Nachrichten 10.08.2022

Viel Kaliumchlorid im Salz bringt offenbar Vorteile für Herz und Gefäße

Nach den Ergebnissen der Studie SSaSS in China wollten Forscher wissen: Ist der in der Studie beobachtete Vorteil bei Salzersatz – Kaliumchlorid statt Natriumchlorid – ein rein chinesisches Phänomen?

Was in der chinesischen Studie SSaSS (Salt Substitute and Stroke Study) geklappt hat, funktioniert wahrscheinlich auch außerhalb von China: Die Substitution von Kochsalz durch Kaliumchlorid-haltiges Salz taugt für die kardiovaskuläre Prävention, meldet jetzt ein internationales Forschungsteam um Xuejun Yin, The George Institute for Global Health in Newtown, Australien.

Die gepoolte Datenanalyse der Wissenschaftler hat ergeben: Die Substitution verringert das Risiko von Herzinfarkten und Schlaganfällen, hat aber auch einen positiven Effekt auf die Gesamtsterberate sowie die kardiovaskuläre Mortalität.

Zur Erinnerung: Die chinesische Studie SSaSS hat quasi in der Debatte, ob eine reduzierte Kochsalzzufuhr als Präventionsmaßnahme nützt, den endgültigen Beweis gebracht. „Die Debatte ist hiermit beendet“, hatte etwa Professor Bryan Williams, University College London, beim letztjährigen ESC-Kongress unmissverständlich deutlich gemacht.

Was waren die Ergebnisse von SSaSS?

In der Studie SSaSS waren in China statt Personen ganze Dörfer randomisiert worden. In einem Teil der Dörfer wurde normales Kochsalz (100% NaCl) verwendet, in den anderen Dörfern wurde Kochsalz durch ein spezielles Salz (75% NaCl, 25% KCl) ersetzt.

In den folgenden fünf Jahren war das Schlaganfallrisiko für Personen, die das spezielle Salz verwendeten, um 14% geringer (p=0,006) als bei normaler Kochsalzzufuhr (pro Jahr 29 vs. 34 Schlaganfälle pro 1.000 Studienteilnehmer). Schwerwiegende kardiovaskuläre Ereignisse (49 vs. 56 Ereignisse pro 1.000 Personenjahre) und Todesfälle jeglicher Ursache (39 vs. 45 Ereignisse) – beides sekundäre Endpunkte – waren in der Salzersatzgruppe ebenfalls deutlich seltener.

Nach der jetzt vorgelegten gepoolten Analyse sei mit einem Nutzen des Salzersatzes bei allen Bevölkerungsgruppen weltweit zu rechnen, werden die Forscher um Xuejun Yin in einer Mitteilung zur Veröffentlichung der neuen Studie zitiert.

Sie haben die Daten von 21 randomisierten klinischen Studien, die bis Ende August 2021 veröffentlicht worden sind, ausgewertet und dabei den Fokus auf Blutdruck, kardiovaskuläre Gesundheit und Todesfälle gelegt. Insgesamt lagen aus den Studien Daten von rund 30.000 Personen vor – aus Europa, der Region Westpazifik, Amerika und Südostasien.

19 Studien enthielten Informationen zum Blutdruck, fünf lieferten Informationen zu klinischen Endpunktereignissen. In den Studien mit einer Laufzeit von einem Monat bis zu fünf Jahren lag der NaCl-Anteil im Salz zwischen 33% und 75%, der Anteil von KCL zwischen 25% und 65%.

Erneut Vorteile mit Salzersatz

Die wichtigsten Ergebnisse der gepoolten Datenanalyse:

  • Die Substitution von NaCl durch KCl war mit niedrigeren Blutdruckwerten assoziiert – die systolischen Werte lagen im Mittel um 4,61 mmHg niedriger, die diastolischen Werte um 1,61 mmHg.
  • Dieses Ergebnis war konsistent – und unabhängig vom Wohnort der Studienteilnehmer, von Alter, Geschlecht, initialen Blutdruckwerten, Body-Mass-Index (BMI), gegebenenfalls diagnostizierter Hypertonie sowie initialen NaCl- und KCl-Werten im Urin.
  • Jede Reduktion des NaCl-Anteils um 10% im Salzersatz war mit einer Reduktion der systolische Blutdruckwerte um 1,53 mmHg und einer Reduktion der diastolischen Werte um 0,95 mmHg assoziiert.
  • Die Substitution durch KCl hatte offenbar keine negativen gesundheitlichen Folgen.
  • Salzersatz war mit einer um 11% geringeren Gesamtsterberate assoziiert; das Risiko eines kardiovaskulär bedingten tödlichen Ereignisses war um 13%, das von Herzinfarkt oder Schlaganfall um 11% reduziert.

Natürlich weisen die Autoren um Xuejun Yin auch auf Limitationen ihrer Analyse hin, dabei auch auf unterschiedliche Studiendesigns und einen relativ geringen Anteil von Studienteilnehmern ohne Hypertonie. Dennoch sehen sie sich mit den Ergebnissen von SSaSS auf einer Linie.

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Literatur

Yin X et al. Effects of salt substitutes on clinical outcomes: a systematic review and meta-analysis. Heart 2022. doi: 10.1136/heartjnl-2022-321332

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