Nachrichten 30.09.2019

Koronarstents: Polymerfrei oder nicht – das macht bei hohem Blutungsrisiko und kurzer DAPT keinen Unterschied

Was ist das optimale Vorgehen und was das optimale Equipment für perkutane Koronarinterventionen (PCI) bei Patienten mit hohem Blutungsrisiko? In der großen Onyx ONE-Studie war ein Drug Eluting Stent bei kurzer dualer Plättchenhemmung (DAPT) genauso sicher wie ein polymerfreier Stent. Geht beides?

Bei Patienten mit hohem Blutungsrisiko tun sich viele Kardiologen mit konventionellen medikamentenfreisetzenden Stents (DES) schwer, weil sie die lange DAPT wegen der Blutungsgefahren fürchten. Eine Option bei diesen Patienten sind polymerfreie, nur auf der adluminalen Seite beschichtete Stents. Sie kommen mit einer einmonatigen DAPT aus. Vor vier Jahren war der polymerfreie BioFreedom Stent in der LEADERS-FREE-Studie einem Bare Metal Stent bei solchen Risikopatienten überlegen gewesen.

Die jetzt bei der TCT-Tagung in San Francisco von Prof. Dr. Stephan Windecker vom Universitätsklinikum Bern vorgestellte Onyx ONE-Studie macht die Antwort auf die Frage nach der besten PCI-Strategie bei hohem Blutungsrisiko jedenfalls nicht leichter. In der einfach verblindeten, randomisierten Studie wurden 2000 Patienten mit hohem Blutungsrisiko entweder nach LEADERS-FREE-Schema mit dem polymerfreien Biolimus-beschichteten Stent versorgt oder aber mit dem Zotarolimus-freisetzenden DES Resolute Onyx. In beiden Gruppen wurde danach einen Monat lang eine DAPT gegeben, danach gewechselt auf entweder ASS oder P2Y12-Hemmer-Monotherapie.

Die kurze DAPT wurde weitgehend eingehalten. Zwei Monate nach Intervention nahmen 92% der Patienten nur noch eine thrombozytenhemmende Monotherapie ein. Zwölf Monate nach Intervention waren 88% noch unter der entsprechenden Monotherapie.

Kein Unterschied bei den Ereignisraten

Bei den Ereignisraten gab es zwischen den beiden Gruppen keine großen Unterschiede. Beide landeten im Hinblick auf den primären Sicherheitsendpunkt nach einem Jahr – kardialer Tod, Myokardinfarkt und definitive oder sehr wahrscheinliche Stentthrombose – in der ITT-Analyse bei rund 17%. (Onyx: 17,1%, BioFreedom 16,9%, p=0,011 für Nicht-Unterlegenheit) In beiden Gruppen handelte es sich bei den Ereignissen im Wesentlichen um Myokardinfarkte.

Auch beim sekundären Effektivitätsendpunkt, Target-Lesion-Failure nach einem Jahr, gab es keinen relevanten Unterschied. Das angiographische Outcome war in der DES-Gruppe etwas besser. Insgesamt stelle sich nach der Onyx ONE-Studie die Frage, ob es wirklich nötig sei, bei Patienten mit hohem Blutungsrisiko vom DES auf Alternativen auszuweichen, so Windecker.

Die Diskussionen beim TCT in Dan Francisco drehten sich außerdem um die Stentthromboserate, die in der Per-Protokoll-Analyse für den BioFreedom-Stent bei 2,2% und den Onyx-Stent bei 1,5% lag. Beides ist eher hoch, sodass denkbar wäre, dass eine etwas längere DAPT trotz Blutungsrisiko Vorteile brächte.

Literatur

Windecker S. Onyx ONE – a randomized trial of a durable-polymer drug-eluting stent vs. a polymer-free drug-coated stent in patients at high risk of bleeding treated with 1-month DAPT. TCT 2019, San Francisco. Präsentation 26. September 2019. https://www.tctmd.com/slide/onyx-one-randomized-trial-durable-polymer-drug-eluting-stent-vs-polymer-free-drug-coated

Neueste Kongressmeldungen

Totgesagte leben länger: Uni-Forscher entwickeln „ihren“ Lipidsenker

Dass renommierte akademische Forscher, die an das Potenzial eines Lipidsenkers glauben, den die Pharmaindustrie längst abgeschrieben hat, dessen klinische Entwicklung selbst in die Hand nehmen, kommt auch nicht alle Tag vor. Im Fall des Wirkstoffs Obicetrapib ist es passiert.

ApoB sagt Herzinfarkte besser voraus als LDL-Cholesterin

Das Risiko für einen künftigen Myokardinfarkt wird am besten durch die Apolipoprotein B (apoB)-Konzentration als Maß für die Anzahl atherogener ApoB-haltiger Lipoprotein-Partikel erfasst, legen Ergebnisse einer beim AHA-Kongress präsentierten Studie nahe.

Latente rheumatische Herzerkrankung: Helfen Antibiotika?

Weltweit betrachtet sind rheumatische Herzerkrankungen ein großes Problem. Eine Lösung könnten Screeningprogramme sein, inklusive einer Antibiotikaprophylaxe, falls die Diagnose gestellt wird. In einer randomisierten Studie ist das Konzept jedenfalls aufgegangen.

Neueste Kongresse

AHA-Kongress 2021

Die wichtigsten Ergebnisse der beim amerikanischen Herzkongress AHA präsentierten  Studie lesen Sie in unserem Dossier. Bleiben Sie auf dem Laufenden.

TCT-Kongress 2021

Hier finden Sie die Highlights der diesjährigen Transcatheter Cardiovascular Therapeutics (TCT) Conference, der weltweit größten Fortbildungsveranstaltung für interventionelle Kardiologie. 

ESC-Kongress 2021

Der diesjährige Kongress der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie (ESC) findet erneut als digitales Event statt vom 27. bis 30. August 2021. Vier neue Leitlinien werden präsentiert, 19 Hotline-Sessions könnten ebenfalls die Praxis verändern. In diesem Dossier berichten wir über diese und weitere Highlights.

AHA-Kongress 2020 virtuell
TCT-Kongress 2021/© popyconcept / stock.adobe.com
ESC-Kongress (virtuell)/© everythingpossible / stock.adobe.com