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23.09.2015 | Nachrichten | Onlineartikel

Aortenstenose

TAVI nimmt Kurs auf Patienten mit niedrigem Risiko

Autor:
Philipp Grätzel

Wird die perkutane Transkatheter-Aortenklappen-Implantation (TAVI) bald zur generellen Erstlinientherapie bei Patienten mit Aortenstenose unabhängig vom Risiko? Immer mehr Kardiologen erwarten das.

In nationalen und internationalen Leitlinien ist die Transkatheter-Aortenklappenimplantation (TAVI) derzeit noch jenen Patienten vorbehalten, die ein hohes Operationsrisiko haben. Doch spätestens seit der NOTION-Studie gebe es ein wachsendes Interesse daran, die TAVI auch bei Patienten mit niedrigerem Risiko einzusetzen, betonte Prof. Michael Haude vom Lukaskrankenhaus Neuss. Haude leitete bei der Konferenz PCR London Valves 2015 in Berlin eine Session, die sich mit dem Einsatz der TAVI bei Patienten mit mittlerem und niedrigem Risiko beschäftigte.

Registerdaten zeigen: Kardiologen werden mutiger

Die NOTION-Studie sei weiterhin die einzige randomisierte Studie, die einen Vergleich zwischen TAVI und offener Operation bei Patienten mit nicht hohem Risiko erlaube, sagte Dr. Susheel Kodali vom Columbia Heart Valve Center, New York. In dieser Studie schnitten TAVI-Patienten mit mittlerem Risiko hinsichtlich der Gesamtmortalität über ein und zwei Jahre numerisch besser. Die Signifikanz wurde verfehlt. „Für einen Nachweis von Überlegenheit war die Studie nicht groß genug“, so Kodali.

Unter Kardiologen steigt nicht erst seit NOTION die Bereitschaft, die TAVI auch bei mittlerem Risiko einzusetzen. Prof. Christian Hamm von der Kerckhoff-Klinik in Bad Nauheim gab einen Einblick in aktuelle Registerdaten. So lässt sich im deutschen GARY-Register zeigen, dass der durchschnittliche logistische EuroSCORE der TAVI-Patienten seit 2011 von 20,2 auf 16,9% signifikant abgefallen ist. Gleiches gilt für den STS-Score, der signifikant von 5,2 auf 4,9 Punkte fiel.

Im Klartext heiße das, dass schon jetzt Patienten mit nicht hohem Risiko behandelt würden, und dass der Anteil dieser Patienten steige, so Hamm. In den USA ist dieser Trend noch nicht ganz so ausgeprägt: Der mittlere STS-Score im US-amerikanischen STS/ACC TVT-Register betrage derzeit 7,1%, so Hamm.

„Wir brauchen eine Studie bei niedrigem Risiko“

Hamm präsentierte in Berlin auch eine aktuelle Auswertung von Daten des AQUA-Instituts, die auf Basis realer Versorgungsdaten die Sterblichkeit bei TAVI bzw. offenem Aortenklappenersatz mit dem logistischen EuroSCORE in Beziehung setzt. Dabei zeigt sich, dass die Krankenhaussterblichkeit bei der Operation ab einem logistischen EuroSCORE von 10% höher ist als bei der transfemoralen TAVI. Bei der transapikalen TAVI liegt die Grenze erst bei einem EuroSCORE von etwa 15%.

Die AQUA-Daten zeigen auch, dass Reinterventionen bei Patienten mit offenem Aortenklappenersatz häufig sind. Schon bei einem EuroSCORE von unter 10% ist die Quote mit etwa 5% doppelt so hoch wie bei der transfemoralen TAVI. Erwartungsgemäß ist beim offen-chirurgischen Eingriff auch die Rate der Patienten mit postoperativem Delir höher, und zwar in allen Risikostufen.

Insgesamt deuteten die Daten darauf hin, dass die TAVI bereits bei mittlerem Risiko, d.h. einem EuroSCORE von über 10%, der offenen Operation überlegen sei, so Hamm. Er plädierte jetzt für eine randomisierte Studie bei Patienten mit niedrigem Risiko, um auch dieses Einsatzgebiet besser auszuleuchten. 

Literatur

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