Nachrichten 24.09.2021

TAVI: Zerebrale Thromboembolien nur direkt danach nachweisbar

Ischämische Schlaganfälle sind gefürchtete Komplikationen nach einer TAVI. Doch wann besteht ein erhöhtes Risiko? In MRT-Untersuchungen aus Deutschland ließen sich zerebale Thromboembolien nur in einer bestimmten Phase nachweisen.

Zerebrale Thromboembolien scheinen bei Patienten nach einer Transkatheter-Aortenklappenimplantation (TAVI) hauptsächlich in der periprozeduralen Phase vorzukommen. Dagegen sind entsprechende Befunde im Gehirn später eher selten vorzufinden, wie Berliner Kardiologen um PD Dr. Georg Marcus Froehlich durch MRT-Untersuchungen, die im Rahmen der GALILEO-Studie vorgenommen wurden, herausgefunden haben.

Insgesamt 33 Patienten mit einem mittleren Alter von 79,4 Jahren wurden mittels eines Kopf-MRTs untersucht: Einmal vor der TAVI, dann nochmals innerhalb von 48 Stunden nach der Prozedur und ein weiteres Mal nach 90 Tagen. Alle Patienten wiesen ein niedriges bis intermediäres Risiko auf und hatten keine Indikation für eine orale Antikoagulation. Zwei erfahrene Neuroradiologen nahmen die Beurteilung der Befunde vor.

Hirnläsionen kurz nach der TAVI

Diese stellten kurz nach der TAVI vermehrt neue Hirnläsionen, die als prozedurbedingte akute Infarkte gedeutet wurden, in den diffusionsgewichteten (DWI-)Sequenzen fest: Im Schnitt 5,5 (3–9) Läsionen mehr als vor der Prozedur. Das DWI Läsionsvolumen hat im Mittel um 0,32 cm³ (0,12–0,67) zugenommen. Im Gegensatz dazu fanden sie 90 Tage nach dem Eingriff nicht mehr solcher stummen Hirninfarkte als vor dem Eingriff. Im Vergleich zum Post-TAVI-Befund nach 48 Stunden hat die Anzahl an Läsionen und das Läsionsvolumen sogar wieder abgenommen (–7 bzw. –0,37 cm³).

Mikroblutungen, die ebenfalls als potenzielle Komplikation nach TAVI angesehen werden, waren in dieser Untersuchung nicht vorzufinden.

Risiko in der frühen Phase

Die aktuellen MRT-Befunde stützen damit bisherige Beobachtungen aus anderen TAVI-Populationen und spreche für ein schwerpunktmäßiges Auftreten solcher Komplikationen in der frühen Phase nach der TAVI. Studien zufolge erleiden 2 bis 6% der TAVI-Patienten innerhalb von 90 Tagen nach dem Eingriff einen ischämischen Schlaganfall. In den PARTNER-Studien passierten die meisten dieser Vorfälle innerhalb von 48 Stunden nach dem Eingriff (62,5%), 25% kamen zwischen Tag 5 und 30 vor und nur ein Schlaganfall trat nach dem ersten Monat auf.

Wie Froehlich und Kollegen erläutern, könnte als Ursache für die Entstehung solcher frühen Schlaganfälle eine Loslösung thrombotischen Materials von der nativen Aortenklappe oder der Aorta während der Klappenimplantation infrage kommen. Inwieweit das zutrifft und welche Konsequenzen sich daraus ergeben (Embolieschutzfilter Ja/Nein?), darüber wird allerdings noch immer diskutiert. Genauso gilt es die, klinischen Konsequenzen von im MRT nachweisbaren unbemerkten Schlaganfällen, die laut dieser Studie offenbar periprozedural recht häufig vorkommen, noch zu klären. 

Literatur

Froehlich GM et al. Evaluation of Cerebral Thromboembolism After Transcatheter Aortic Valve Replacement (EARTH TAVR): A Serial Magnetic Resonance Imaging Evaluation as Substudy of the GALILEO Trial. Circ Cardiovasc Interv. 2021;14:e011074. DOI: 10.1161/CIRCINTERVENTIONS.121.011074

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