Nachrichten 18.04.2022

Was nützt Magnesium i.v. bei Vorhofflimmern?

Bei Patienten mit Vorhofflimmern mit schneller ventrikulärer Überleitung schnitt intravenös verabreichtes Magnesium nach vier Stunden nicht besser ab als Placebo – zwischenzeitlich zeigten sich aber signifikante Effekte.

Magnesium ist als Antiarrhythmikum etabliert und wird unter anderem in der Akuttherapie von Vorhofflimmern eingesetzt. Auch wenn es häufig verabreicht wird, kommen Studien zu seiner Wirksamkeit zu widersprüchlichen Ergebnissen. Bei Patienten mit Vorhofflimmern mit schneller ventrikulärer Überleitung hat es jetzt gegenüber Placebo zwar einen leichten vorübergehenden, aber keinen längerfristigen Effekt beim Reduzieren der Herzfrequenz gezeigt.

In die doppelblinde, randomisierte Studie wurden 144 Patienten mit Vorhofflimmern und einer Herzfrequenz von mehr als 120 Schlägen/Minute einbezogen, die sich in der Notaufnahme vorgestellt hatten. Sie wurden in zwei Gruppen randomisiert: Die eine erhielt intravenös 5 g (20 mmol) Magnesiumsulfat, die andere eine Infusion mit 100 ml Kochsalzlösung über 30 Minuten. Beide Gruppen bekamen nach frühestens zwei Stunden AV-Knoten-blockierende Medikamente.

Als primären Endpunkt definierten Jason Nogic von der Monash-Universität in Melbourne und sein Team eine Herzfrequenz von weniger als 100 Schlägen/Minute und/oder eine mindestens 20%ige Reduktion des Ausgangswerts innerhalb von vier Stunden. Sekundäre Endpunkte waren Rückkehr zum Sinusrhythmus, Dauer bis zum Erreichen der angestrebten Herzfrequenz, Anzahl der dafür notwendigen Medikamente, Zeit in der Notaufnahme, (Re-)hospitalisierung und 30-Tages-Mortalität.

Vorübergehende signifikante Reduktion

Die Herzfrequenz wurde in Zehn-Minuten-Intervallen aufgezeichnet. Der mediane Ausgangswert war in beiden Gruppen ähnlich. Nach 20–90 Minuten und 110–130 Minuten war die mediane Herzfrequenz in der Interventionsgruppe signifikant niedriger als in der Placebogruppe. Die durchschnittliche Differenz lag bei 11 bzw. 10 Schlägen pro Minute, was aber noch nicht dem primären Endpunkt entsprach. Nach zwei Stunden, als die Gabe der AV-Knoten-blockierenden Medikamente erfolgte, entdeckten die Forschenden keine signifikanten Unterschiede mehr.

Auch bezüglich des kombinierten primären Endpunkts ergab sich nach vier Stunden kein signifikanter Unterschied. Für das Ziel einer Herzfrequenz von <100 Schlägen pro Minute zeigte sich beim Untersuchen in halbstündigen Intervallen nach 60 Minuten ein signifikanter Unterschied. Die Interventionsgruppe hatte zu diesem Zeitpunkt eine knapp dreifache Chance, dieses Ziel zu erreichen. Der primäre Endpunkt wurde aber nicht erreicht.

Nach vier Stunden kein Unterschied zu Placebo

Nach vier Stunden unterschieden sich die Raten der Patienten mit wiederhergestelltem Sinusrhythmus nicht signifikant. In der Interventionsgruppe gegenüber der Kontrollgruppe war die Rate der Patienten, die hinterher Betablocker benötigten, jedoch signifikant niedriger (59% vs. 74%), ein solcher Unterschied wurde bei anderen AV-Knoten-blockierenden Medikamenten nicht beobachtet. Bezüglich (Re-)hospitalisierung, verbrachter Zeit in der Notaufnahme und 30-Tages-Mortalität ergaben sich keine signifikanten Unterschiede.

