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19.07.2017 | TAVI | Nachrichten

Prognostische Aussagekraft

Gebrechlichkeit: Simpler Score sagt bei Aortenstenose Risiken voraus

Autor:
Philipp Grätzel

Gebrechlichkeit ist ein wichtiger Prädiktor für operative Eingriffe im Alter. Das gilt auch für den Aortenklappenersatz, ob chirurgisch oder per TAVI. Von den zahlreichen Gebrechlichkeits-Scores ist der simple EFT bei der Aortenstenose nicht nur einer der einfachsten, sondern auch der informativste.

Gebrechlichkeit (engl.: frailty) ist ein geriatrisches Syndrom, das zunehmend als ein Kriterium herangezogen wird, wenn es darum geht, die Erfolgsaussichten operativer Eingriffe abzuschätzen. Ein Problem ist die Objektivierung der Gebrechlichkeit: Es gibt über zehn verschiedene Scores ganz unterschiedlichen Umfangs, was es zum Beispiel dem Kardiologen oder Herzchirurgen, der abschätzen will, wie riskant ein Aortenklappeneingriff ist, nicht gerade einfach macht.

Sieben Scores im Vergleich

In der Kohortenstudie FRAILTY-AVR in Kanada, USA und Frankreich haben Wissenschaftler jetzt bei insgesamt 1.020 Patienten mit chirurgischem Aortenklappenersatz (AKE) oder Transkatheter-Aortenklappen-Implantation (TAVI) die prognostische Aussagekraft von sieben Gebrechlichkeits-Scores prospektiv evaluiert. Konkret handelte es sich um Fried, Fried+, Rockwood, Bern, Columbia, die Short Physical Performance Battery (SPPB) und den Essential Frailty Toolset (EFT). Primär interessierten sich die Studienleiter für die Gesamtmortalität und die Funktionsfähigkeit bzw. Behinderung nach einem Jahr.

Die Studie bestätigte zunächst einmal, dass die Gebrechlichkeits-Scores extrem unterschiedliche Ergebnisse liefern. Stufte zum Beispiel der Rockwood-Score 12% der AKE-Patienten und 35% der TAVI-Patienten vor dem Eingriff als gebrechlich ein, waren es bei der SPPB 56% bzw. 74% und beim EFT 17% bzw. 37%.

EFT-Score war stärkster Prädiktor

Was das medizinische Outcome angeht, war der EFT-Score der mit Abstand stärkste Prädiktor der Sterblichkeit innerhalb eines Jahres, und zwar sowohl beim AKE als auch bei der TAVI. Der EFT-Score war auch der stärkste Prädiktor für eine funktionelle Verschlechterung bzw. zunehmende Behinderung im Jahr nach dem Eingriff.

Für Kardiologen und Herzchirurgen ist das insofern eine gute Nachricht, als der EFT vergleichsweise einfach zu erheben ist. Wer ein Serum-Albumin < 3,5 g/dl, einen Hb < 13,0 d/dl bzw. bei Frauen < 12,0 g/dl oder eine kognitive Einschränkung aufweist, erhält jeweils einen Punkt. Zusätzlich gibt es einen Stuhl-Aufstehtest, bei dem Patienten, die gar nicht aufstehen können, 2 Punkte erhalten und Patienten, die für fünfmal Aufstehen und Hinsetzen 15 Sekunden oder länger brauchen, einen Punkt. Zu vergeben sind also maximal fünf Punkte, ab dreien gelten die Betroffenen als gebrechlich.

In der FRAILTY-AVR-Studie hatten Patienten mit einem EFT von 3 bzw. 4 bzw. 5 bei Einsatz der TAVI eine 1-Jahres-Mortalität von 28% bzw. 30% bzw. 65% und bei einem AKE eine 1-Jahres-Mortalität von 16% bzw. 38% bzw. 50%.

Weil auch in dieser Studie die TAVI-Patienten die älteren und kränkeren Patienten waren, lassen sich beide Zahlenreihen nicht vergleichen. Die Zahlen zeigen aber, dass der EFT hinsichtlich des medizinischen Outcomes unabhängig von der Art des Eingriffs gut differenzieren kann. Patienten mit einem EFT von 1 bzw. 2 hatten bei der TAVI nur eine 1-Jahressterblichkeit von 6% bzw. 15% und beim AKE von 3% bzw. 7%.

Literatur

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