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10.07.2018 | TAVI | Nachrichten

Mehr und größere Partikel

Sind Embolie-Schutzsysteme bei bestimmten TAVI-Klappen besonders sinnvoll?

Autor:
Veronika Schlimpert

Während einer TAVI-Prozedur wird fast immer thrombotisches Material losgelöst, das ins Gehirn gelangen und einen Schlaganfall verursachen kann. Doch bei gewissen Klappentypen scheint das Risiko größer zu sein, wie eine aktuelle Analyse zeigt. Die Autoren plädieren deshalb für den Einsatz spezieller Emboliefilter. 

Die verwendete TAVI-Klappe ist offenbar entscheidend, wie viel thrombotisches Material während einer Transkatheter-Aortenklappenimplantation (TAVI) losgelöst wird und wie groß die freigesetzten Partikel sind.

Wissenschaftler der Asklepios-Klinik in Hamburg haben die histomorphologischen  Daten der randomisierten SENTINEL-Studie und des SENTINEL H-Registers gepoolt und ausgewertet. In diesen Studien ist die Effektivität des TAVI-Embolieschutzsystems Sentinel™ (Claret Medical) untersucht worden.

Im Fokus der aktuellen Studie stand das in den Filtern geborgene Material; insgesamt 492 Filtersysteme, die bei 246 Patienten eingesetzt worden sind, wurden hierfür genauer unter die Lupe genommen.

Bei fast allen Patienten (99%) fand sich darin thrombotisches Material. Bei den meisten (90%) war mindestens ein großer Partikel (≥ 500 µm) zu sehen; bei etwas mehr als der Hälfte (53%) war ein Partikel ≥ 1 mm groß.

Mehr Embolie-Partikel bei mechanisch- und selbstexpandierbaren Klappen

Allerdings waren derart große Partikel deutlich häufiger vorzufinden, wenn die mechanisch expandierbare Lotus-Klappe oder die selbstexpandierende Evolut R-Klappe verwendet wurden statt der ballonexpandierbaren Sapien XT- oder Sapien S3-Klappen (bei 72% bzw. 75%  vs. 48% bzw. 43%).

Generell sind während der Implantation der erst genannten Klappentypen deutlich mehr Partikel von den Filtern abgefangen worden (497 bzw. 245 vs. 190 bzw. 180), wodurch auch die Gesamtfläche des geborgenen Materials größer war (2,98 bzw. 2,38 vs. 1.05 bzw. 1,04 mm²).

Der Klappentyp stellte sich in einer multivarianten Analyse als einziger signifikanter Prädiktor für die Häufigkeit der sich in den Filtern befindlichen Partikel heraus.

Bei diesen Klappen besonders hinschauen

 „Bei Verwendung dieser TAVI-Klappen sollte man daher besonders aufmerksam sein“, resümieren Schmidt und Kollegen, auch wenn sie nicht ausschließen können, dass das Ergebnis durch Störfaktoren beeinflusst wurde (etwa durch anatomische Kriterien wie starke Verkalkungen, aufgrund derer eine spezifische Klappe bevorzugt verwendet wird).

Auch die Beschaffenheit des geborgenen Materials unterschied sich in Abhängigkeit vom verwendeten Klappentyp. Die bei der Implantation der Lotus-Klappe freigesetzten Partikel bestanden häufiger aus Fremdmaterial als bei den anderen Klappen. Bei Einsatz der Evolut R-Klappe wurden vermehrt Bestandteile von Klappengewebe, der Arterienwand sowie Kalkablagerungen nachgewiesen als bei den ballonexpandierbaren Klappen.

Routinemäßiger Einsatz von Protektionssystemen?

Die deutschen Autoren sprechen sich daher klar für den Einsatz von TAVI-Protektionssystemen aus, „auch bei solchen Patienten, die eine Sapien-Klappe erhalten“, wobei sie es bei den mechanisch- und selbstexpandierbaren Klappen für besonders wichtig erachten.

Die routinemäßige Verwendung solcher Systeme wird unter Experten momentan noch kritisch diskutiert (EuroPCR 2018_TAVI-Protektionssysteme in der Praxisroutine? Experten sind sich uneins).

Dr. Mohamad Alkhouli und zwei weitere Kollegen sind anderer Meinung als die Studienautoren. Die Studie gebe keine Informationen, ob sich die von den Filtern abgefangenen Partikel klinisch ausgewirkt hätten, wenn kein Schutzsystem zum Einsatz gekommen wäre, schreiben sie in einem Editorial. Man könne nur spekulieren, dass dadurch mehr Schlaganfälle verhindert wurden.

„Ergebnisse nicht überzeugend“

 „Die Studienergebnisse sind, wenngleich interessant, somit nur hypothesengenerierend und liefern keinen überzeugenden Beweis für den routinemäßigen Einsatz von Embolieschutzfiltern bei allen TAVI-Prozeduren“, lautet das Fazit der Kommentatoren.

Ob das Schlaganfall-Risiko bei Einsatz der mechanisch- bzw. selbstexpandierbaren Klappen tatsächlich höher ist als bei ballonexpandierbaren Klappen, sei ebenfalls unklar. Und daher könne man auch nicht davon ausgehen, dass TAVI-Emboliefilter bei diesen Klappen besonders effektiv sind. 

Mehr Aufschluss über die potenzielle Auswirkung des Klappentyps auf das neurologische Outcome soll die PRO-TECT-TAVI-Studie liefern. In der derzeit laufenden vierarmigen Studie wird die Wirksamkeit des SENTINEL-Filtersystems bei ballonexpandierbaren Klappen mit der bei selbstexpandierbaren Klappen verglichen.

Literatur

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