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09.04.2015 | Nachrichten | Onlineartikel

Implantierbare Kardioverter-Defibrillatoren (ICD)

Telemedizinische Nachsorge verbessert die Lebensqualität

Autor:
Dr. med. Johannes Siebermair, Universitätsklinikum München

Ziel dieser prospektiven, randomisierten, monozentrischen Studie war es, den Einfluss einer telemedizinischen Nachsorge auf die Lebensqualität sowie auf das Angst- und Depressionsniveau von ICD-Patienten zu untersuchen.

Bei zunehmendem Nachsorgeaufwand durch exponenziell steigende Patientenzahlen verspricht die telemedizinische ICD-Nachsorge eine zeit-, kosten- und personaleffiziente Alternative zur konventionellen ICD-Kontrolle. Dabei werden relevante Messparameter des ICD sowie Informationen zu stattgehabten Rhythmusereignissen elektronisch an das betreuende Zentrum übermittelt. Mittlerweile konnten Studien eine deutliche Kostenreduktion im ambulanten Bereich durch telemedizinische ICD-Kontrollen nachweisen. Darüber hinaus konnte zuletzt erstmals eine Reduktion der Gesamtmortalität durch den Einsatz einer telemedizinischen ICD-Nachsorge gezeigt werden.

Zwischen Mai 2011 und April 2013 wurden 182 ICD-Patienten in diese Studie aufgenommen (81% Männer, 46% koronare Herzerkrankung). Durchgeführt wurde eine 1:1-Randomisierung auf eine reine Routine-ICD-Kontrolle in der betreuenden Klinik (Gruppe A) und eine Routine-ICD-Kontrolle plus zusätzliche telemedizinische Nachsorge (Gruppe B). Es wurde eine standardisierte Befragung aller Patienten bei Studieneinschluss sowie anschließend monatlich über die Dauer eines Jahres mit jeweils zwei etablierten Fragebögen, dem EQ5D-Fragebogen zur Selbstbeurteilung der Lebensqualität bzw. dem HADS-Fragebogen (Hospitality Anxiety and Depression Scale) durchgeführt.

153 Patienten wurden für die finale Analyse ausgewertet. Die Ausgangswerte für HR-QoL und Angst/Depression unterschieden sich zu Beginn der Studie nicht signifikant in den beiden Patientengruppen. Des Weiteren bestand kein Unterscheid bezüglich NYHA-Klasse, linksventrikulärer Pumpfunktion, Vorhandensein einer KHK oder Anteil von CRT-Aggregaten.

Signifikante Zunahme der Lebensqualität durch Telemedizin

Unsere Analyse ergab eine konstante signifikante Zunahme der Lebensqualität in Gruppe B (telemedizinische Nachsorge) ab dem vierten Monat im Vergleich zum Ausgangswert (HR-QoL +7 Punkte vs. Studienbeginn, p < 0,05), während in Kontrollgruppe A lediglich ein Trend ohne signifikante Veränderung der Lebensqualität im Vergleich zum Ausgangsniveau nachzuweisen war (HR-QoL +4 Punkte vs. Studienbeginn, p = n.s.).

In der Analyse des Angst- und Depressionsniveaus ergaben sich weder in der Interventionsgruppe noch in der Kontrollgruppe signifikante Veränderungen, wobei sich in Gruppe B ein deutlicher Trend in Richtung niedrigeren Angst- und Depressionswerten ableiten ließ.

In einem weiteren Schritt wurden klinische Parameter auf deren möglichen Einfluss auf die Verbesserung der Lebensqualität getestet. Hierbei konnten weder das Geschlecht, die initiale Implantationsindikation, die Anzahl der ICD-Therapien noch das Vorhandensein eines biventrikulären ICD-Aggregates als relevante Einflussfaktoren identifiziert werden. Im Gegensatz dazu ergab die Analyse der initialen NYHA-Klasse Hinweise darauf, dass vor allem Patienten mit einer NYHA-Klasse < 2 von einer telemedizinische Nachsorge profitierten.

Diskussion und Ausblick

Unseren Ergebnissen zufolge kann die telemedizinische Nachsorge zu einer signifikanten Verbesserung der Lebensqualität bei ICD-Patienten beitragen. Diese Daten sind konsistent zu den Ergebnissen der EVOLVO-Studie, die in einer sekundären Analyse einen positiven Effekt einer ICD-Heimnachsorge auf die Lebensqualität der Patienten zeigen konnte.

Es ergaben sich jedoch auch Hinweise darauf, dass dieser Einfluss auf die Lebensqualität ggf. nur in bestimmten Patientengruppen, z.B. bei Patienten mit niedriger NYHA-Klasse, besteht. Daher sollten in Zukunft weitere kontrollierte prospektive Studien neben den bereits etablierten klinischen Endpunkten den Benefit einer telemedizinischen ICD-Nachsorge in Bezug auf Veränderungen der Lebensqualität bzw. Angst und Depression evaluieren. 

Literatur