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03.04.2017 | Tachykarde Herzrhythmusstörungen | Nachrichten

In deutschen Kliniken

Patienten nach Katheterablation sehr zufrieden

Autor:
Veronika Schlimpert

Die meisten Patienten in Deutschland sind nach einer Katheterablation wegen supraventrikulärer Tachykardien beschwerdefrei und würden den Eingriff im selben Zentrum wieder vornehmen lassen, wie aktuelle Registerdaten verdeutlichen. Doch trotz der hohen Zufriedenheitslevel gibt es Verbesserungspotenzial.

Die Technologie der Katheterablation hat sich in den letzten Jahren deutlich verbessert. Dass sich diese Weiterentwicklungen offenbar auch aus Sicht der Patienten gelohnt haben, macht nun eine Auswertung des Deutschen Ablationsregisters unter Federführung von Prof. Johannes Brachmann, Klinikum in Coburg, und Prof. Thorsten Lewalter, Klinikum München-Thalkirchen, deutlich.

Fast drei Viertel (74,1%) der registrierten Patienten bewerteten den Eingriff als erfolgreich, 15,7% als teilweise erfolgreich und nur 9,6% stuften die Ablation als erfolglos ein. Fast jeder Patient gab an, dass er den Eingriff im selben Zentrum wieder vornehmen lassen würde (94,3%); selbst diejenigen, die danach nicht beschwerdefrei waren, teilten diese Auffassung zu fast 90%.

„Da die Katheterablation immer noch eine symptomorientierte Behandlung darstellt, sind die Gesamt-Performance und das Outcome aus Patientensicht eine wichtige Information für die Ärzte“, schreiben Brachmann und Kollegen.  

Fast zwei Drittel symptomfrei nach einem Jahr

Insgesamt wurden in dem Register 12.566 Patienten eingeschlossen, die zwischen 2007 und 2010 aufgrund von Vorhofflimmern, Vorhofflattern, Sinusknoten-Reentrytachykardie, AV-Knoten-Reentrytachykardie (AVNRT) oder fokaler atrialer Tachykardie eine Katheterablation in einem der 52 freiwillig teilnehmenden Zentren erhalten haben.

Symptomfrei waren nach dem Eingriff 67,4% der Teilnehmer; am häufigsten kam es bei Vorhofflimmern-Patienten zu erneuten Beschwerden (45,6%), am seltensten war dies bei AVNRT-Patienten der Fall (17,2%). Die Katheterablation sei somit als therapeutisches Konzept zur Verbesserung der Beschwerden sehr erfolgreich, schlussfolgern die Studienautoren.

Langzeit-Erfolge schlechter als in anderen Registern

Doch trotz einer periprozedualen Erfolgsrate von fast 100% (96,3%)  kam es innerhalb des einen Jahres bei 32,6% der Patienten zu einem Rezidiv der Arrhythmie und 12% benötigten deshalb eine erneute Ablation. Diese Langzeit-Erfolgsraten seien damit schlechter als die aus anderen Registern, stellen die Autoren fest. So lagen die Erfolgsraten nach Ablation wegen Vorhofflimmerns in einer weltweiten Untersuchung zwischen 71 und 84% nach 10 Monaten, in dem deutschen Register nach einem Jahr nur bei 54,4%.

Aber: Rezidiv ist nicht gleich

Die Kardiologen machen allerdings deutlich, dass dabei zwischen einem Rezidiv der abladierten Arrhythmie und dem Neuauftreten einer anderen Rhythmusstörung zu unterscheiden ist. Auch die klinischen Maßnahmen, die jeweils erforderlich seien, würden sich unterscheiden. So kann im Falle eines Arrhythmie-Rezidivs eine erneute Katheterablation indiziert sein, bei einer neu aufgetretenen Rhythmusstörung hingegen ist womöglich eine andere Therapie von Nöten. Speziell bei älteren Menschen müsse neu aufgetretenes Vorhofflimmern nach einer AVNRT-Ablation auch als solches erkannt werden, betonen Brachmann und Kollegen, da dann womöglich eine orale Antikoagulation zur Schlaganfallprophylaxe indiziert sei.

Patienten mit Vorhofflattern konsequenter antikoagulieren

Auffallend in dem Register ist die hohe Schlaganfallrate von Patienten, die sich einer Ablation wegen Vorhofflatterns unterzogen haben (1,3% vs. 0,0 bis 0,6% bei den anderen Patientengruppen). Die Studienautoren führen dies auch auf die Tatsache zurück, dass diese Patienten seltener eine Antikoagulation erhalten haben als die mit Vorhofflimmern (61,5 vs. 89,7%) – und dass, obwohl Vorhofflimmern nach einer Ablation von Vorhofflattern häufig vorkomme. „Patienten mit Vorhofflattern sollten somit konsequenter antikoagulieren werden“, folgern die Kardiologen aus diesen Daten.

Für erwähnenswert halten sie die sehr geringe intrahospitale Mortalitätsrate von 0,03% nach dem Eingriff, was die Katheterablation ihrer Ansicht nach zu einer sicheren Prozedur macht. 

Literatur