Skip to main content
main-content

06.05.2017 | TAVI | Nachrichten

Inzidenz vergleichbar

Endokarditisraten bei TAVI und konventionellem Aortenklappenersatz

Autor:
PD Dr. med. Oliver Husser

Die Klappenprothesen-Endokarditis (KPE) stellt eine gefürchtete Komplikation nach konventionellem Aortenklappenersatz oder TAVI dar.

Unabhängig vom Klappentyp, (biologisch oder mechanisch) ist die KPE mit einer Inzidenz von 0,1 bis 1,2 % [1, 2] innerhalb des ersten Jahres nach Klappenersatz zwar selten, die Prognose mit einer Krankenhaussterblichkeit von 20 bis 40 % ist jedoch sehr schlecht [3].

Die Transkatheter Aortenklappenimplantation (TAVI) hat die Therapie der symptomatischen hochgradigen Aortenklappenstenose bei Patienten mit erhöhtem Operationsrisiko revolutioniert. Trotz geringerer Invasivität zeigen Fallserien ein Auftreten von KPE in den ersten 12 Monaten nach TAVI mit einer Rate von 0,6 bis 3,4 % [4, 5, 6, 7]. Dieser im Vergleich zum konventionellen Aortenklappenersatz leicht erhöhten KPE-Rate liegen auch Unterschiede bei Patientencharakteristika zugrunde. So sind TAVI-Patienten oft älter und komorbider als chirurgische Patienten. Weitere potenzielle Ursachen der KPE nach TAVI können Flussturbulenzen bei paravalvulären Leckagen sowie ein größerer Fremdmaterialanteil bei Transkatheter-Herzklappen sein.

Klinische Präsentation, Pathogenese, Komplikationen und Prognose der KPE nach konventionellem Aortenklappenersatz sind gut dokumentiert [1, 8, 9]. Bei KPE nach TAVI ist das anders, die Daten dazu stammen aus Fallberichten und kleinen Populationen mit kurzen Beobachtungszeiten. Zudem gibt es Unklarheiten bzgl. des zu erwartenden Keimspektrums, der Prognose und der Therapie. Deshalb hat ein internationales Forscherteam insgesamt 20.006 TAVI-Fälle retrospektiv hinsichtlich Inzidenz, Therapie sowie Prognose bei KPE nach TAVI ausgewertet [10]: Im Median 5,3 Monate nach TAVI wurde bei 250 Patienten anhand der Duke-Kriterien zwei Drittel der Patienten erfüllte die Kriterien einer frühen KPE, (bis 12 Monate nach TAVI). Beim Erregerspektrum ließ sich mehrheitlich Enterococcus species (25 %) oder Staphylococcus aureus (24 %) nachweisen oder Koagulase-negative Staphylokokken (17 %). Die meisten KPE-Patienten (82 %) wurden konservativ antibiotisch behandelt, nur wenige (15 %) operativ saniert. Die Krankenhausmortalität war mit 36 % sehr hoch, während der 2-jährigen Beobachtungszeit starben 67 % der Patienten; ein KPE-Rezidiv gab es bei 9 %.

In der multivariaten Analyse waren Alter (HR: 0,97; 95 % CI: 0,94–0,99), männliches Geschlecht (HR: 1.69; 95 % CI: 1,1–2,52), Diabetes mellitus (HR: 1,52; 95 % CI: 1,02–2,29) und Existenz einer mittel- oder höhergradigen paravalvulären Insuffizienz (HR: 2,05; 95 % CI: 1,28–3,28) mit dem erhöhten KPE-Risiko nach TAVI assoziiert.

Diese bisher größte Fallsammlung zur KPE nach TAVI zeigt eine Inzidenz von 1,1 %, die vergleichbar mit der nach konventionellem Klappenersatz ist. Diese relativ niedrige Rate ist bei dem multimorbidem TAVI-Patientenkollektiv mit erhöhtem KPE-Risiko bemerkenswert. Die Studie verdeutlicht aber auch die Schwere von KPE-Komplikation bei multimorbiden Patienten anhand hoher Mortalitätsraten. Eine konsequente Endokarditisprophylaxe bei Patienten nach TAVI und die Sanierung potenzieller Keimreservoirs im Vorfeld der Prozedur ist daher sehr wichtig. Dass Enterokokken neben S. aureus als Hauptkeime bei der KPE nach TAVI zu erwarten sind, kann bei der Auswahl einer kalkulierten Antibiose nach TAVI für KPE-Verdachtspatienten wichtig sein. Diese Ergebnisse sollten in die Auswahl einer optimierten periprozeduralen auch enterokokken-wirksamen Antibiotikaprophylaxe einfließen.

