Nachrichten 24.09.2021

Bereits moderater Alkoholkonsum könnte Bluthochdruck begünstigen

Wie viel Alkohol pro Woche ist noch okay? Eine Frage, die für Ärzte aufgrund widersprüchlicher Ergebnisse schwierig zu beantworten ist. Was das Risiko für Bluthochdruck betrifft, scheint schon ein moderates Trinkverhalten problematisch zu sein.

Schon ein bis zwei Gläser Wein oder Bier am Tag scheinen das Risiko für Bluthochdruck zu erhöhen. Eine entsprechende Assoziation fand sich jedenfalls in einer großen Kohortenstudie mit über 17.000 Patienten.

In dieser Studie hatten diejenigen, die einen moderaten Konsum von Alkohol dokumentierten (7 bis 13 Drinks/Woche), ein um gut 50% höheres Risiko für die Entwicklung einer Grad-1- und Grad-2-Hypertonie als diejenigen, die nach eigenen Angaben gar kein Alkohol konsumierten (Odds Ratio, OR: 1,51 und 1,55). Starker Trinker, die 14 Drinks und mehr pro Woche zu sich nahmen, hatten ebenfalls ein signifikant erhöhtes Risiko, einen Bluthochdruck entwickeln, mit einer OR von 1,65 für eine Grad-1-Hypertonie und 2,46 für eine Grad-2-Hypertonie.  

Dass ein hoher Alkoholkonsum nicht förderlich ist für die Gesundheit, ist unumstritten. Wenig eindeutig ist die Datenlage allerdings für ein moderates Trinkverhalten. So gibt es die Auffassung – teils durch Studien unterstützt – dass Alkohol in Maßen kardioprotektiv wirken könnte, wobei diese Theorie durch neuere Untersuchungen zunehmend infrage gestellt wird.

Leitlinien empfehlen max. 100 g Alkohol/Woche

Die 2021 aktualisierten ESC-Leitlinien zur kardiovaskulären Prävention empfehlen deshalb, den Alkoholkonsum auf maximal 100 g pro Woche zu beschränken, neuerdings als Klasse 1 B-Empfehlung. 100 g entsprechen je nach Alkoholgehalt der Getränke circa 7 bis 13 Drinks pro Woche. Unterschiede zwischen Frauen und Männern werden dabei nicht gemacht.

Die aktuellen Daten unterstützen nun die neuesten Leitlinienempfehlungen, nicht nur den vorgegebenen Grenzwert, sondern auch die einheitliche Zielsetzung für Frauen und Männer. Denn auch in dieser Kohortenstudie konnten keine bedeutenden Unterschiede zwischen den Geschlechtern ausgemacht werden.

Kausalität nicht gegeben

Analysiert wurden die Daten von 17.059 Teilnehmern einer USA weiten Untersuchung zur Gesundheit und Ernährung der Bevölkerung (Third National Health and Nutrition Examination Survey, 1988 und 1994). Der Blutdruck der Teilnehmer wurde in diesem Untersuchungszeitraum zuhause und in mobilen Untersuchungszentren gemessen, ihr Alkoholkonsum wurde via Fragebogen ermittelt. In der aktuellen Analyse wurde ein gemessener Blutdruck von 130–139/80–89 mmHg systolisch/diastolisch nach den ACC/AHA-Leitlinien von 2017 als Grad 1-Hypertonie und ein Blutdruck von ≥ 140/≥90 mmHg als Grad 2-Hypertonie bewertet.

In den Regressionsmodellen, in denen sich die Assoziation zwischen Alkoholkonsum und Blutdruckhöhe herausgestellt hat, wurde auf Alter, Geschlecht, Einkommensverhältnissen und vorhandenen kardiovaskulären Risikofaktoren der Patienten adjustiert. Trotz allem können die Studienautoren um Dr. Amer Aladin den Einfluss von verbleibenden Störfaktoren nicht ausschließen. „Eine kausale Beziehung zwischen Alkohol und systemischem Bluthochdruck kann nicht hergestellt werden“, betonen die Kardiologen aus Washington deshalb. Dafür benötige es weitere Untersuchungen, auch um die Mechanismen, wie moderater Alkoholkonsum den Blutdruck beeinflusst, besser verstehen zu können.

Literatur

Aladin AI et al. Alcohol Consumption and Systemic Hypertension (from the Third National Health and Nutrition Examination Survey). Am J Cardiol 2021;00:1−7; https://doi.org/10.1016/j.amjcard.2021.08.033

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