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20.05.2015 | Nachrichten

Expertenblickpunkt EuroPCR

Stent-Vergleich: Ist ein abbaubares Polymer von Vorteil?

Autor:
PD Dr. Thomas Lauer

Der Vorteil eines biodegradierbaren Polymers ist möglicherweise erst ein Jahr oder später nach Stentimplantation nachweisbar, wenn es bereits vollständig abgebaut ist. Hierzu gibt es aber bislang nur wenige randomisiert kontrollierte Studien.

In der „Late-breaking trials and innovations Hot Line“ beim Kongress EuroPCR in Paris berichte Dr. Masahiro Natsuaki über die 3-Jahres-Daten der NEXT-Studie. In dieser prospektiven, multizentrischen Studie wurden Patienten mit Indikation zur PCI randomisiert entweder mit einem Biolimus-Eluting-Stent mit biodegradierbarem Polymer (BP-BES; n=1,617) oder einem Everolimus-Eluting-Stent mit dauerhaftem (Cobalt-Chrom-)Polymer (DP-EES; n=1,618) behandelt.

Auch nach drei Jahren ist der primäre Sicherheits- (Tod und Myokardinfarkt) und Wirksamkeits-Endpunkt (Revaskularisation der Target Lesion) vergleichbar. Der BP-BES ist dem DP-EES nicht unterlegen. Es zeigen sich aber keine erhofften signifikanten Unterschiede oder zumindest relevante Tendenzen hinsichtlich der untersuchten Outcome-Parameter (Tod, kardialer Tod, Myokardinfarkt, Stentthrombose, Schlaganfall, Revaskularisation der Zielläsion und Blutungen).

Bemerkenswert sind die anhaltend niedrigen Stentthromboseraten (DP-EES 0,26% und BP-BES 0,31%) in der NEXT-Studie auch nach drei Jahren. Als Erklärung führt Natsuaki in der nachfolgenden Diskussion die relativ geringe Anzahl an Patienten mit STEMI sowie die sehr häufige IVUS-gesteuerte Stentbehandlung an. Möglicherweise spiele auch die andere Ernährungsweise des vorwiegend asiatischen Patientenkollektivs gegenüber den westlichen Ländern eine Rolle.

Die angekündigte Verlängerung des Follow-up bis zu zehn Jahre wird zukünftig helfen zu klären, ob erst langfristig nach Stentimplantation vorteilhafte Effekte des biodegradierbaren Polymers bestehen.

In unserer Kolumne „Expertenblickpunkt“ hebt ein Experte aus Klinik oder Praxis besondere Inhalte von Kongressen und aus der aktuellen kardiologischen Berichterstattung hervor. PD Dr. Thomas Lauer arbeitet als niedergelassener Kardiologe und Partner im CardioCentrum Düsseldorf.

Literatur