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18.05.2015 | Nachrichten | Onlineartikel

Expertenblickpunkt HRS 2015

Telemedizinisches Monitoring bei Device-Patienten reduziert Kosten

Autor:
Dr. Claudius Hansen

Neue Studiendaten stützen das Konzept der telemedizinischen Fernüberwachung von Patienten mit kardialen Implantaten wie Schrittmacher oder ICD-Aggregaten.

Die Diskussion über die Sinnhaftigkeit der Telemedizin bei Herzschrittmacher-, CRT- und ICD-Patienten hält in Deutschland weiter an. Zuletzt haben die Krankenkassen einen schon sehr weit gediehenen Ansatz zur Kostenerstattung und damit verbundener weitergehenden Implementierung dieser mit vielen guten Studien belegten Technologie abgelehnt.

Ein von den Anhängern der Telemedizin unter anderem angeführtes Argument für diese Technologie – nämlich die Kostensenkung durch Reduktion der Krankenhausaufenthalte – scheint durch eine beim Kongress der Heart Rhythm Society (HRS) in Boston in einer Late Breaking Clinical Trial Session präsentierten Studie bestätigt zu werden.

In dieser retrospektiven Kohortenstudie wurden insgesamt 61.717 Patienten eingeschlossen. Erstmals wurden in einer solchen Untersuchung mit einem Anteil von 60% relativ viele Herzschrittmacherpatienten aufgenommen. 46% der Patienten benutzten ein sogenanntes Remote Monitoring System.

Primärer Endpunkt der Studie war die Anzahl der Krankenhausaufnahmen und die damit verbunden Kosten. Sekundär wurden die Krankenhausaufnahmen wegen Herzschwäche oder eines Schlaganfalls oder erneute 30 Tage Krankenhausaufnahmen betrachtet. 30% der Herzschrittmacherpatienten hatten eine telemedizinische Abfrage, bei ICD-Patienten waren es 49% und bei CRT-Patienten 51%.

Stationäre Aufnahmen signifikant verringert

Die Zeit bis zur ersten klinischen Visite betrug in beiden Gruppen 63 Tage. In der Gruppe der telemedizinisch überwachten Patienten fielen signifikant weniger klinische Visiten über den Beobachtungszeitraum an (7,2 vs. 4,1 für die HSM-Patienten, 6,3 vs. 3,8 für die ICD-Patienten und 5,7 vs. 3,6 Monate für die CRT-Patienten).

Bei Patienten mit einem Remote-Monitoring-System kam es zu signifikant weniger stationären Aufnahmen (0,45 vs. 0,36 für die HSM-Patienten, 0,57 vs. 0,42 für ICD und 0,61 vs. 0,5 Aufnahmen pro Jahr für CRT; HR 0,84; p<0,001). Die Effekte waren für die ICD-Patienten und die CRT-Patienten größer als für die Herzschrittmacherpatienten.

Enorme Kostenreduktion errechnet

Für die Gesamtpopulation ergab sich damit eine Kostenreduktion durch Reduktion der stationären Aufnahmen von 30%. Insbesondere die Aufnahmen wegen einer Herzinsuffizienz konnten um 30% reduziert werden. Auch die Aufnahmen wegen eines Schlaganfalls bei Vorhofflimmern wurden signifikant verringert.

Auch wenn die Kostenrechnung und die Schlussfolgerung, dass eine Summe von mehreren hundert Milliarden Dollar bezogen auf 100.000 Patientenjahre auf deutsche Verhältnisse nur bedingt übertragbar sind, zeigt diese Studie die mögliche enorme Kostenreduktion für das Gesundheitswesen auch bei uns auf. Natürlich müssen weitere randomisierte Studien folgen, um diese retrospektiven Kohortendaten zu belegen.

In unserer Kolumne „Expertenblickpunkt“ hebt ein Experte aus Klinik oder Praxis besondere Inhalte von Kongressen und aus der aktuellen kardiologischen Berichterstattung hervor. Dr. Claudius Hansen ist Kardiologe und Internist im Herz & Gefäßzentrum am Krankenhaus Neu-Bethlehem in Göttingen.

Literatur
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