Skip to main content
main-content

19.02.2015 | Nachrichten | Onlineartikel

Aktuelle Daten aus Deutschland

Therapie bei schwerer PAVK: derzeit Note unbefriedigend

Autor:
Peter Overbeck

Bei Patienten mit peripherer arterieller Verschlusskrankheit (PAVK) ist die Mortalitäts- und Amputationsrate in Deutschland nach wie vor relativ hoch. Dies könnte auch daher rühren, dass Therapieoptionen zur Revaskularisation vor allem bei fortgeschrittener PAVK noch immer zu selten genutzt werden.

Die Prävalenz der PAVK nimmt in Deutschland deutlich zu. Belege dafür lieferte die Arbeitsgruppe um Prof. Holger Reinecke, Abteilung für Kardiologie und Angiologie an der Uniklinik Münster , bereits in einer 2013 publizierten Analyse von Daten zur stationären Versorgung von PAVK-Patienten (Eur Heart J. 2013;34:2706-14). Danach ist speziell die Zahl der Patienten mit schwerer PAVK (kritische Extremitätenischämie) sehr stark angestiegen.

In einer neuen Studie haben die Münsteraner Forscher jetzt auf Basis aktueller Daten Prognose und derzeitige Therapien bei Patienten mit PAVK in Deutschland genauer unter die Lupe genommen. Die Gruppe nutzte dazu anonymisierte Informationen aus der zentralen Datenbank der größten deutschen Krankenversicherung (BARMER GEK).

Daten von knapp 42.000 PAVK-Patienten

Anhand der ICD-10-Codierung wurden 41.882 Patienten identifiziert, die zwischen 2009 und 2011 wegen PAVK in stationärer Behandlung waren. Bei ihnen wurde der Krankheitsverlauf dann bis 2013 über eine Follow-up-Dauer von bis zu vier Jahren nachverfolgt. Gemäß der Rutherford-Klassifikation erfolgte eine Aufteilung der Patienten in die Krankheitsstadien 1-3 (n = 21.197), 4 (n = 5.353), 5 (n = 6.916) und 6 (n = 8.416). Zudem wurden Daten herangezogen, die Aufschluss über den Krankheitsverlauf in den zwei Jahren vor der Index-Hospitalisierung gaben.

Mit zunehmendem Schweregrad der PAVK (Rutherford 1–6) nahm die Prävalenz klassischer Risikofaktoren (Hypertonie, Dyslipidämie, Rauchen) ab, während Erkrankungen wie Diabetes, chronische Niereninsuffizienz und Herzinsuffizienz an Häufigkeit zunahmen.

Weniger Revaskularisationen bei schwerer PAVK

Je fortgeschrittener die PAVK, desto geringer wurde der Anteil der Patienten, bei denen in der Klinik eine Angiografie oder endovaskuläre Revaskularisation vorgenommen wurde. Dagegen erhöhte sich mit jeder Rutherford-Kategorie (1–3, 4, 5, 6) der Anteil der Patienten, bei denen während der Hospitalisierung eine Amputation durchgeführt wurde, und zwar von 0,5 Prozent (Rutherford 1–3) auf 42 Prozent (Rutherford 6).

Dabei wird in vielen Krankenhäusern und Kliniken offenbar noch immer sehr flott und unter Ignorierung noch bestehender Optionen amputiert. So stellten die Münsteraner Untersucher fest, dass bei insgesamt knapp 4.300 Patienten mit kritischer Extremitätenischämie in immerhin 44 Prozent aller Fälle vor der Amputation keine Angiografie in der Klinik vorgenommen worden war. Auch bei Berücksichtigung aller in den vorangegangenen 24 Monaten getroffenen stationären oder ambulanten Maßnahmen blieb immer noch ein Anteil von 37 Prozent unter den Amputierten, die keine Angiografie oder Revaskularisierung erhalten hatten.

Mortalität nach wie vor hoch

Nach Ansicht von Reinecke und seinem Team könnte dies mit dazu beigetragen haben, dass die Prognose vor allem von Patienten mit schwerer PAVK nach wie vor sehr schlecht und die Amputationsrate trotz therapeutischer Fortschritte bei der Revaskularisation unverändert hoch ist.

So bewegten sich die Raten für die 4-Jahres-Mortalität je nach Rutherford-Kategorie zwischen 18,9 Prozent (Rutherford 1-3) und 63,5 Prozent (Rutherford 6), die entsprechenden Amputationsraten im selben Zeitraum zwischen 4,6 Prozent und 67,3 Prozent. Ein Vergleich mit historischen, vor mehr als einem Jahrzehnt erhobenen Daten zeigt nach Einschätzung der Studienautoren, dass es bei Patienten mit kritischer Extremitätenischämie in der ganzen Zeit kaum Verbesserungen in puncto Mortalität und Amputationsrate gegeben habe.

Literatur