Nachrichten 06.10.2016

Haltbarkeit von Katheter-Herzklappen: Kritik an neuer Analyse

Wie steht es um die langfristige Haltbarkeit von per Katheter implantierten Aortenklappen bei Patienten mit Aortenstenose? Eine Studie hat jüngst die Häufigkeit von degenerativen Veränderungen solcher Herzklappen auf längere Sicht beleuchtet. Ein Experte bewertet die Ergebnisse allerdings kritisch.

Die Transkatheter-Aortenklappen-Implantation (TAVI) findet als interventionelles Therapieverfahren bei schwerer Aortenstenose immer breitere Anwendung. Noch sind die Kenntnisse darüber, wie gut Transkatheter-Herzklappen als relativ neue Therapieoption ihre Funktion auf lange Sicht störungsfrei erfüllen, naturgemäß limitiert.

Informationen dazu sind jüngst beim Kongress EuroPCR in Paris vorgestellt worden. Grundlage der präsentierten Analyse bildeten Daten von 378 Patienten mit Aortenstenose, die bereits in der Zeit vor Mai 2011 (April 2002 bis April 2011) an zwei Kliniken in Kanada und Frankreich einer TAVI unterzogen worden waren. Seit dem Eingriff waren bei diesen Patienten bis zu 14 Jahre vergangen.

Echokardiografisch definierte Degeneration

Analysiert wurde das zeitliche Auftreten von degenerativen Klappenveränderungen, festgemacht an mindestens mittelgradigen Klappeninsuffizienzen und/oder Stenosen (Zunahme des Druckgradienten), die nach einiger Zeit bei echokardiografischen Nachuntersuchungen erstmals entdeckt wurden.

In den ersten Jahren nach katheterbasiertem Aortenklappenersatz wurden entsprechende Veränderungen kaum beobachtet. Nach etwa fünf bis sieben Jahren war aber eine deutliche Zunahme zu verzeichnen. Nach rund acht Jahren wies schätzungsweise die Hälfte aller implantierten Transkatheter-Herzklappen Veränderungen auf, die den definierten Kriterien für Klappendegeneration entsprachen.

Lässt sich daraus schließen, dass per Katheter implantierte Aortenklappen nicht so haltbar sind wie von Chirurgen in einer Operation am offenen Herzen eingesetzte Herzklappen? Auf keinen Fall, betont Professor Karl-Heinz Kuck aus Hamburg auf der DGK-Jahrespressekonferenz im Rahmen der DGK-Herztage 2016 in Berlin.

Warnung vor falschen Schlüssen

Kuck machte darauf aufmerksam, dass in der Studie eine neue und bislang nicht gebräuchliche Definition von degenerativer Klappenveränderung gewählt wurde. Statt wie üblich eine Beurteilung nach klinischen Maßstäben vorzunehmen, habe man sich für eine Beurteilung allein auf Basis echokardiografischer Kriterien entschieden.

Diese Kriterien seien aber zur Bewertung der langfristigen Haltbarkeit von chirurgisch implantierten Aortenklappen nie herangezogen worden. Insofern sei es nicht statthaft, an diesen echokardiografischen Kriterien eine Unterlegenheit der Katheter-Aortenklappen gegenüber chirurgisch implantierten Herzklappen in puncto Haltbarkeit festzumachen, betonte Kuck. Im Übrigen käme niemand auf die Idee, aufgrund dieser nach diesen echokardiografischen Maßstäben beurteilten Klappendegeneration einen Austausch von chirurgisch implantierten Herzklappen für notwendig zu halten.

Valide Daten zur langfristigen Haltbarkeit von interventionell versus chirurgisch implantierten Aortenklappen erwartet sich Kuck vor allem von der im April gestarteten PARTNER-3-Studie. Dafür ist zur Klärung der Dauerhaftigkeit der Klappenfunktion eine Follow-up von zehn Jahren mit jährlichen Kontrollen der Teilnehmer geplant.

Literatur

DGK-Jahrespressekonferenz im Rahmen der DGK Herztage 2016, 5. Oktober 2016, Berlin

Highlights

DGK-Kongress to go

DGK.Online 2020 – der Online-Kongress der DGK: Damit Sie auch in Zeiten eingeschränkter Versammlungs- und Reiseaktivitäten immer auf dem aktuellen Stand sind. Sehen Sie Vorträge zu aktuellen Themen von führenden Experten - wann und wo immer Sie wollen.  

Aktuelles zum Coronavirus

Die Ausbreitung des Coronavirus hat einschneidende Folgen auch für die Herzmedizin. Aktuelle Meldungen zu SARS-CoV-2 bzw. zu der Lungenkrankheit Covid-19 finden Sie in diesem Dossier.

Das könnte Sie auch interessieren

Topline-Meldung: Erfolg mit Finerenon bei diabetischer Nierenerkrankung

Der Studiensponsor Bayer informiert über den positiven Ausgang der FIDELIO-DKD-Studie. Demnach scheint der Nachweis, dass der Wirkstoff Finerenon additiv zur Standardtherapie die Progression der diabetischen Nierenerkrankung verzögert, gelungen zu sein.

DGK für Engagement in der Corona-Krise ausgezeichnet

Die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie hat für das herausragende Engagement in der Corona-Krise die Auszeichnung „Helden in der Krise“ des F.A.Z.-Instituts erhalten. Im Rahmen der Aktion werden „Helden in der Krise“ ausgezeichnet, die sich in der Corona-Krise durch besonderes Engagement hervorgetan haben.

Frühgeburt: Neuer Risikofaktor für koronare Herzkrankheit?

Frauen, deren Kinder vor der 37. Schwangerschaftswoche geboren werden, haben laut einer großen Studie ein gesteigertes Risiko, im späteren Leben eine koronare Herzkrankheit zu entwickeln, unabhängig von anderen Risikofaktoren.

Aus der Kardiothek

Was sehen Sie im Kardio-MRT?

Kardio-MRT (Late Gadolinium Enhancement) mit Darstellung eines Kurzachsenschnitts im mittventrikulären Bereich. Was ist zu sehen?

BNK-Webinar "Von den Toten lernen für das Leben"

Alle verstorbenen COVID-19-Patienten werden in Hamburg obduziert und häufig auch im CT  betrachtet. Rechtsmediziner Prof. Klaus Püschel gewährt einen Einblick in seine Arbeit und erläutert die Todesursachen der Patienten – mit speziellem Fokus auf das Herz.

Kardiologische Implikationen und Komplikationen von COVID-19

Sind kardiovaskulär vorerkrankte Patienten besonders gefährdet, welchen Einfluss haben ACE-Hemmer und Angiotensin-II-Rezeptor-Blocker nun wirklich und was passiert mit dem Herz-Kreislaufsystem im Rahmen eines schweren COVID-19-Verlaufs? Dies und mehr beantwortet Prof. Martin Möckel, Internist, Kardiologe und Notfallmediziner von der Berliner Charité in diesem Webinar.

Bildnachweise
DGK.Online 2020/© DGK
Corona/© Naeblys / Getty images / iStock
Kardio-MRT (Late Gadolinium Enhancement)/© Stephan Achenbach, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen
BNK-Webinar/© BNK | Kardiologie.org
Webinar Prof. Martin Möckel/© Springer Medizin Verlag GmbH