Nachrichten 11.02.2020

Schon leicht erhöhte TSH-Werte könnten dem Herz schaden

Eine subklinische Hypothyreose wirkt sich einer aktuellen Analyse zufolge negativ auf das Herzrisiko aus. Sogar bei TSH-Werten im oberen Normbereich fand sich eine ungünstige Assoziation. Was heißt das für die Praxis?

Über die Therapiebedürftigkeit einer latenten Schilddrüsenunterfunktion herrscht Uneinigkeit. Die aktuellen Leitlinien sprechen sich gegen eine routinemäßige Hormonsubstitution aus, weil der Nutzen einer solchen Behandlung fragwürdig ist.

Doppelt so hohes Sterberisiko

Eine aktuelle Analyse stellt diese Empfehlung nun erneut zur Diskussion. Demzufolge scheint eine latente Schilddrüsenunterfunktion mit einer erhöhten Mortalität einherzugehen. Als „latent“ bzw. „subklinisch“ galt in dieser Studie ein TSH-Wert ˃ 5,6 mlU/L  und ein freies Thyroxin [fT4] von 0,6–1,6 ng/dl.

Das Sterberisiko war für Personen mit entsprechenden Laborwerten fast doppelt so hoch als für jene, deren TSH im mittleren Referenzbereich (1,20–1,95 mlU/L) gelegen hat (Hazard Ratio, HR: 1,90).

Eine Mediatoranalyse ergab, dass das erhöhte Sterberisiko zu 14,3% auf das Konto von kardiovaskulären Erkrankungen ging.

Schon ein TSH im oberen Normbereich barg ein Risiko

Selbst TSH-Spiegel im oberen Normbereich (1,96–5,50 mlU/L)  gingen mit einer erhöhten Sterblichkeit einher (HR: 1,36), die allerdings nur zu 5,9% auf kardiovaskuläre Ursachen zurückzuführen war.

Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass ein höherer TSH-Wert ein Risikofaktor für kardiovaskuläre Erkrankungen und Tod darstellen könnte, resümieren die Studienautoren um Dr. Kosuke Inoue. „Selbst dann, wenn das TSH nur moderat erhöht ist“, fügen die Wissenschaftler von der University of Los Angeles hinzu.

Latente Hypothyreose behandeln?

Als Konsequenz daraus alle Personen mit solchen TSH-Werten routinemäßig mit einer Thyroxingabe zu behandeln, geht den Studienautoren jedoch zu weit. Die Wissenschaftler könnten sich aber vorstellen, dass eine Hormonsubstitution für spezifische Patientenpopulationen z.B. im Rahmen der kardiovaskulären Prävention förderlich sein könnte. Inwieweit das zutrifft, müssen künftige Studien klären.

Dieser TSH-Bereich war am günstigsten

Zu beachten ist allerdings, dass auch „normale“ TSH-Werte im unteren Referenzbereich (0,34–1,19 mlU/L) mit einem erhöhten Sterberisiko assoziiert waren (HR: 1,36). Sprich, allein ein TSH im mittleren Normbereich (1,20–1,95 mlU/L) hat sich als unkritisch herausgestellt. 

International existieren jedoch unterschiedliche Grenzwerte, die teils auch vom Alter der Patienten abhängig sind. So liegt der TSH-Referenzbereich laut der S2k-Leitlinie der DEGAM bei Erwachsenen zwischen 0,4 und 4,0 mIU/L.

Kausale Beziehung fraglich

Für die aktuelle Untersuchung wurden insgesamt 9.020 Personen des „National Health and Nutrition Examination Survey“ (NHANES-)Programms im Mittel über 7,3 Jahre nachverfolgt.

Die Veränderungen der Schilddrüsenwerte über die Zeit wurden in der Analyse nicht berücksichtigt, was eine wichtige Limitation darstellt. Darüber hinaus ist fraglich, inwieweit  die Schilddrüsenfunktion tatsächlich ursächlich für das erhöhte Herz-Kreislauf-Risiko verantwortlich ist. Es könnte beispielsweise sein, dass bestehende Störungen im Herz-Kreislauf-System die Schilddrüsenfunktion beeinträchtigt haben und nicht andersherum.

Literatur

Inoue K et al. Association of Subclinical Hypothyroidism and Cardiovascular Disease With Mortality. JAMA Netw Open. 2020;3(2):e1920745. doi:10.1001/jamanetworkopen.2019.20745

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