Nachrichten 03.11.2016

Transkatheter-Aortenklappen beweisen gute Haltbarkeit

Mittelfristig ist die Haltbarkeit von Transkatheter-Aortenklappen vergleichbar mit der von chirurgisch eingesetzten Klappentypen. Das zeigen neue Daten der PARTNER 1-Studie, die auf dem TCT-Kongress vorgestellt wurden.

Zunehmend erhalten auch jüngere Patienten mit schwerer Aortenstenose eine Transkatheteraortenklappen-Implantation (TAVI). Diese Patienten werden mit der neuen Klappe voraussichtlich noch viele Jahre leben. Doch wie haltbar sind TAVI-Klappen auf lange Sicht?

Eine im Mai auf dem diesjährigen EuroPCR in Paris vorgestellte Langzeitstudie ließ an der dauerhaften Haltbarkeit der TAVI-Klappen zweifeln: Nach etwa acht Jahren waren bei der Hälfte aller implantierter TAVI-Klappen echokardiografisch degenerative Veränderungen festzustellen. Doch bei deutschen Kardiologen stieß diese Untersuchung aufgrund der bis dato ungebräuchlichen Definition degenerativer Klappenveränderungen auf Kritik (http://www.kardiologie.org/tavi/haltbarkeit-von-katheter-herzklappen-kritik-an-neuer-analyse/10820632).

Nach den Ergebnissen einer Substudie der PARTNER 1-Studie mit der SAPIEN-Klappe der ersten Generation können die Interventionalisten wohl etwas aufatmen. Demnach stehen die TAVI-Klappen zumindest mittelfristig den chirurgisch eingesetzten Klappentypen, was ihre Haltbarkeit betrifft, in Nichts nach. Die Daten wurden von Dr. Pamela Douglas von der Duke University School of Medicine auf dem TCT-Kongress in Washington vorgestellt.

Hämodynamisch stabil

Innerhalb der fünfjährigen Beobachtungszeit blieb der mittlere Aortendruckgradient bei den meisten der insgesamt 2.482 Patienten mit erfolgreich eingesetzter TAVI-Klappe stabil, ohne Hinweise auf späte strukturelle Klappenveränderungen. Die echokardiografischen Nachuntersuchungen erfolgten sieben Tage, 30 Tage, sechs Monate und dann jeweils jährlich nach dem Eingriff.

Deutliche Veränderungen des Druckgradienten zwischen zwei aufeinander nachfolgenden echokardiografischen Untersuchungen waren selten; gerade einmal bei zehn Patienten nahm der Gradient zwischen zwei Messungen um 20 mmHg zu. Tendenziell war innerhalb der ersten Monate nach der TAVI eine Abnahme des Druckgradienten festzustellen, im Follow-up stieg dieser dann wieder leicht, aber nicht-signifikant an.

Insgesamt benötigten 20 Patienten eine Reintervention, von diesen Eingriffen waren fünf Fällen strukturell bedingt: Jeweils einer wegen einer Aortenstenose und Klappenthrombose sowie drei Fälle von Klappenregurgitationen. Sonstige Ursachen waren paravalvuläre Lecks, prozedurale Komplikationen oder Endokarditis. 282 Patienten waren nach fünf Jahren noch am Leben.

Ob die TAVI-Klappen über die fünf Jahre hinaus weiterhin ihre gute Haltbarkeit bewahren, müssen nun weitere Studien zeigen. Ebenso ist noch zu klären, wie es mit der Haltbarkeit von Klappen der neueren Generation bestellt ist.

Literatur

TCT-Pressemeldung: FIVE YEAR ECHOCARDIOGRAM FOLLOW-UP DATA DEMONSTRATES SUSTAINED DURABILITY AFTER TRANSCATHETER AORTIC VALVE REPLACEMENT IN HIGH-RISK AND INOPERABLE PATIENTS

Highlights

Aktuelles zum Coronavirus

Die Ausbreitung des Coronavirus hat einschneidende Folgen auch für die Herzmedizin. Aktuelle Meldungen zu SARS-CoV-2 bzw. zu der Lungenkrankheit Covid-19 finden Sie in diesem Dossier.

HRS-Kongress 2020 Science

Zwar musste auch die diesjährige Jahrestagung der Heart Rhythm Society in San Diego aufgrund der Corona-Pandemie kurzfristig abgesagt werden, aber für Ersatz wurde gesorgt: mit HRS 2020 Science – einer dreiteiligen Online- und On-Demand-Fortbildungsreihe. 

Das könnte Sie auch interessieren

Familiäre Hypercholesterinämie: Weltweite Prävalenz höher als gedacht

In einer Metaanalyse mit mehr als 11 Millionen Teilnehmern errechneten dänische Forscher die weltweite Prävalenz von familiärer Hypercholesterinämie. Besonders bei Patienten mit koronarer Herzkrankheit war sie deutlich erhöht.

Komplette Revaskularisation bei STEMI senkt kardiovaskuläre Mortalität

Im Fall eines Herzinfarktes nicht nur das infarktbezogene Zielgefäß, sondern gleich alle relevanten Koronarstenosen zu behandeln („komplette Revaskularisation“), trägt zur Senkung der kardiovaskulären Mortalität bei. Das bestätigt die bis dato größte Metaanalyse.

Warum gibt es in Tschechien so wenige Coronatote?

An COVID-19 sind in Tschechien bisher deutlich weniger Menschen gestorben als in den meisten anderen europäischen Ländern. Wissenschaftler haben Ursachen dafür zusammengetragen, und auch eine etwas ungewöhnliche Theorie.

Aus der Kardiothek

Hätten Sie es erkannt?

Transthorakale Echokardiographie eines 55jährigen Patienten mit Leistungsknick und atypischen Thoraxschmerzen. Was ist zu sehen?

BNK-Webinar "COVID-19 - tödliche Verläufe durch mikroangiopathische Schäden?"

Woran versterben COVID-19-Patienten? Prof. Alexandar Tzankov aus Basel erläutert anhand von Autopsieberichten, welche Schädigungen des SARS-CoV-2-Virus zum Tode führen. Einige dieser Befunde überraschen.

BNK-Webinar "Das Herz nach COVID-19-Infektion"

Das Coronavirus trifft das Herz, darüber ist viel berichtet worden, doch einige Aussagen sind nur halbrichtig. Prof. Michael Böhm, Bad Homburg/Saar, geht den offenen Fragen auf den Grund und verdeutlicht an einem Fallbeispiel, welche Kollateralschäden die Coronapandemie für andere Herzpatienten haben kann.

Bildnachweise
Corona/© Naeblys / Getty images / iStock
Digitaler HRS-Kongress 2020/© [M] jamesteohart / Getty Images / iStock
Transthorakale Echokardiografie/© Monique Tröbs, Mohamed Marwan, Universitätsklinikum Erlangen
BNK-Webinar/© BNK | Kardiologie.org