Nachrichten 22.07.2022

Spezielle chinesische Diät wirkt blutdrucksenkend

In China ernähren sich die Menschen in der Regel anders als z.B. in Europa. Chinesische Wissenschaftler haben deshalb eine spezielle, herzgesunde Diät entwickelt, deren Geschmack auf der traditionellen chinesischen Küche gründet – und diese hat sich in einer randomisierten Studie als ziemlich effektiv herausgestellt.

Die in der kardiovaskulären Prävention bekannten, evidenzbasierten Diäten wie die DASH-Diät sind in westlichen Ländern entwickelt worden. Eine entsprechende Ernährungsweise auf die chinesische Bevölkerung zu übertragen, ist schwierig, da sich die Essgewohnheiten stark unterscheiden.

In China nehmen kardiovaskuläre Erkrankungen zu

Chinesische Wissenschaftler um Prof. Yanfang Wang haben sich deshalb zusammen mit in China arbeitenden Chefköchen Gedanken gemacht, wie sich eine herzgesunde Ernährungsweise mit der chinesischen Küche verbinden lässt. Herausgekommen ist die „Chinese heart-healthy“ (CHH)-Diät. Diese basiert auf den vier wichtigsten in China verbreiteten Kochtraditionen (Shangdong, Huaiyang, Cantonese, Szechuan) und ist gekennzeichnet durch einen im Vergleich zu dort üblichen Kost geringeren Energiegehalt, niedrigeren Salz- und höheren Kaliumgehalt sowie einem erhöhten Anteil an Proteinen und Ballaststoffen. 

Die Implementierung neuer Lebensstilansätze in China ist, wie Wang und Kollegen erörtern, insofern wichtig, da kardiovaskuläre Erkrankungen in China stark zugenommen haben. Als wesentlichen Grund für diese besorgniserregende Entwicklung führen die Wissenschaftler die in China zu beobachtende wachsende Adaption eines ungesunden Lebensstils an. Einhergehend damit ernähren sich immer weniger Menschen nach den Prinzipien der traditionellen chinesischen Küche.

Spezielle Diät beruht auf chinesischen Regionalküchen

Im Rahmen der randomisierten DECIDE-Diet-Studie testeten Wang und sein Team nun, ob die CHH-Diät tatsächlich gesundheitsfördernd wirkt. Dafür rekrutierten sie 265 Patientinnen und Patienten mit einem milden Hypertonus (mittlerer Blutdruck: 139,4/88,1 mmHg) aus vier verschiedenen Gebieten in China. 52% der Teilnehmer waren Frauen, das mittlere Alter lag bei 56,5 Jahren.

Nach einer siebentätigen Run-in-Phase, in der die Teilnehmenden eine Kontrolldiät zu sich nahmen, wurden die Patienten randomisiert: Eine Hälfte sollte die auf lokalen Essgewohnheiten basierende Kontrolldiät für weitere 28 Tage fortsetzen, die andere Hälfte wechselte auf die CHH-Diät. Die Teilnehmer wussten nicht, welcher Gruppe sie angehörten. Die jeweiligen Gerichte wurden für die Patienten zubereitet.

Herzgesunde Diät bewirkt signifikante Blutdrucksenkung

Die Einnahme der speziellen Diät hatte eine signifikante Blutdrucksenkung zur Folge: Der systolische Blutdruck sank in der Gruppe, welche die CHH-Diät zu sich genommen hat, im Schnitt um 15 mmHg, in der Kontrollgruppe reduzierte sich der Druck um 5 mmHg. Das ergibt einen signifikanten Unterschied von 10 mmHg (p ˂ 0,001). Der diastolische Blutdruck nahm entsprechend um 6,7 vs. 2,8 mmHg ab (p ˂ 0,001). Der Effekt der herzgesunden Diät zeigte sich unabhängig davon, welche chinesische Küche (Cantonese, Szechuan usw.) als Basis der Diät fungierte.

Erfreulich auch mit Blick auf die Adhärenz war, dass die teilnehmenden Patienten sehr zufrieden waren mit dem Geschmack der ihnen vorgesetzten DHH-Gerichten.

Niedriger Salz- und hoher Kaliumgehalt spielen eine wesentliche Rolle

„Die Chinese heart-healthy-Diät ist eine effektive, schmackhafte und kosteneffektive Option, um den Blutdruck chinesischer, erwachsener Patienten, die einen hohen Blutdruck aufweisen, zu senken“, folgern die Autoren daraus. Wang und Kollegen vermuten, dass der klinische Effekt der Diät zu einem großen Teil auf den niedrigen Salz- und hohen Kaliumgehalt der Gerichte zurückzuführen ist. Daneben könnten auch die anderen Charakteristika der Diät wie der hohe Anteil an Früchten und Gemüse dazu beigetragen haben, erläutern sie. Angesichts dieser Ergebnisse appellieren die Autoren an Ärzte, ihren chinesischen Bluthochdruckpatienten als Firstline-Therapie zu einer solchen Ernährungsweise raten.

Doch funktioniert das auch im Alltag?

Fraglich ist allerdings – wie so oft bei solchen Interventionen –, ob die Menschen eine entsprechende Ernährungsweise im Alltag ohne kontrollierte Bedingungen dauerhaft übernehmen. Die Dauer der Studie belief sich gerade mal auf vier Wochen. Eine weitere Limitierung ist, dass die Studie wegen der Corona-Pandemie und der in China durchgesetzten Quarantäne-Politik vorzeitig abgebrochen werden musste

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