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06.10.2016 | TAVI | Nachrichten

Transkatheter-Aortenklappen-Implantation

Haltbarkeit von Katheter-Herzklappen: Kritik an neuer Analyse

Autor:
Peter Overbeck

Wie steht es um die langfristige Haltbarkeit von per Katheter implantierten Aortenklappen bei Patienten mit Aortenstenose? Eine Studie hat jüngst die Häufigkeit von degenerativen Veränderungen solcher Herzklappen auf längere Sicht beleuchtet. Ein Experte bewertet die Ergebnisse allerdings kritisch.

Die Transkatheter-Aortenklappen-Implantation (TAVI) findet als interventionelles Therapieverfahren bei schwerer Aortenstenose immer breitere Anwendung. Noch sind die Kenntnisse darüber, wie gut Transkatheter-Herzklappen als relativ neue Therapieoption ihre Funktion auf lange Sicht störungsfrei erfüllen, naturgemäß limitiert.

Informationen dazu sind jüngst beim Kongress EuroPCR in Paris vorgestellt worden. Grundlage der präsentierten Analyse bildeten Daten von 378 Patienten mit Aortenstenose, die bereits in der Zeit vor Mai 2011 (April 2002 bis April 2011) an zwei Kliniken in Kanada und Frankreich einer TAVI unterzogen worden waren. Seit dem Eingriff waren bei diesen Patienten bis zu 14 Jahre vergangen.

Echokardiografisch definierte Degeneration

Analysiert wurde das zeitliche Auftreten von degenerativen Klappenveränderungen, festgemacht an mindestens mittelgradigen Klappeninsuffizienzen und/oder Stenosen (Zunahme des Druckgradienten), die nach einiger Zeit bei echokardiografischen Nachuntersuchungen erstmals entdeckt wurden.

In den ersten Jahren nach katheterbasiertem Aortenklappenersatz wurden entsprechende Veränderungen kaum beobachtet. Nach etwa fünf bis sieben Jahren war aber eine deutliche Zunahme zu verzeichnen. Nach rund acht Jahren wies schätzungsweise die Hälfte aller implantierten Transkatheter-Herzklappen Veränderungen auf, die den definierten Kriterien für Klappendegeneration entsprachen.

Lässt sich daraus schließen, dass per Katheter implantierte Aortenklappen nicht so haltbar sind wie von Chirurgen in einer Operation am offenen Herzen eingesetzte Herzklappen? Auf keinen Fall, betont Professor Karl-Heinz Kuck aus Hamburg auf der DGK-Jahrespressekonferenz im Rahmen der DGK-Herztage 2016 in Berlin.

Warnung vor falschen Schlüssen

Kuck machte darauf aufmerksam, dass in der Studie eine neue und bislang nicht gebräuchliche Definition von degenerativer Klappenveränderung gewählt wurde. Statt wie üblich eine Beurteilung nach klinischen Maßstäben vorzunehmen, habe man sich für eine Beurteilung allein auf Basis echokardiografischer Kriterien entschieden.

Diese Kriterien seien aber zur Bewertung der langfristigen Haltbarkeit von chirurgisch implantierten Aortenklappen nie herangezogen worden. Insofern sei es nicht statthaft, an diesen echokardiografischen Kriterien eine Unterlegenheit der Katheter-Aortenklappen gegenüber chirurgisch implantierten Herzklappen in puncto Haltbarkeit festzumachen, betonte Kuck. Im Übrigen käme niemand auf die Idee, aufgrund dieser nach diesen echokardiografischen Maßstäben beurteilten Klappendegeneration einen Austausch von chirurgisch implantierten Herzklappen für notwendig zu halten.

Valide Daten zur langfristigen Haltbarkeit von interventionell versus chirurgisch implantierten Aortenklappen erwartet sich Kuck vor allem von der im April gestarteten PARTNER-3-Studie. Dafür ist zur Klärung der Dauerhaftigkeit der Klappenfunktion eine Follow-up von zehn Jahren mit jährlichen Kontrollen der Teilnehmer geplant.

Literatur