Onlineartikel 26.11.2015

Thrombosen an Bioklappen auch nach Operation nicht selten

Wenige Wochen nach der Publikation einer Untersuchung zur Häufigkeit von Thrombosen an Aortenklappen-Bioprothesen mit einem Schwerpunkt auf der TAVI zeigen Daten der Mayo-Clinic, dass solche Thrombosen auch bei operierten Patienten nicht selten sind.

Kardiologen der Abteilung für interventionelle Kardiologie am Cedars-Sinai Heart Institute in Los Angeles hatten im Oktober im New England Journal of Medicine berichtet, dass mit 4D-CT-Verfahren bei Patienten nach Transkatheter-Aortenklappenersatz (TAVI) in 14% bis 40% der Fälle eine reduzierte Beweglichkeit der Klappensegel gefunden wird, was auf eine Thrombosierung hindeuten kann. Vor allem in den USA hatte diese Analyse größere Wellen geschlagen. Sogar die FDA hatte sich zu Wort gemeldet.

Bioklappen-Thromben in 11,6 Prozent der Fälle

In der Analyse aus Kalifornien waren nur einige wenige offen operierte Patienten enthalten. Die Rate der Patienten mit Klappenbewegungsstörungen betrug in dieser Gruppe 7%. Jetzt berichten Ärzte der Mayo Clinic über 397 Patienten, die nach chirurgischem Aortenklappenersatz symptomatisch wurden und deswegen eine Echokardiographie erhalten hatten. In dieser Kohorte fanden sie 46 Thrombosen der Bioklappe (11,6%). Zwei Drittel davon traten mehr als ein Jahr nach der Implantation auf.

Direkt vergleichbar sind die Quoten nicht, weil die Kalifornier bei asymptomatischen Patienten mit 4D-CT nach Zeichen einer Thrombose gesucht hatten, während die Ärzte der Mayo Clinic die Thrombose per Echokardiographie diagnostizierten und die Grundgesamtheit nur Patienten mit neuen postoperativen Symptomen waren. Dennoch deute die Analyse darauf hin, dass auch beim chirurgischen AKE Thrombosen der Bioklappen häufiger sind als bisher angenommen wurde, betonen die Studienautoren.

Klinische Relevanz bleibt unklar

Aussagen zur klinischen Relevanz des Befunds einer Klappenthrombose in der Bildgebung erlaubt auch diese Analyse nicht. Die Ärzte der Mayo Clinic haben ihren Datensatz aber auf prädiktive Faktoren hin untersucht. Dabei waren ein über 50%iger Anstieg des Doppler-Gradienten über der Klappe innerhalb von fünf Jahren nach Implantation, ein paroxysmales Vorhofflimmern, eine subtherapeutische INR und außerdem abnorm dicke beziehungsweise abnorm mobile Klappensegel unabhängige Prädiktoren für den echokardiografischen Nachweis einer Klappenthrombose.

Literatur

Egbe A.C. et al. Bioprosthetic Valve Thrombosis Versus Structural Failure. J Am Clin Cardiol 2015; 66(21):2285-94