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08.04.2015 | Nachrichten | Onlineartikel

InterTAK-Register

Takotsubo-Kardiomyopathie: Erhöhtes Sterberisiko für junge Männer

Autor:
Victoria Lucia Cammann, UniversitätsSpital Zürich

Das Internationale Takotsubo Register liefert überraschende Erkenntnisse zur Mortalität von von Patienten mit Takotsubo-Kardiomyopathie. Demnach ist die Sterbewahrscheinlichkeit vor allem bei jungen Männern erhöht.

Von 2002 bis 2013 wurden 1639 Patienten in das Internationale Takotsubo-Register (InterTAKRegistry) aufgenommen (www.takotsubo-registry.com). 201 Patienten (12,3%) waren ≤ 50 Jahre alt, darunter 14,4% Männer und 85,6% Frauen.

Während Patienten > 50 Jahren häufiger die klassische apikale Ballonierung aufwiesen (83,2% vs. 75,1%, p = 0,005), wurde der basale Typ seltener (1,7% vs. 6,0%, p = 0,001) diagnostiziert. Die Prävalenz der midventrikulären (13,7% vs. 16,9%, p = 0,22) und fokalen (2,0% vs. 1,4%, p = 0,53) Formen war bei Patienten ≤ 50 und > 50 Jahren vergleichbar.

Eine Analyse hinsichtlich der Stressfaktoren ergab keine Unterschiede zwischen beiden Altersgruppen (Emotionale Faktoren: 28,3% vs. 28,9%, p = 0,87; physische Faktoren: 34,4% vs. 38,3%, p = 0,28; emotionale und physische Faktoren: 7,6% vs. 10,0%, p = 0,26).

Während die linksventrikuläre Ejektionsfraktion in beiden Altersgruppen vergleichbar war (41,3 ± 11,7 % vs. 41,0 ± 12,3%, p = 0,76), war der linksventrikuläre endsystolische Druck bei Patienten > 50 Jahren signifikant höher (21,6 ± 8,1 mmHg vs. 19,3 ± 7,7 mmHg, p = 0,005).

Unterschiedliche Komorbiditäten und Risikofaktoren

Patienten ≤ 50 Jahren zeigten vermehrt akut neurologische Diagnosen wie zerebrale Blutungen (6,7% vs. 1,4%, p < 0,001) und epileptische Anfälle (8,3% vs. 3,0%, p < 0,001), hingegen präsentierten sich Patienten > 50 Jahren häufiger mit kardiovaskulären Risikofaktoren wie Hypertonie (69,5% vs. 36,5%, p < 0,001), Hypercholesterolämie (33,9% vs. 17,2%, p < 0,001), Adipositas (24,8% vs. 15,4%, p = 0,005) und Diabetes mellitus (15,2% vs. 9,5%, p = 0,038) sowie mit Komorbiditäten wie Krebsleiden (17,9% vs. 7,4%, p < 0,001) und COPD/Asthma (16,8% vs. 10,2%, p = 0,019).

Patienten ≤ 50 Jahren erlitten häufiger einen kardiogenen Schock (15,5% vs. 9,2%, p = 0,005) und wurden öfter akut kardiologisch behandelt (35,5% vs. 17,7%, p < 0,001). So wurde häufiger eine invasive und nicht invasive Beatmungstherapie (29,5% vs. 15,0%, p < 0,001), eine Katecholamintherapie (23,5% vs. 9,9%, p < 0,001) und eine kardiopulmonale Reanimation (17,5% vs. 7,4%, p < 0,001) durchgeführt.

Erhöhte Mortalität bei jüngeren Männern

Während ein nicht signifikanter Trend für eine höhere Krankenhausmortalität bei Patienten ≤ 50 Jahren (6,0% vs. 3,6%, p = 0,11) dokumentiert wurde, zeigte sich in der geschlechtsspezifischen Analyse eine signifikant erhöhte Krankenhausmortalität bei Männern ≤ 50 vs. > 50 Jahren (17,2% vs. 5,3%, p = 0,042). Die erhöhte Mortalität bei jüngeren Patienten, insbesondere bei Männern ist maßgeblich bedingt durch die erhöhte Rate an zerebralen Blutungen (Odds Ratio 9,261, p < 0,001) und epileptischen Anfällen (Odds Ratio 2,657, p < 0,001).

Fazit

Junge Patienten (≤ 50 Jahren) mit Takotsubo-Kardiomyopathie präsentierten sich häufiger in einem hämodynamisch instabilen Zustand und benötigten häufiger eine akut kardiologische Behandlung. Die erhöhte Krankenhausmortalität von jungen Takotsubo Patienten ist maßgeblich durch lebensbedrohliche akut neurologische Erkrankungen bedingt.

Literatur