Nachrichten 16.05.2017

Ranolazin wirkt vielleicht auch als Antiarrhythmikum

Ranolazin eignet sich womöglich auch als Antiarrhythmikum. Einen solchen Nutzen verspricht eine auf dem Kongress der Heart Rhythm Society (HRS) präsentierte Studie, in der die Substanz an ICD-Patienten erprobt wurde.

Das Anwendungsgebiet für Ranolazin könnte sich erweitern. Bisher wird das Piperazinderivat zur symptomatischen Therapie der stabilen Angina pectoris als Mittel der zweiten Wahl eingesetzt bei Patienten, die auf Betablocker oder Kalziumantagonisten nicht ausreichend ansprechen oder diese Medikamente nicht vertragen.

Womöglich eignet sich die Substanz bei ausgewählten Patienten aber auch als Antiarrhythmikum. Hinweise dafür liefert eine auf dem HRS-Kongress präsentierte randomisierte kontrollierte doppelblinde Studie, in der die Substanz an 1.020 Hochrisikopatienten erprobt wurde, denen aufgrund einer ischämischen (53%) oder nichtischämischen Kardiomyopathie (mittlere Ejektionsfraktion lag bei 31%) ein implantierbarer Kardioverter-Defibrillator (ICD) eingesetzt worden war.

Nicht wenigen ICD-Patienten werden aufgrund gehäufter ventrikulärer Tachyarrhythmien parallel antiarrhythmische Medikamente verabreicht, eingesetzt wird hierfür meist Amiodaron.

Wissenschaftler um Wojeciech Zareba von der University of Rochester in New York wollten mit Ranolazin nun eine potenzielle Alternative ausfindig machen.

Hauptanalyse fiel negativ aus

Auf den ersten Blick erscheint das Ergebnis der Studie allerdings wenig vielversprechend. Denn Ranolazin (1000 mg, 2 x tgl.) konnte den primären Endpunkt –  ventrikuläre Tachyarrhythmien (VT) und Vorhofflimmern (VF) oder Tod – nicht signifikant verringern (34,1% vs. 39,4% mit Placebo, Hazard Ratio: 0,84). Das Risiko für VT/VF, die durch antitachykardes Pacing (ATP) oder Schockabgabe terminiert werden mussten, ging um 19% zurück, aber auch dieses Ergebnis war nicht signifikant.

Allein die Rate von VT, die durch ATP beendet wurden, ließ sich durch die Therapie um signifikante 27% verringern.

Doch womöglich wurde die Signifikanz beim primäre Endpunkt nur deshalb verfehlt, weil die Compliance der Teilnehmer zu wünschen übrig ließ. So brachen 50% der Ranolazin-Patienten und 40% der Placebo-Patienten die Therapie während des 28-monatigen Studienverlaufs ab.

Probleme mit der Compliance

In einer On-Treatment-Analyse, in der auf die Compliance adjustiert wurde, erreichte die antiarrhythmische Wirkung von Ranolazin dann auch Signifikanz: Ventrikuläre Tachyarrhythmien und Vorhofflimmern sowie Todesfälle gingen um 25% zurück (21,6 vs. 30,9%).

Die häufigsten Nebenwirkungen unter Ranolazin waren Schwindel (8 vs. 2% mit Placebo) und Übelkeit (6 vs. 1%). Ernste Nebenwirkungen traten nicht auf.

Damit zeichnet sich Ranolazin durch eine vergleichsweise geringe Toxizität aus, darüber hinaus scheint es keine Proarrhythmien zu induzieren. Amiodaron wiederum kann sehr schwere Nebenwirkungen hervorrufen. Es könnte sich somit lohnen, Ranolazin in dieser Indikation weiter zu erforschen. Ob das Fall sein wird, bleibt abzuwarten.

Literatur

Zareba W et al. Ranolazine in High-Risk ICD Patients (RAID) Trial. Kongress der Heart Rhythm Society (HRS) 2017; Chicago, 10.–13. Mai 2017, Abstract  C-LBCT02-01

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Bildnachweise
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Thorax-CT/© S. Achenbach (Friedrich-Alexander-Universität Erlangen)
Kardio-MRT (Late Gadolinium Enhancement)/© Stephan Achenbach, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen
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