Nachrichten 01.11.2022

Mechanische Thrombektomie bei Lungenembolie sicher und effektiv

Ergebnisse der bislang größten prospektiven Studie zur mechanischen Thrombektomie bei akuter Lungenembolie sprechen für die Sicherheit dieser interventionellen Methode, mit der eine rasche Reduktion der Rechtsherzbelastung erzielbar ist.

Im Fall einer akuten Lungenembolie können Blutgerinnsel in den Pulmonalarterien mittlerweile durch das Verfahren der mechanischen Thrombektomie mithilfe spezieller Katheter abgesaugt und nach außen transportiert werden. Eine solche Therapie kann erwogen werden, wenn eine systemische oder kathetergestützte Lysetherapie nicht möglich bzw. nicht erfolgreich ist oder eine Notfallsituation besteht. Noch ist die Datenlage bezüglich dieser Methode relativ limitiert.

Beim TCT-Kongress 2022 in Boston sind jüngst Ergebnisse der bislang größten prospektiven Multicenterstudie zur Sicherheit und Effektivität der mechanischen Thrombektomie bei akuter Lungenembolie vorgestellt worden.

Daten von 800 Patienten aus dem FLASH-Register analysiert

Die Studie basiert auf den Daten von 800 US-Patientinnen und -Patienten aus dem internationalen FLASH-Register, die zwischen Dezember 2018 und Dezember 2021 an 50 Zentren in den USA einer Thrombektomie-Prozedur mit dem FlowTriever-System (Inari Medical) unterzogen worden waren. Bei 76,7% der Teilnehmer war das Risiko als intermediär-hoch und bei 7,9% als hoch eingeschätzt worden. Bei 32,1% bestanden Kontraindikationen für eine Thrombolyse.

Den primären Sicherheitsendpunkt der Studie bildete eine Kombination der Ereignisse "Geräte-bezogener Tod", "schwere Blutungen innerhalb von 48 Stunden" und "intraprozedurale Komplikationen". Die Rate für diesen Endpunkt belief sich auf 1,8%, berichtete Dr. Catalin Toma von der University of Pittsburgh School of Medicine beim TCT-Kongress. Device-bezogene Todesfälle traten nicht auf, wohl aber 14 Blutungsereignisse (1,4%) und drei intraprozedurale Komplikationen (0,4%). Die Rate für die Gesamtmortalität betrug nach 48 Stunden 0,3% und nach 30 Tagen 0,8%. Nach Einschätzung von Toma sprechen diese Zahlen für ein „exzellentes Sicherheitsprofil“ des FlowTriever-Systems.

Verbesserung der Hämodynamik schon auf dem Kathetertisch

Signifikante Verbesserungen der Hämodynamik waren nach Thrombektomie praktisch sofort registrierbar. So sank der mittlere pulmonalarterielle Druck rasch um relative 23% von 32,6 mmHg auf 24,9 mmHg (p < 0,0001). Der Herzindex als Maß für das Herzzeitvolumen in Relation zur Körperoberfläche erhöhte sich prompt um relative 18,9% von 1,64 l/min/m2 auf 1,93 l/min/m2 (p < 0,0001).

Die echokardiografisch gemessene RV/LV-Ratio als Maß für die rechtsventrikuläre Dysfunktion nahm innerhalb von 48 Stunden von 1,23 auf 0,98 ab (p < 0,0001). Auch im Hinblick auf Dyspnoe und Lebensqualität ergaben sich nach der Thrombektomie deutliche Verbesserungen.

In insgesamt 6,2% der Fälle war innerhalb von 30 Tagen eine erneute Klinikaufnahme notwendig. Die Rate an Rehospitalisationen mit Bezug zur Lungenembolie-Therapie betrug dabei 1,4%, berichtete Toma. Eine chronisch thromboembolische pulmonale Hypertonie (CTEPH) wurde nach sechs Monaten in 1,2% der Fälle (bei 6 von 490 Patienten) diagnostiziert.

Vergleich mit katheterbasierter Lyse-Therapie in randomisierter Studie

Weitere Evidenz bezüglich der Sicherheit und Effektivität des FlowTriever-Systems in der interventionellen Therapie bei akuter Lungenembolie erhofft sich Toma nun unter anderem von den Ergebnissen der im Februar 2022 gestarteten PEERLESS-Studie. In dieser randomisierten Studie, an der rund 550 Patientinnen und Patienten mit akuter Lungenembolie teilnehmen sollen, wird die mechanische Thrombektomie im direkten Vergleich mit einer kathetergestützten Lyse-Therapie untersucht.

Literatur

Catalin Toma: Outcomes for the Full US Cohort of the FLASH FlowTriever Mechanical Thrombectomy Registry in Pulmonary Embolism. TCT-Kongress 2022,16. bis 19. September 2022, Boston

Toma C et al. Acute Outcomes for the Full US Cohort of the FLASH Mechanical Thrombectomy Registry in Pulmonary Embolism. Eurointervention 2022; DOI: 10.4244/EIJ-D-22-00732

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