Nachrichten 11.01.2018

Outcome nach TAVI: Kein Hinweis auf Geschlechterunterschied bei neueren Klappen

In klinischen Studien mit TAVI-Klappen der frühen Generation überlebten Frauen teilweise länger als Männer. Eine Auswertung der PARTNER II-Studie zeigt jetzt, dass das bei den neueren SAPIEN 3-Klappen nicht mehr der Fall zu sein scheint.

Für die neue Analyse wurden die 1.661 Patienten der PARTNER II-Studie – sowohl Patienten mit hohem als auch jene mit intermediärem Risiko – im Hinblick auf Komorbiditäten, prozedurale Besonderheiten und Verlauf in Abhängigkeit vom Geschlecht ausgewertet. In der Gesamtkohorte zeigte sich dabei weder bei der 30-Tage-Mortalität (2,0% vs. 1,2%; p=0,20) noch bei der 1-Jahres-Mortalität (9,3% vs. 10,2%; p=0,59) ein statistisch signifikanter Unterschied zwischen Männern und Frauen.

Es gab auch keinen signifikanten Unterschied bei Schlaganfällen mit Behinderung, weder nach 30 Tagen noch nach einem Jahr. Die Frauen in der PARTNER II-Studie waren in beiden Risikogruppen gebrechlicher als die Männer, hatten dafür aber weniger Begleiterkrankungen. Der EuroSCORE bei den Männern war höher. 

Frauen erhielten erwartungsgemäß mehr Klappen mit einem Durchmesser von 23 mm oder weniger, und weniger Klappen mit einem Durchmesser von 29 mm.

Komplikationsraten bei Frauen und Männern

Was die Komplikationen angeht, hatten Frauen etwas mehr leichte Schlaganfälle als Männer, allerdings nur nach 30 Tagen, nicht mehr nach einem Jahr. Der einzige größere Unterschied bestand in der Rate der schweren Gefäßkomplikationen. Sie betrug bei Frauen 7,9% und bei Männern 4,4%, was statistisch signifikant (p=0,003) war. 

Was sich dagegen nicht unterschied, waren paravalvuläre Lecks. In älteren Studien wie der PARTNER-Studie gab es hier sehr wohl einen Unterschied, in diesem Fall zuungunsten der Männer.

In einem begleitenden Editorial weisen Dr. Brian Lindman und Dr. Robert Piana vom Vanderbilt Heart and Vascular Institute in Nashville, USA, darauf hin, dass es im Hinblick auf Geschlechtsunterschiede bei der TAVI noch andere ungeklärte Fragen gibt, die in der vorliegenden Analyse nicht beantwortet werden. 

So sei weiterhin unklar, ob Frauen und Männer nach TAVI beziehungsweise nach operativen Aortenklappenersatz jeweils ähnliche Prognosen haben, oder ob bei der Auswahl des Eingriffs auch das Geschlecht mit einbezogen werden sollte. So gebe es aus einigen Studien Hinweise, dass Frauen von einer TAVI überproportional profitierten.

Literatur

Szerlip M et al. Sex-Specific Outcomes of Transcatheter Aortic Valve Replacement With the SAPIEN 3 Valve. J Am Coll Cardiol Interv 2018; 11:13-20

Lindman BR, Piana RN. What does sex have to do with transcatheter aortic valve replacement? J Am Coll Cardiol Interv 2018; 11:21-23

Highlights

Was es 2021 in der Kardiologie Neues gab: Koronare Herzkrankheit

Zum Thema ischämische Herzerkrankungen gab es 2021 wieder viele Studien, von denen einige sicher Auswirkungen auf künftige Praxis-Leitlinien haben werden. Im Fokus stand dabei unter anderem erneut die antithrombotische Therapie nach akutem Koronarsyndrom und PCI.

Kardiologische Leitlinien kompakt

Leitlinien, Kommentare, Positionspapiere, Konsensuspapiere, Empfehlungen und Manuals der DGK

Aktuelles und Neues aus der Kardiologie

COVID-19: Herz von Kindern mit MIS-C erholt sich rasch

Kindern mit einem multisystemischen Inflammationssyndrom (MIS-C) in Folge einer COVID-Erkrankung entwickeln oft akute kardiale Komplikationen. Ihr Herz erholt sich davon aber recht schnell wieder, legt eine Studie nahe – deren Ergebnisse klinische Implikationen haben könnte.

Plötzlicher Herztod beim Sport: Zu häufig, aber Überlebenschance steigt

Präventionsbemühungen scheinen beim plötzlichen Herztod im Sport noch nicht richtig zu greifen. Dafür überleben mittlerweile dreimal so viele Betroffene wie noch Anfang der Nuller Jahre.

Was sagt der Lp(a)-Wert über die Plaqueprogression aus?

Patienten mit hohen Lipoprotein-a-Spiegeln scheinen ein erhöhtes kardiovaskuläres Risiko zu haben. Eine Studie liefert jetzt Hinweise, warum das so ist. Zusammen mit weiteren Daten könnte das neue Behandlungsansätze eröffnen.

Aus der Kardiothek

Hätten Sie es erkannt?

Eine transthorakale Echokardiografie bei einer 65-jährigen zeigt eine auffällige Raumforderung. Welche Diagnose würden Sie stellen?

Hätten Sie es erkannt?

Koronarangiographie der linken Koronararterie (LAO 5°, CRAN 35°) bei einem Patienten mit NSTEMI nach biologischem Aortenklappenersatz am Vortag. Was ist zu sehen?

Hätten Sie es erkannt?

Ausschnitt einer Ergometrie eines 40-Jährigen Patienten mit gelegentlichem thorakalem Stechen. Was ist zu sehen?

Rückblick 2021/© momius / stock.adobe.com
Leitlinien/© DGK
Kardio-Quiz Dezember 2021/© Dr. med. Monique Tröbs und Felix Elsner, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Kardio-Quiz Oktober 2021/© L. Gaede, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Kardio-Quiz September 2021/© L. Anneken, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg