Nachrichten 06.03.2020

Embolie-Schutzfilter für TAVI enttäuscht im Praxisalltag

TAVI-Prozeduren bergen ein gewisses Schlaganfall-Risiko, dem man mit Embolie-Schutzfiltern Herr werden möchte. Die ersten Erfahrungen mit solchen Systemen waren vielversprechend. Nun der Dämpfer.

Der Nutzen von Embolie-Schutzfiltern zur Schlaganfallprävention im Rahmen einer Transkatheter-Aortenklappenimplantation (TAVI) ist umstritten.

Kardiologen um PD Dr. Julia Seeger vom Universitätsklinikum in Ulm berichteten auf der DGK-Jahrestagung 2018 über positive Erfahrungen mit einem von dem Hersteller Claret Medical entwickelten Doppelfilter-System: eine mehr als 60%ige Reduktion der Schlaganfälle in den ersten Tagen soll dadurch möglich sein (mehr dazu lesen Sie in diesem Bericht).

Im Gegensatz dazu sind die Ergebnisse einer aktuell veröffentlichten Analyse ziemlich ernüchternd: Der Einsatz des bisher einzigen in der USA verfügbaren Embolieschutzfilters für TAVI-Prozeduren hatte in einer post-Zulassungsanalyse keine statistisch signifikante Reduktion von Schlaganfällen nach der TAVI-Prozedur zu Folge.

Keine Unterschiede bei den Schlaganfallraten

So kam es bei 1,8% der insgesamt 2.732 Patienten, bei denen zwischen 2017 und 2018 das Sentinel-System von Boston Scientific eingesetzt worden war, nach der Prozedur zu einem Schlaganfall oder zu einer transienten ischämischen Attacke (primärer Endpunkt). Bei den 8.253 Patienten ohne Embolie-Schutzsystem trat ein solches Ereignis bei 2,2% auf.

Die in der Analyse ausgewerteten Patientendaten stammen aus gut 400 US-Kliniken. Auf Baseline-Charakteristika wurde via Propensity-Score-Matching adjustiert. Allerdings weisen die Studienautoren um Dr. Mohamad Alkhouli von der West Virginia University in Morgantown darauf hin, dass sie dabei gewisse Faktoren, welche die Entscheidung für oder gegen den Einsatz eines Embolie-Schutzsystems beeinflusst haben könnten (Lernkurve, TAVI-Volumen, OP-Risiko), nicht berücksichtigt haben, und somit ein gewisser Selektionsbias eine Rolle spielen könnte.

Literatur

Alkhouli M et al. Early Experience With Cerebral Embolic Protection During Transcatheter Aortic Valve Replacement in the United States. JAMA Intern Med.. doi:10.1001/jamainternmed.2019.6767

Aktuelles

Kurz & knapp: Was COVID-19 für die Herzmedizin bedeutet

Über das Coronavirus kursieren viele Falsch- und Halbwahrheiten. Ein Kardiologe hat jetzt kurz und knapp zusammengefasst, was über das Virus und dessen Auswirkungen auf die Herz-Kreislauf-Medizin bekannt ist.

Ausschreibung: Herzstiftung fördert Forschung zu SARS-CoV-2 mit einer Million Euro

Für Projekte, die die Zusammenhänge von COVID-19 und kardiovaskulären Erkrankungen erforschen, stellt die Deutsche Herzstiftung Mittel in Höhe von einer Million Euro zur Verfügung. Bewerbungen können ab sofort bis zum 20. April 2020 eingereicht werden.

Sport verändert Fettstoffwechsel viel stärker als gedacht

Körperliche Aktivität hält fit, das ist bekannt. Eine australische Studie deutet jetzt darauf hin, dass die metabolischen Auswirkungen größer sind als gedacht – aber nicht alle profitieren.

Highlights

Aktuelles zum Coronavirus

Die WHO hat die Ausbreitung des Coronavirus kürzlich als Pandemie eingestuft. Inzwischen sind weit über 100 Länder von dem Ausbruch betroffen. Aktuelle Meldungen zum Coronavirus bzw. zu der Lungenkrankheit Covid-19 finden Sie in diesem Dossier. 

Aktuelles zum Coronavirus

Die WHO hat die Ausbreitung des Coronavirus kürzlich als Pandemie eingestuft. Inzischen sind weit über 100 Länder von dem Ausbruch betroffen. Aktuelle Meldungen zum Coronavirus bzw. zu der Lungenkrankheit Covid-19 finden Sie in diesem Dossier. 

International Stroke Conference 2020

Die International Stroke Conference ist das weltweit führende Treffen, das sich der Wissenschaft und Behandlung von zerebrovaskulären Erkrankungen widmet. Ausgewählte Highlights finden Sie in diesem Dossier. 

Aus der Kardiothek

Was fällt Ihnen in der Echokardiografie auf?

Transthorakale Echokardiografie eines 50-jährigen Patienten mit schwerer rechtskardialer Dekompensation. Was ist zu sehen?

Defekt mit Folgen – das ganze Ausmaß zeigt das CT

CT-Befund (mit Kontrastmittelgabe) – was ist zu sehen?

Live-Case Trikuspidalinsuffizienz

Prof. Volker Rudolph, HDZ NRW Bochum, mit Team

Live Cases

Live-Case Trikuspidalinsuffizienz

Prof. Volker Rudolph, HDZ NRW Bochum, mit Team

Kontroverser Fall: So kann man wiederkehrendes Vorhofflimmern auch behandeln

Ein Patient leidet an wiederkehrendem Vorhofflimmern. Das Team um Prof. Boris Schmidt entscheidet sich für eine ungewöhnliche Strategie: die Implantation eines endokardialen Watchmann-Okkluders, um den linken Vorhof zu isolieren. Das genaue Prozedere sehen Sie hier. 

Spezielle Katheterablations-Strategie bei ausgeprägtem Narbengewebe

Die ventrikuläre Tachykardie eines 54-jährigen Patienten mit zurückliegendem Hinterwandinfarkt soll mit einer Katheterablation beseitigt werden. Prof. Thomas Deneke entscheidet sich für eine unkonventionelle Strategie und erläutert wie das CT  in solchen Fällen helfen kann. 

Bildnachweise
Digitaler ACC-Kongress 2020/© Sergey Nivens / stock.adobe.com
Coronavirus/© Naeblys / Getty images / iStock
International Stroke Conference 2020, Los Angeles/© Beboy / Fotolia
Transthorakale Echokardiografie/© Monique Tröbs (Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg)
CT-Befund (mit Kontrastmittelgabe)/© S. Achenbach, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (2)
Live-Case AGIK/© DGK 2019
DGK Herztage 2018 - Interview Prof. Dr. Boris Schmidt
Vortrag Prof. Dr. Thomas Deneke - Jahrestagung DGK 2018/© DGK 2018