Onlineartikel 20.02.2015

Starker Partner, wenn ein Statin allein nicht ausreicht

Statine allein reichen oft nicht aus, um bei Patienten mit hohem kardiovaskulärem Risiko eine befriedigende Senkung des LDL-Cholesterins herbeizuführen. Als starker Kombinationspartner kann der PCSK9-Hemmer Alirocumab in diesem Fall künftig möglicherweise wertvolle Hilfe leisten.

Bei Patienten mit hohem Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse empfehlen die europäischen Leitlinien, das LDL-Cholesterin auf Werte unter 100 mg/dl zu senken. Bei sehr hohem Risiko sollte möglichst eine Reduktion auf LDL-Werte unter 70 mg/dl angestrebt werden.

Diese Zielwerte sind mit Statinen als Standardtherapie allein oft nicht erreichbar. Als möglicher Kombinationspartner kommt in dieser Situation der Cholesterinresorptionshemmer Ezetimib in Betracht. Allerdings könnte der Wirkstoff Alirocumab, der in den bisher vorliegenden Studien die LDL-Cholesterinspiegel in der Mono- und Kombinationstherapie um 40 bis 70 Prozent verringerte, eine stärker wirksame Alternative sein.

Humaner monoklonaler Antikörper

Alirocumab ist ein humaner monoklonaler Antikörper, der vermittelt über seine Wirkung gegen das Protein Proproteinkonvertase Subtilisin/Kexin Typ 9 (PCSK9) in der Lage ist, das LDL-Cholesterin im Blut substanziell zu verringern. Dieser PCSK9-Hemmer ist in einem umfangreichen Phase-III-Studienprogramm (ODYSSEY) bei diversen Patientenpopulationen und in unterschiedlichen Konstellationen bereits mit Erfolg klinisch geprüft worden.

Der Vergleich mit Ezetimib bei bereits mit Statinen behandelten Hochrisiko-Patienten erfolgte in der Studie ODYSSEY COMBO II, die jetzt im „European Heart Journal“ publiziert wurde.

In die Studie sind 720 Patienten aufgenommen worden, deren LDL-Cholesterin unter Behandlung mit zumeist potenten Statinen (Atorvastatin, Rosuvastatin) zu Beginn im Schnitt bei 108 mg/dl (2,8 mmol/l) lag. Bei 90 Prozent der Teilnehmer bestand bereits eine KHK, bei rund 30 Prozent ein Typ-2-Diabetes. Per Randomisierung wurden die Patienten im Verhältnis 2:1 einer Behandlung mit Alirocumab (75 mg oder 150 mg subkutan alle zwei Wochen) oder mit Ezetimib (10 mg/Tag) zugeteilt.

LDL-Cholesterin um 50 Prozent gesenkt

Die noch laufende Studie ist auf eine Gesamtdauer von 104 Wochen angelegt. Im Fokus der aktuellen Analyse stand die prozentuale Senkung der LDL-Spiegel nach 24 Wochen in Relation zum Ausgangswert.

Das Studienziel – Nachweis der Überlegenheit von Alirocumab – wurde erreicht. Der PCSK9-Hemmer reduzierte die LDL-Werte nach 24 Wochen im Schnitt um 50,6 Prozent, in der Vergleichsgruppe mit Ezetimib betrug die Reduktion 21 Prozent.

Zielwerte bei 77 Prozent aller Patienten erreicht

In der Alirocumab-Gruppe erreichten 77 Prozent aller Patienten einen LDL-Wert im Zielbereich unter 70mg/dL (1,8 mmol/l), bei rund 80 Prozent aller Patienten gelang diese bereits mit der initialen Dosis von 75 mg. In der Ezetimib-Gruppe lagen die LDL-Werte nach 24 Wochen bei 45,6 Prozent aller Patienten im Zielbereich.

Im Mittel erreichten die mit Alirocumab behandelten Patienten einen LDL-Cholesterinspiegel von 50 mg/dl (1,3 mmol/l), in der Vergleichsgruppe lag dieser Wert bei 81 mg/dl (2,1 mmol/l).

In puncto Sicherheitsprofil gab es keinen relevanten Unterschied zwischen beiden Lipidtherapien.

Literatur

Cannon CP et al.Efficacy and safety of alirocumab in high cardiovascular risk patients with inadequately controlled hypercholesterolaemia on maximally tolerated doses of statins: the ODYSSEY COMBO II randomized controlled trial. Eur Heart J. 2015 Feb 16. doi: 10.1093/eurheartj/ehv028