuten, dass Angina pectoris nur bei Patienten mit einem niedrigen Risikoprofil prognostisch relevant ist. Bei Hochrisikopatienten hingegen sind diese Beschwerden womöglich nur ein Surrogatparameter für eine fortgeschrittene Erkrankung. Diese Überlegung muss allerdings erst in weiteren Studien untersucht werden.

Literatur

Das könnte Sie auch interessieren

Zurzeit meistgelesene Artikel

 

Highlights

Düsseldorfer Herz- und Gefäßtagung 2019

Expertenvorträge für Sie zusammengestellt: Auf der diesjährigen Düsseldorfer Herz- und Gefäßtagung haben renommierte Experten die neuesten Leitlinien, Studien und medizintechnischen Entwicklungen vorgestellt und die Kernaussagen kompakt für den Alltag in Klinik und Praxis zusammengefasst.

Expertenrückblick auf den ACC-Kongress – das Wichtigste im Überblick

Kann man ASS als Plättchenhemmer in Zukunft komplett weglassen? Muss jedem Patienten ab sofort eine TAVI angeboten werden? Und wo stehen wir in der kardialen Prävention? Eine Expertenrunde hat in Leipzig die neuesten Studien und viel diskutierte Themen des diesjährigen ACC-Kongresses kommentiert. Schauen Sie rein und bleiben Sie auf dem neuesten Stand.

Aus der Kardiothek

16.04.2019 | Quiz | Onlineartikel

Patientin mit Fieber und Tachykardie – die Ursache verrät das Röntgenbild

Röntgenaufnahme des Thorax im Stehen bei einem 43 jährigen Patienten mit Fieber und Tachykardie. Was ist zu sehen?

Düsseldorfer Herz- und Gefäßtagung 2019

Expertenvorträge für Sie zusammengestellt: Auf der diesjährigen Düsseldorfer Herz- und Gefäßtagung haben renommierte Experten die neuesten Leitlinien, Studien und medizintechnischen Entwicklungen vorgestellt und die Kernaussagen kompakt für den Alltag in Klinik und Praxis zusammengefasst.

Expertenrückblick auf den ACC-Kongress – das Wichtigste im Überblick

Kann man ASS als Plättchenhemmer in Zukunft komplett weglassen? Muss jedem Patienten ab sofort eine TAVI angeboten werden? Und wo stehen wir in der kardialen Prävention? Eine Expertenrunde hat in Leipzig die neuesten Studien und viel diskutierte Themen des diesjährigen ACC-Kongresses kommentiert. Schauen Sie rein und bleiben Sie auf dem neuesten Stand.

Kontroverser Fall: So kann man wiederkehrendes Vorhofflimmern auch behandeln

DGK Herztage 2018 - Interview Prof. Dr. Boris Schmidt

Ein Patient leidet an wiederkehrendem Vorhofflimmern. Das Team um Prof. Boris Schmidt entscheidet sich für eine ungewöhnliche Strategie: die Implantation eines endokardialen Watchmann-Okkluders, um den linken Vorhof zu isolieren. Das genaue Prozedere sehen Sie hier. 

Spezielle Katheterablations-Strategie bei ausgeprägtem Narbengewebe

Vortrag Prof. Dr. Thomas Deneke - Jahrestagung DGK 2018

Die ventrikuläre Tachykardie eines 54-jährigen Patienten mit zurückliegendem Hinterwandinfarkt soll mit einer Katheterablation beseitigt werden. Prof. Thomas Deneke entscheidet sich für eine unkonventionelle Strategie und erläutert wie das CT  in solchen Fällen helfen kann. 

Komplizierte Mehrgefäß-KHK bei einem jungen Patienten

Vortrag Priv.-Doz. Dr. Hans-Jörg Hippe Jahrestagung DGK 2018

Mehrere komplexe Stenosen bei einem 46-jährigen Patienten erfordern ein strategisch sinnvolles Vorgehen. Wofür sich das Team um PD Dr. Hans-Jörg Hippe vom Universitätsklinikum Schleswig-Holstein Klinik entschieden hat, erfahren Sie in diesem Livecase. 

Bildnachweise