Nachrichten 24.04.2017

Transkatheter-Aortenklappe: Indikation bald ohne invasive Koronardiagnostik?

Die präinterventionelle Diagnostik bei Patienten mit Transkatheter-Aortenklappen-Implantation (TAVI) wird bald vielleicht weniger invasiv verlaufen als bisher. Zumindest einem Teil der Patienten könnte beim Einsatz moderner CT-Systeme der diagnostische Herzkatheter erspart bleiben.

Die CT-Diagnostik ist bei Patienten, die eine TAVI benötigen, essenzieller Bestandteil der präinterventionellen Diagnostik: „Wir bekommen damit Hinweise für die Patientenselektion. Sie hilft uns, prozedurale Komplikationen zu antizipieren, und wir entscheiden uns auf ihrer Grundlage für Zugangswege und wählen die Klappenprothesen aus“, sagte Dr. Matthias Renker von der Kerckhoff-Klinik Bad Nauheim.

Zusätzlich zur CT erfolgt auch eine invasive Koronarangiografie, um den TAVI-Operateuren genaue Informationen über den Zustand der Herzkranzgefäße an die Hand zu geben. Renker und seine Kollegen aus Bad Nauheim haben jetzt bei 60 konsekutiven Patienten ohne bekannte KHK untersucht, wie gut sich die Herzkranzgefäße im Rahmen der CT-Untersuchung vor der TAVI nicht invasiv abklären lassen. Goldstandard war jeweils die invasive Koronarangiografie, die bei allen Patienten ebenfalls durchgeführt wurde.

In ihrer Studie haben die Bad Nauheimer bei der Hälfte der Patienten ein Dual-Source-CT (DSCT) der zweiten Generation genutzt, bei der anderen Hälfte ein modernes DSCT der dritten Generation. Die CT-Datensätze wurden jeweils von einem hinsichtlich des Geräts und des Patienten verblindeten Bildgebungsspezialisten ausgewertet. Dabei erreichte die Bildqualität mit dem neuen Gerät 4 von 5 möglichen Punkten und war damit signifikant besser als bei dem alten Gerät. Die Kontrastmitteldosis war signifikant um mehr als ein Drittel geringer, und auch die Strahlendosis war im Trend niedriger.

CT und Angiografie stimmen bei neun von zehn Patienten überein

Vor allem aber war die Spezifität bei dem neuen Gerät mit 88 % wesentlich höher als bei dem DSCT der zweiten Generation, wo nur 67 % erreicht wurden. Die Sensitivität betrug bei beiden DSCT-Geräten 100 %. „Das heißt, dass die diagnostische Genauigkeit jetzt sehr hoch ist. Wir sehen bei 93 Prozent der Patienten das identische Ergebnis wie mit der invasiven Katheteruntersuchung. Bei dem älteren Gerät waren es nur 80 Prozent“, so Renker.

Damit liege man jetzt, was die diagnostische Genauigkeit angeht, in einer Größenordnung, die es denkbar erscheinen lässt, die CT-Diagnostik als eine Art „One-Stop-Shop“ vor der TAVI einzusetzen. Bei der CT würden dann nicht nur die peripheren Blutgefäße, die Aorta und die Aortenklappenregion, sondern auch die Koronararterien abgeklärt – ohne dafür mit einem Mehr an Kontrastmittel und Strahlenbelastung zu bezahlen.

Renker hält das zumindest bei einem Teil der Patienten für ein realistisches Szenario, auch wenn viele Fragen noch offen sind. Wie gut die modernen DSCT-Geräte bei KHK-Patienten sind, bei denen schon Stents implantiert wurden, ist zum Beispiel unklar.

Renker denkt jetzt jedenfalls über eine Folgestudie nach, um die Frage einer „katheterfreien“ präinterventionellen TAVI-Diagnostik prospektiv zu evaluieren. Details zum Studiendesign nannte er noch nicht.

Literatur

Renker M et al.: Comparison of second vs. third generation dual-source CT for detecting obstructive coronary artery diseases in patients evaluated for TAVI, Sitzung „CT-Diagnostik für klinische Fragestellungen“. 83. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK), 19. bis 22. April 2017, Mannheim

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