Nachrichten 23.09.2022

Prophylaktische Rivaroxaban-Gabe kann Radialisverschlüsse verhindern

Radialisverschlüsse bei transradialen Punktionen lassen sich randomisierten Daten zufolge durch eine Rivaroxaban-Behandlung effektiv verhindern. Es stünden aber auch nicht-medikamentöse Maßnahmen zur Verfügung – und die sind in der Studie zu selten genutzt wurden.  

Eine prophylaktische, postprozedurale Rivaroxaban-Behandlung hat die Rate an A. radialis-Verschlüssen (RAO) nach transradialer Zugangslegung in der randomisierten RIVARAD-Studie um die Hälfte reduziert. Studienautorin Dr. Rania Hammami hat die Studienergebnisse beim diesjährigen TCT-Kongress in Boston präsentiert.

Rivaroxaban könne eine gute Option darstellen, um RAO zu verhindern, in Anbetracht des hektischen Praxisalltags und der zunehmenden Zahl ambulanter Prozeduren, folgerte die Kardiologin vom Hedi Charker Hospital in Sfax/ Tunesien aus diesen Daten.

Postprozedurale Rivaroxaban-Therapie

RIVARAD wurde an fünf Zentren in Tunesien durchgeführt. Insgesamt 538 Patientinnen und Patienten, bei denen eine Koronarangiografie oder eine perkutane Koronarintervention (PCI) mit transradialem Zugang geplant war, erhielten nach der Prozedur randomisiert entweder 10 mg Rivaroxaban für 7 Tage oder stattdessen die übliche Standardversorgung, die kein Rivaroxaban beinhaltete. Alle Teilnehmenden sind periprozedural mit Heparin behandelt worden.

RAO-Rate durch NOAK-Therapie deutlich reduziert

Insgesamt kam es während des 30-tägigen Follow-up bei 10% aller Studienteilnehmer zu einem Verschluss der A. radialis, ermittelt durch eine Ultraschalluntersuchung am Handgelenk – der primäre Endpunkt der Studie. Deutlich seltener traten solche Komplikationen bei den mit Rivaroxaban behandelten Patienten auf: mit 6,9% vs. 13,0% in der Kontrollgruppe. Das NOAK reduzierte das relative Risiko für das Auftreten von RAO um 50% (Odds Ratio, OR: 0,5; p=0,011).

Blutungskomplikationen kamen tendenziell, aber nicht signifikant etwas häufiger in der Rivaroxaban-Gruppe vor (2,7% vs. 1,9%; OR: 1,4; p=0,54). Wie Hammami berichtete, waren von solchen Blutungsereignissen ausschließlich Patienten betroffen, die mehrere antithrombotisch wirkende Medikamente erhalten haben (z.B. bei dualer Plättchenhemmer plus Rivaroxaban). Bei Patienten, die allein mit Rivaroxaban behandelt worden seien, habe es keine einzige hämorrhagische Komplikation gegeben, führte die Kardiologin aus.

Aber: Empfehlungen für sonstige Prophylaxemaßnahmen kaum umgesetzt

Trotz des vermeintlich eindeutigen Nutzen-Risiko-Verhältnisses von Rivaroxaban in dieser Indikation hat die Studie einen entscheidenden Haken: Leitliniengerechte „Best Practice“-Maßnahmen zur Vermeidung von RAO wurden nämlich nur dürftig eingesetzt, dazugehören z.B. die Kompression der ipsilateralen A. ulnaris und die Anwendung einer patenten Hämostase. Was die konsequente Implementierung solcher Prophylaxemaßnahmen bewirken kann, verdeutlichen die Ergebnisse der beim diesjährigen EuroPCR-Kongress präsentierten DISCO RADIAL-Studie. In dieser Studie lag die RAO-Rate nämlich unter 1%. In der aktuellen RIVARAD-Studie war immerhin jeder zehnte Patient davon betroffen. Laut Hammami spiegelt die fehlende Umsetzung solcher Empfehlungen andererseits aber auch den hektischen Klinikalltag wider. In Tunesien wird eine patente Hämostase Studien zufolge in weniger als 1% der Fälle angewendet. Trotzdem ist auch Hammami der Ansicht, dass interventiologisch tätige Kardiologen und Kardiologinnen sich in dieser Hinsicht mehr bemühen sollten.

Literatur

Hammami R: Prevention of Radial Artery Occlusion With Rivaroxaban After Transradial Coronary Procedures: The RIVARAD Multicentric Randomized Trial

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