Onlineartikel 08.12.2015

TAVI-Entwicklung: Klare Parallelen zwischen Deutschland und USA

Neue Daten aus einem großen US-Register spiegeln die Entwicklung der Transkatheter-Aortenklappen-Implantation (TAVI) bei Patienten mit schwerer Aortenstenose in der Zeit zwischen 2012 und 2014 wider. Es ergeben sich klare Parallelen zur Entwicklung in Deutschland, das durch die frühere Verfügbarkeit der neuen Therapie einen Zeitvorsprung vor den USA hat.

Die Transkatheter-Aortenklappenimplantation (TAVI) erfreut sich in Deutschland großer Beliebtheit. Laut Angaben des AQUA-Instituts wurden im Jahr 2014 insgesamt 13.246 Patienten mit der minimal-invasiven TAVI-Methode behandelt, während 9.930 Patienten einen isolierten, chirurgischen Aortenklappenersatz erhielten. Im Vergleich zum Vorjahr bedeutete dies eine Zunahme der TAVI-Implantationszahlen um fast 30%, gegenüber dem Jahr 2008 sogar eine Steigerung um das 20fache.

Angesichts solcher Zahlen wird Deutschland international gerne auch einmal als „TAVI-Weltmeister“ bezeichnet. Nun publizierte Daten des ACC/STS/TVT Registers zeichnen aber eine sehr ähnliche Entwicklung der TAVI auch in den USA nach. Wurden 2012 noch  4.590 TAVI-Prozeduren in 156 Zentren erfasst, waren dies im Jahre 2014 schon fast 13.000 Prozeduren in 348 TAVI-Zentren.

Im Gegensatz zum mandatorischen Deutschen AQUA-Register werden in dem amerikanischen ACC/STS/TVT-Register nicht alle TAVI-Prozeduren erfasst. Die Autoren schätzen, dass die tatsächliche TAVI-Zahl um ca. 10.000 Prozeduren höher ist. Ähnlich wie in Deutschland ist auch in den USA der Anteil transapikaler TAVI-Prozeduren dabei deutlich rückläufig.

Die Patienten, die in Deutschland bzw. USA mit TAVI behandelt werden, sind nahezu identisch hinsichtlich Alter (81 Jahre), Geschlechterverteilung (48% Männer) und klinischer Symptomatik (85% bzw. 83% in NYHA-Klasse III bzw. IV). Das Alter der TAVI-Patienten ist auch in den USA über die Jahre praktisch konstant. Ein weitere Parallele zeigt sich auch in dem Trend hin zu Patienten mit geringerem chirurgischen Risiko, gemessen am STS-Score bzw. Einschätzung des „Heart Teams“.

Eine sichere Prozedur

Besonders wichtig: TAVI ist sowohl in Deutschland als auch in den USA eine sichere Prozedur. Schwerwiegende Komplikationen während TAVI sind sehr selten (Anulusruptur USA: 0,2%, DE: 0,2%; Koronarokklusion USA: 0,1%, DE: 0,3%; Aortendissektion USA: 0,1%, DE: 0,2%). Bei 1,3% der Patienten musste eine chirurgische Konversion durchgeführt werden (Deutschland 0,6%).

Auch neurologische Komplikationen sind selten: ein Schlaganfall trat bei 2,2% der Patienten nach TAVI auf, in Deutschland bei 1,4%. Gefäßkomplikationen nahmen in beiden Ländern mit zunehmender Erfahrung signifikant ab; eine Dialysebehandlung nach TAVI war bei 1,8% bzw. 2,5% der Patienten erforderlich.

Niedrige Sterblichkeit

Die Daten des amerikanischen Registers zeigen, ebenso wie die Daten aus Deutschland, dass die Sterblichkeit nach TAVI niedrig ist und sich über die Zeit zudem verbessert hat. 2012 verstarben in den USA 5,3% der Patienten nach TAVI, in Deutschland 5,8%. Mit zunehmender Erfahrung konnte die Sterblichkeit gesenkt werden und lag in den USA 2014 bei 4,4%, in Deutschland bei 4,2%.

Es kristallisiert sich immer mehr heraus, dass die TAVI eine sichere und effektive Behandlungsoption für Patienten mit symptomatischer, hochgradiger Aortenklappenstenose ist. Auch wenn Deutschland einen gewissen Zeitvorsprung durch die frühere Verfügbarkeit der TAVI hat, verlaufen die Entwicklungen in den USA absolut parallel.

Die TAVI ist aus dem täglichen Leben nicht mehr wegzudenken. Angesichts der in Kürze erwarteten Studienergebnisse zur TAVI bei Patienten mit intermediären OP-Risiko muss damit gerechnet werden, dass die Eingriffszahlen auch weiterhin steigen werden.


Unser Gastautor, Professor Dr. Holger Eggebrecht, ist als Kardiologe am Cardioangiologischen Centrum Bethanien (CCB) in Frankfurt am Main tätig.