Bisher gibt es nur wenige Studien zum Einsatz von Magnesium bei Vorhofflimmern-Patienten mit schneller ventrikulärer Überleitung und in denen, die es gibt, war der gleichzeitige Einsatz AV-Knoten-blockierender Medikamenten erlaubt. In der aktuellen Studie wurde die Wirksamkeit von Magnesium erstmals isoliert untersucht. „Auch wenn sich zunächst eine leichte Reduktion der Herzfrequenz zeigte, gab es nach der Gabe von AV-Knoten-blockierenden Medikamenten keinen signifikanten Unterschied mehr zur Placebogruppe“, fassen Nogic et al. zusammen.

Literatur

Nogic J et al. Magnesium in the Management of Atrial Fibrillation With Rapid Ventricular Response. JACC: Clinical Electrophysiology 2022. https://doi.org/10.1016/j.jacep.2022.01.017

Highlights

Myokarditis – eine tödliche Gefahr

In der vierten Ausgabe mit Prof. Andreas Zeiher geht es um die Myokarditis. Der Kardiologe spricht über Zusammenhänge mit SARS-CoV-2-Infektionen und COVID-19-Impfungen und darüber, welche Faktoren über die Prognose entscheiden.

Podcast: Plötzlicher Herztod im Sport

In der dritten Ausgabe mit Prof. Martin Halle geht es um den Plötzlichen Herztod im Sport. Warum trifft es ausgerechnet Leistungssportler, warum überwiegend Männer? Und gibt es einen Zusammenhang mit SARS-CoV-2-Infektionen?

Aktuelles und Neues aus der Kardiologie

Herzinsuffizienz: Landbewohner in den USA scheinen stärker gefährdet

In ländlichen Regionen in den USA haben die Bewohner offenbar ein höheres Risiko, eine Herzinsuffizienz zu entwickeln, als die Stadtbevölkerung, so das Ergebnis einer prospektiven Studie. Dieser Zusammenhang war sogar unabhängig vom sozioökonomischen Status.

50-Jähriger mit wiederholtem Brustschmerz – keine Stenose, sondern?

Ein 50-jähriger Patient wird wegen Brustschmerz und Ohnmachtsanfällen vorstellig. Eine ausgeprägte Stenose können die Kardiologen in der Koronarangiografie allerdings nicht feststellen. Stattdessen finden sie einen auffälligen Zusammenhang mit dem Alkoholkonsum des Mannes.

Wie sich Omikron- und Wildtyp-Variante im Herz-Echo bemerkbar machen

Ein Forscherteam hat untersucht, wie sich Omikron und die Wildtyp-Variante bei hospitalisierten Erkrankten auf das Herz auswirken – und dabei festgestellt, dass sich anhand bestimmter echokardiografischer Parameter das Sterberisiko besser einschätzen lässt.

Aus der Kardiothek

Therapie der akuten Herzinsuffizienz – Wann und womit starten

Nach Dekaden des Stillstandes wurden in der letzten Zeit einige Fortschritte in der Therapie der Herzinsuffizienz gemacht. Welche das sind, und wie diese in der Praxis umgesetzt werden sollten, erläutert Prof. Christine Angermann in diesem Video.

Hypertonie und Dyslipidämie - einfach gemeinsam behandeln

Hypertonie und Hypercholesterinämie treten oft gemeinsam auf. Prof. Ralf Dechend stellt in diesem Video neue Strategien zum Umfang mit diesen kardiovaskulären Risikofaktoren vor.

Systematisches Vorhofflimmern-Screening in Risikopopulation: sinnvoll und machbar

Wearables eröffnen ganz neue Perspektiven für das Vorhofflimmern-Screening. Doch wie sinnvoll ist der Einsatz eines solchen Screenings? Und inwiefern können Patienten davon tatsächlich profitieren? Prof. Ralf Birkemeyer gibt Antworten.

Podcast-Logo/© Springer Medizin Verlag GmbH (M)
Podcast-Logo
kardiologie @ home/© BNK | Kardiologie.org