Onlineartikel 13.05.2016

The Year in Cardiology

Unter der Hauptüberschrift „The Year in Cardiology“ haben die Editoren des European Heart Journal (EHJ) eine Serie von Übersichten zu den zentralen Schwerpunkten der Kardio-vaskulären Medizin veröffentlicht. Als repräsentative Vertreter des jeweiligen Faches haben sie in ihrem Review eine Auswahl der wichtigsten Veröffentlichungen des Jahres zusammengefasst und kritisch beleuchtet.

In Kooperation mit dem Publications Department der European Society of Cardiology (ESC)(Ms. Ismahen Ouertani) stehen die jeweiligen Artikel den interessierten Lesern zur Verfügung. Die DGK macht den Zugriff gern durch die direkte Verbindung zu den Artikeln beim EHJ zugänglich.

Rubrikverantwortliche stellen Höhepunkte aus dem letzten Jahr heraus, hier einige Beispiele als Anregung für die Lektüre:

Prof. Dr. Malte Kelm zu Imaging

Im Jahr 2015 wurde eine Reihe von Landmarkstudien zu neuen Bildgebungstechniken publiziert. Insbesondere im Bereich echokardiographischer und CMR-basierter Non-Kontrast Techniken konnten erhebliche Fortschritte erzielt werden. Die wichtigsten „Highlights“ haben wir im Folgenden für Sie zusammengefasst:

Highlights in der Echokardiographie:

  • Konsensus Dokument zur Quantifizierung kardialer Kavitäten und Dimensionen bei Erwachsenen unter besonderer Berücksichtigung der 3D Echokardiographie, der Bildgebung von Deformation und Strain
  • Zunehmende prognostische Bedeutung des GLS (global longitudinal strain) im Vergleich zu klassischen Parametern wie EF
  • Wertigkeit der 3D Echokardiokardiographie zur Vorhersage des Remodeling des Mitralklappenapparates bei funktioneller Mitralinsuffizienz

Highlights in der Computertomographie:

  • der CTA Vision Trial hinterfragt den zusätzlichen Nutzen von CTAs vor nicht kardialen chirurgischen Eingriffen durch klinisch nicht gerechtfertigte Überschätzung des kardialen Risikos
  • der TRO CT Trial unterstützt nicht die breite Anwendung und Nutzen des CT zum Ausschluss von Myokardinfarkt, Lungenembolie und Aortendissektion auf der Notaufnahme
  • die PLATFORM Studie zeigt keinen Nutzen von FFRct in Patienten, die  einer Leitlinien-gerechten funktionellen Bildgebung zur Erstdiagnostik einer KHK unterzogen wurden. Lediglich bei Patienten, die im Kontrollarm direkt einem invasiven Vorgehen zugeführt wurden, führt die Anwendung von FFRct zu einer Senkung der Katheter-gestützten Koronarangiographien

Highlights in der Magnetresonanztomographie:

  • T1 gewichtete cMRI der „culprit lesion“ (der RCA) kann bei der Vorhersage von PCI-assoziierten Infarkten und somit zur Prozedurplanung hilfreich sein
  • Nicht Kontrast-basiertes T1 Mapping kann in der Charakterisierung hypodenser Infarktzonen im Verlauf eine negatives Remodeling nach AMI vorhersagen
  • Post-Kontrast T1 Mapping zusammen mit klassischen LGE Mustern kann die kardiale Fibrose bei HCM, Sarkoidose und Amyolidose  besser charakterisieren und die kardiale Mortalität im Verlauf besser prognostizieren

Highlights in der kardialen Nuklearmedizin:

  • Mittels SPECT-CT konnte die Inflammation und Lipidakkumulation in ersten Proof-of-concept Studien sowie die Akkumulation von peripheren mononukleären Zellen in Arealen mit fortgeschrittener Atherosklerose nachgewiesen werden

Fusionsbildgebung:

  • durch die Kombination von F18 – FDG PET und CT gelang der Nachweis von Device assoziierten Infektionen, insbesondere der Implantattaschen mit hoher diagnostischer Genauigkeit
  • die Fusion von CT und echokardiographischen Datensätzen bietet zusätzliche diagnostische Genauigkeit insbesondere in der Charakterisierung von Patienten mit niedrigem Gradienten, schwerer Aortenklappenstenose und normaler EF

 

Prof. Dr. Holger Eggebrecht  zu Was uns 2015 in der Interventionellen Kardiologie beschäftigt hat:


Weiter im Fokus: Optimale Antikoagulation nach PCI!

Die optimale Thrombozytenaggregationshemmung bei Patienten mit Notwendigkeit zur oralen Antikoagulation ist ein im Alltag häufiges und noch immer komplexes Thema. Die ISAR-TRIPLE Studie hat untersucht, ob eine verkürzte Triple-Therapie für 6 Wochen nach PCI das Problem löst.

Weiter im Aufschwung: Radialer Herzkatheterzugang reduziert Blutungen und Sterblichkeit bei ACS-Patienten!

Der transradiale Zugang erfreut sich zunehmender Beliebtheit. In der MATRIX-Studie wurde der Herzkatheter über das Handgelenk mit dem transfemoralen Zugang bei 8404 Patienten mit ACS verglichen. Das Ergebnis ist eindeutig: schwerwiegende Blutungskomplikationen traten seltener auf, auch die Gesamtsterblichkeit war reduziert.

Weiter spannend! Bioresorbierbare Scaffolds im Vergleichstest.

Der Everolimus-eluierende Scaffold scheint dem Vergleichsstent aus Metall nicht unterlegen, allerdings machen erhöhte Scaffoldthrombose-Raten nachdenklich.

Weiter so? Wann ist eine verlängerte duale Thrombozytenaggregation nach PCI sinnvoll?

Üblicherweise wird nach PCI eine duale Thrombozytenaggregationshemmung (DAPT) für 6-12 Monaten empfohlen. Eine Metaanalyse aus 10 randomisierten Studien (31666 Patienten) fand eine Reduktion von Myokardinfarkten und Stentthrombosen bei verlängerter DAPT über 12 Monate hinaus, aber auch vermehrte nicht-kardiale Sterblichkeit.


Article title and link Authors
The Year in Cardiology 2015 - Acute coronary syndromes Gilles Montalescot; Filippo Crea (EHJ Associate Editor ACS)
The Year in Cardiology 2015 – Coronary intervention Philip G. Steg; William Wijns (EHJ Deputy Editor)
The Year in Cardiology 2015 – Peripheral Circulation Victor Aboyans et al.
The Year in Cardiology 2015 – Valvular Heart disease Alec Vahanian (EHJ Associate Editor Valves); B. Iung; S. Rahimtoola
The Year in Cardiology 2015 – Heart Failure Michel Komajda, Frank Ruschitzka (EHJ Deputy Editor)
The Year in Cardiology 2015 – Prevention John Chapman; Ulf Landmesser (EHJ Deputy Editor)
The Year in Cardiology 2015 – Imaging Gilbert Habib; Jeroen Bax et al (EHJ Deputy Editor)
The Year in Cardiology 2015 – Arrhythmia and device therapy Pierre Jais; Jan Steffel; Gerhard Hindricks (EHJ Deputy Editor)