Skip to main content
main-content

15.10.2014 | Nachrichten | Onlineartikel

Hämorrhagischer Schlaganfall

Statingabe in der Klinik bessert Prognose nach Hirnblutung

Autor:
Dr. Ulrike Fortmüller

Patienten sollen nach einem hämorrhagischen Schlaganfall bessere Überlebens- und Entlassungsraten haben, wenn sie im Krankenhaus weiter Statine bekommen. Hinweise dafür liefert eine neue Studie.

Die aktuelle Studienlage belegt den Nutzen von Statinen zur Sekundärprävention bei ischämischen Schlaganfällen; bei hämorrhagischen Schlaganfällen war die Lage bisher nicht so klar. So zeigte sich 2006 in der SPARCL-Studie (Stroke Prevention by Aggressive Reduction in Cholesterol Levels), dass Statinpatienten, die einen hämorrhagischen Insult erlitten hatten, auch eine höhere Rate für ein weiteres Ereignis aufwiesen, als Patienten ohne Statingabe.

Retrospektive Studie mit 3481 Patienten

Statine beeinflussen eine Reihe verschiedener Stoffwechselwege, die beim Schlaganfall eine Rolle spielen können, wie die Hemmung inflammatorischer Prozesse oder die Verbesserung der zerebralen Durchblutung. Allerdings könnten sie auch Plättchenaggregation und Thrombogenese hemmen, was beim hämorrhagischen Schlaganfall kontraproduktiv ist und Ärzte in der Vergangenheit davon abgehalten hat, diesen Patienten Statine zu geben.

In einer aktuellen retrospektiven Studie wurden Daten von 3481 über 50-jährigen kalifornischen Krankenhauspatienten ausgewertet, bei denen zwischen 2002 und 2011 die Erstdiagnose eines hämorrhagischen Schlaganfalls gestellt wurde. Von 2321 Patienten, die mindestens ein Jahr vor Diagnosestellung kein Statin erhalten hatten, bekamen in der Klinik 18,3 Prozent ein Statin. Von 1160 Patienten unter vorheriger Statintherapie wurde diese Medikation bei 33,7 Prozent nach der Krankenhauseinweisung abgesetzt.

Statingabe beeinflusste Mortalitäts- und Entlassungsraten positiv

Patienten, die zuvor kein Statin bekamen, zeigten schlechtere klinische Ergebnisse, als solche, die die Medikation während des Klinikaufenthalts fortsetzten. Nach Anpassung der Faktoren Alter, Geschlecht, Ethnien, Komorbiditäten, Krankenhausfallzahlen und Dysphagie lag die 30-Tage-Überlebenswahrscheinlichkeit in der Statingruppe über der der Vergleichsgruppe (OR: 4,25; 95%-KI 3,46–5,23). Dieser Effekt blieb auch nach Adjustierung der initialen Blutungsstärke und des Wiederbelebungsstatus in den ersten 24 Stunden erhalten.
Bei den Entlassungszahlen (nach Hause oder in eine Rehabilitationseinrichtung) lag der Vorteil mit 51,1 vs. 35,0 Prozent auch in der Statingruppe im Vergleich zum Statin-freien Kollektiv.

Patienten deren Statingabe nach Krankenhausaufnahme abgesetzt wurde, hatten eine nicht adjustierte 30-Tage-Mortalitätsrate von 57,8 Prozent im Vergleich zu 18,9 Prozent (OR: 0,16; 95%-KI 0,12–0,21; p<0,001) bei Patienten, die schon vorher und auch während des Klinikaufenthalts weiterhin Statine bekamen. Das Absetzen der Statine korrelierte auch hier mit einer (nicht adjustierten) schlechteren Entlassungsrate der Patienten nach Hause oder zur Reha.

Weitere Studien sind erforderlich

Diese Ergebnisse sind interessant, wenn man berücksichtigt, dass die Statinpatienten signifikant mehr Komorbiditäten wie Diabetes oder Vorhofflimmern hatten als die Vergleichsgruppe, was eigentlich schlechtere Ergebnisse im Statinkollektiv erwarten ließe. Die Autoren sehen keinen Zusammenhang der Ergebnisse mit der LDL-Cholesterinsenkung durch die Statine, sondern vermuten einen wesentlich schneller einsetzenden Effekt auf die NO-Produktion.

Die Studie hat aber auch einige Schwachpunkte. So wurde z.B. die Komedikation der Patienten nicht berücksichtigt, die womöglich die Ergebnisse beeinflusst hat. Die Daten sind auch nicht ausreichend, um die Kontroverse zur Statingabe bei hämorraghischen Schlaganfällen zu lösen. Obwohl die vorliegenden Ergebnisse zeigen, dass es kurzfristig zu einer Prognoseverbesserung kommt, könnte zum Beispiel das Risiko für Patienten mit amyloider Angiopathie unter Statinen steigen. Daher kann maximal für die Fortsetzung einer bestehenden Statintherapie für 30 Tage (gemäß Studiendauer) nach einem nicht-amyloiden hämorrhagischen Schlaganfall plädiert werden, bis ausreichend validierte prospektive Studiendaten vorliegen.


Literatur