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24.06.2015 | Nachrichten

Expertenblickpunkt EHRA 2015

Studie legt noch konservativere ICD-Programmierung nahe

Autor:
PD Dr. Stefan Perings

Eine Herausforderung der ICD-Therapie ist die Vermeidung inadäquater Therapieabgaben. Bereits in früheren Studien konnte gezeigt werden, dass konservative Algorithmen zur Therapieabgabe die Häufigkeit von antitachykardem Pacing (ATP) und Schocks reduzieren können, ohne dass dabei die Sicherheit der Patienten gefährdet wird. Die ENHANCE-ICD-Studie liefert dazu neue Informationen.

So konnte in der PREPARE-Studie durch Verlängerung des Detektionsintervalls auf 30/40 die Anzahl der Schockabgaben innerhalb der ersten 12 Monate auf 8,5% im Vergleich zu 16,9% im Kontrollarm gesenkt werden.

In der ENHANCE-ICD-Studie wurde nun nochmals eine konservativere Programmierung gewählt mit einer schnellen Kammertachykardie-Zone (fVT) >182 bpm mit 60/80 Intervallen und konsekutiven 3 ATPs und 5 Schocks. Die Kammerflimmerzone (VF) lag bei >250 bpm mit 60/80 Intervallen und konsekutiven einmaligem ATP und 6 Schocks.

Als primärer Endpunkt wurde die Sicherheit dieser Programmierung definiert. Sekundär wurde die Häufigkeit unerwünschter Effekte, die Anzahl an ATPs und Schocks und die Lebensqualität analysiert.

In der Single Center Studie wurden bei insgesamt 60 Patienten 43 (72%) 1-Kammer-ICD, 6 (10%) 2-Kammer-ICD und 11 (18%) 3-Kammer-ICD implantiert. Die Patientencharakteristika entsprachen im Wesentlichen denen eines typischen ICD-Kollektivs mit eingeschränkter LV-Funktion bei ischämischer oder nicht ischämischer Kardiomyopathie.

Als primäre Endpunkte wurden 2 Todesfälle, beide bedingt durch progressive Herzinsuffizienz, und 22 Hospitalisationen registriert. Von diesen Hospitalisationen waren 2 Device-bedingt, 11 nicht Device-bedingt und 9 nicht kardiogen.

Unter den sekundären Endpunkten war eine arrhythmogene Synkope mit adäquatem Schock, 1 inadäquater Schock, 2 arrhythmogene Prä-Synkopen, 1 nicht arrhythmogene Synkope und 1 adäquater Schock ohne Synkope. Eine unnötige ICD-Therapie wurde in 8 Patienten (13%) verhindert. Hierunter waren 12 nicht anhaltende ventrikuläre Tachykardien von denen 6 Episoden >18/24 Intervallen und <30/40 Intervallen und 6 weiter Episoden zwischen >30/40 Intervallen und <60/80 Intervallen lagen.

Betrachtet man nun die unterschiedlichen Programmierungen, so wären im 2-Jahres-Follow-up frei von einer ICD Therapie 86,2% beim 18/24 Intervall, 89,7% beim 30/40 Intervall und 93,1% beim 60/80 Intervall geblieben, ohne dass es zu einer Beeinträchtigung der Patienten Sicherheit gekommen ist.

Insgesamt konnte also die adäquate Therapieabgabe durch die konservativere Programmierung 60/80 und eine damit verlängerte Detektionszeit reduziert werden. Unklar bleibt die Frage, wie weit man die Detektionszeiten noch weiter verlängern kann, ohne die Patienten zu gefährden.


In unserer Kolumne „Expertenblickpunkt“ hebt ein Experte aus Klinik oder Praxis besondere Inhalte von Kongressen und aus der aktuellen kardiologischen Berichterstattung hervor.
Dr. Stefan Perings, ist geschäftsführender Mitherausgeber von „kardiologie.org". Er arbeitet als niedergelassener Kardiologe und Partner im CardioCentrum Düsseldorf sowie in der Klinik für Kardiologie, Pneumologie und Angiologie des Universitätsklinikums Düsseldorf. Seit 2012 ist er stellvertretender Bundesvorsitzender des Bundesverbandes Niedergelassener Kardiologen (BNK) und Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie.

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Bildnachweise