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09.12.2014 | Nachrichten | Onlineartikel

AOK-Programm Herzinsuffizienz

Telemedizinische Versorgung: Kosteneffektiv auf dem Land

Autor:
Philipp Grätzel

Die AOK Nordost hat ihr Telemedizin-Programm Herzinsuffizienz in Berlin-Brandenburg aufwändig evaluieren lassen. Ergebnis: Der Nutzen übersteigt die Kosten deutlich - allerdings nur auf dem Land.

Das von der Gesellschaft für Patientenhilfe umgesetzte Curaplan Herz Plus-Programm der AOK Nordost läuft seit mehreren Jahren. Betreut werden Patienten mit Herzinsuffizienz der NYHA-Stadien II bis IV.

Die Patienten übermitteln täglich digital ihr Körpergewicht und beantworten außerdem, ebenfalls digital, einen kurzen Fragebogen zu Symptomen und Befinden. Die Betreuung erfolgt über ein überwiegend mit Pflegepersonal besetztes telemedizinisches Service-Center, das in Kontakt mit den niedergelassenen Kardiologen bzw. Hausärzten steht.

Evaluation mittels „Matching“

Um das Programm zu evaluieren, hat die AOK Nordost beim Institut für Community Medicine der Universität Greifswald eine Evaluation in Auftrag gegeben, bei der die Wissenschaftler 2000 im Programm versorgte Patienten mit 4000 weitgehend merkmalsgleichen Vergleichspersonen „matchten“, die auf Basis von AOK-Routinedaten identifiziert wurden.

Die Zuordnung der Patienten erfolgte in einem zweistufigen Matching-Modell, in der ersten Runde nach exakter Übereinstimmung und in der zweiten Runde nach Propensity-Score-Methodik. „Dafür waren Daten von 200.000 AOK-Patienten nötig“, betonte Studienleiter Prof. Wolfgang Hoffmann, der die Ergebnisse im November in Berlin vorstellte: „Das klingt viel, aber nur so konnten wir sicherstellen, dass wir nicht Äpfel mit Birnen vergleichen.“

Niedrigere Sterberate nach einem Jahr

Im Ergebnis war die Einjahres-Sterblichkeit in der Telemedizingruppe mit 11 Prozent geringer als in der Kontrollgruppe, wo es 13,6 Prozent waren.
Der AOK ging es bei der Evaluation aber im Wesentlichen um die Kostenseite. Und hier waren die Ergebnisse sehr interessant.

Vorteile auch auf der Kostenseite

Über die gesamte Population und zwei Jahre hinweg wurden in der Intention-to-treat-Analyse pro Patient und Quartal knapp 300 Euro eingespart. Bei Per-Protokoll-Auswertung waren es sogar rund 500 Euro.

„Diese Einsparungen decken die Programmkosten bei weitem“, sagte AOK Nordost-Geschäftsführer Harald Möhlmann. Er beziffert die jährlichen Kosten für das Programm auf maximal 1000 Euro pro Patient.

Allerdings gab es deutliche regionale Unterschiede. In Berlin waren Einsparungen nach einem Jahr kaum nachweisbar, und nach zwei Jahren war die Versorgung in der Interventionsgruppe sogar teurer als in der Kontrollgruppe.

In Brandenburg zeigte sich ein komplett anderes Bild. Hier wurden bereits im ersten Jahr deutliche Einspareffekte erzielt, und im zweiten Jahr nahmen diese auch nicht ab.

Hoffmann erklärt sich den eklatanten Unterschied mit einem ausgeprägten Inanspruchnahmeverhalten in der Hauptstadt. Die AOK Nordost denkt jetzt über eine Ausweitung des Programms nach, beispielsweise auf Mecklenburg-Vorpommern.

Literatur

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