Fazit: Bei der absehbaren Ausweitung der TAVI-Indikation auf Mittelrisiko-Patienten bleibt abzuwarten, wie sich Inzidenz und Prognose der KPE nach TAVI, das Keimspektrum und künftige Therapiestrategien entwickeln.

Literatur

Zurzeit meistgelesene Artikel

Highlights

13.11.2018 | AHA-Kongress 2018 | Highlights | Nachrichten

Ein Kommentar

Apple Watch ist zugelassen – die Jagd auf die rhythmologische Volksseuche ist eröffnet!

Die US-amerikanische Gesundheitsbehörde FDA hat der neuen Apple Watch ihren „Segen“ für eine EKG-Funktion und als Methode zur Erkennung von Vorhofflimmern erteilt. Teils hat dieses Urteil für Erstaunen gesorgt ­– ein Kommentar.

Quelle:

kardiologie.org

Autor:
PD Dr. Stefan Perings

09.11.2018 | DGK Herztage 2018 | Highlights | Video

Sollte jede nicht-aktive Sonde explantiert werden?

Es kann gefährlich sein, stillgelegte Sonden nicht sofort zu entfernen. Aber nicht bei jedem Patienten ist eine frühe Explantation sinnvoll. Was Prof. Thomas Blum empfiehlt, hören Sie in diesem Vortrag.

Aus der Kardiothek

09.11.2018 | DGK Herztage 2018 | Highlights | Video

Sollte jede nicht-aktive Sonde explantiert werden?

Es kann gefährlich sein, stillgelegte Sonden nicht sofort zu entfernen. Aber nicht bei jedem Patienten ist eine frühe Explantation sinnvoll. Was Prof. Thomas Blum empfiehlt, hören Sie in diesem Vortrag.

07.11.2018 | DGK Herztage 2018 | Highlights | Video

Spezielles System zum Vorhofohr-Verschluss – ein Fallbeispiel mit Details

Mit einem speziellen epikardialen Ligatursystem lässt sich sowohl der Vorhof elektrisch isolieren als auch anatomisch verschließen. Die Implantation ist allerdings nicht ganz einfach. Wie man dabei vorgeht, erklärt Prof. Thomas Deneke an einem Patientenfall. 

06.11.2018 | DGK Herztage 2018 | Highlights | Video

Kontroverser Fall: So kann man wiederkehrendes Vorhofflimmern auch behandeln

Ein Patient leidet an wiederkehrendem Vorhofflimmern. Das Team um Prof. Boris Schmidt entscheidet sich für eine ungewöhnliche Strategie: die Implantation eines endokardialen Watchmann-Okkluders, um den linken Vorhof zu isolieren. Das genaue Prozedere sehen Sie hier. 

Spezielles System zum Vorhofohr-Verschluss – ein Fallbeispiel mit Details

DGK Herztage 2018 - Interview Prof. Dr. Thomas Deneke

Mit einem speziellen epikardialen Ligatursystem lässt sich sowohl der Vorhof elektrisch isolieren als auch anatomisch verschließen. Die Implantation ist allerdings nicht ganz einfach. Wie man dabei vorgeht, erklärt Prof. Thomas Deneke an einem Patientenfall. 

Kontroverser Fall: So kann man wiederkehrendes Vorhofflimmern auch behandeln

DGK Herztage 2018 - Interview Prof. Dr. Boris Schmidt

Ein Patient leidet an wiederkehrendem Vorhofflimmern. Das Team um Prof. Boris Schmidt entscheidet sich für eine ungewöhnliche Strategie: die Implantation eines endokardialen Watchmann-Okkluders, um den linken Vorhof zu isolieren. Das genaue Prozedere sehen Sie hier. 

Spezielle Katheterablations-Strategie bei ausgeprägtem Narbengewebe

Vortrag Prof. Dr. Thomas Deneke - Jahrestagung DGK 2018

Die ventrikuläre Tachykardie eines 54-jährigen Patienten mit zurückliegendem Hinterwandinfarkt soll mit einer Katheterablation beseitigt werden. Prof. Thomas Deneke entscheidet sich für eine unkonventionelle Strategie und erläutert wie das CT  in solchen Fällen helfen kann. 

Bildnachweise