Onlineartikel 27.03.2015

Statine und Herzinsuffizienz: Doch ein gewisser Nutzen?

Eine bei der Jahrestagung der European Atherosclerosis Society (EAS) vorgestellte und zeitgleich publizierte Metaanalyse kommt zu dem Schluss, dass eine langjährige Statintherapie mit weniger ersten Klinikeinweisungen wegen Herzinsuffizienz assoziiert ist.

Die Wissenschaftler um Dr. David Preiss vom BHF Glasgow Cardiovascular Researc Center haben 17 Studien ausgewertet, bei denen Statine in unterschiedlichen Kontexten zur Primär- oder Sekundärprävention eingesetzt wurden. Dabei wurden auch bisher unveröffentlichte Daten herangezogen. Um berücksichtigt zu werden, mussten die Studien über 1.000 Teilnehmer haben. Der Follow-up-Zeitraum musste mehr als ein Jahr betragen.

Analysiert wurde, wie oft Patienten wegen Herzinsuffizienz erstmals hospitalisiert wurden und wie oft sie an Herzinsuffizienz starben. Patienten, die innerhalb von 30 Tagen nach einem im Studienzeitraum aufgetretenen Myokardinfarkt eine Herzinsuffizienz entwickelten, wurden für die Auswertung nicht berücksichtigt.

Insgesamt konnten die Experten auf Daten von über 132.000 Studienteilnehmern zurückgreifen, die im Mittel über einen Zeitraum von 4,3 Jahren mit Statinen behandelt wurden.

Rate der Klinikeinweisungen um 10% niedriger

Die Inzidenz der erstmaligen Klinikeinweisungen wegen Herzinsuffizienz war bei Statintherapie um 10% niedriger als bei Patienten in den jeweiligen Kontrollgruppen (RR 0,90; 95%-CI 0,84-0,97). Bei absoluten Risiken von 2,0 bzw. 2,3% über den 4-Jahres-Zeitraum war der Unterschied allerdings gering. Die Number-Needed-to-Treat für diesen Zeitraum berechnet sich auf 333.

Ebenfalls das statistische Signifikanzniveau erreicht wurde bei dem Kompositendpunkt aus Hospitalisierung und Tod wegen Herzinsuffizienz (RR 0,92; 95%-CI 0,85-0,99). Wurde der Mortalitätsendpunkt getrennt ausgewertet, gab es keine Signifikanz. Die beobachteten Effekte waren unabhängig davon ob die Patienten bereits einen Myokardinfarkt erlitten hatten oder nicht.

Ist Unterschied klinisch relevant?

Preiss diskutiert in seiner Publikation die Frage, ob der beobachtete Unterschied als klinisch relevant eingestuft werden sollte oder nicht. Der Autor selbst neigt dazu, ihn als relevant anzusehen und weist darauf hin, dass der Nutzen der Statine im Hinblick auf die Herzinsuffizienz in der Metaanalyse wahrscheinlich eher unterschätzt werde.

Der Grund: Mildere Herzinsuffizienzepisoden fanden keine Berücksichtigung. Auch sei wahrscheinlich, dass die Kurven bei längeren Follow-up-Zeiträumen weiter auseinanderliefen.

Literatur

Preiss D et al. The effect of statin therapy on heart failure events: a collaborative meta-analysis of unpublished data from major randomized trials. Eur Heart J. 2015 Mar 23. doi: 10.1093/eurheartj/ehv072