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24.04.2015 | Nachrichten | Onlineartikel

Kardiovaskuläres Risiko

Trans-Fettsäuren: EU-Kommission lässt sich Zeit

Autor:
Philipp Grätzel

Schon seit Jahren wird über strenge Grenzwerte für Trans-Fette in Lebensmitteln auf europäischer Ebene diskutiert, um das Herz-Kreislauf-Risiko zu senken. Ein für 2014 angekündigter Bericht der EU-Kommission zu dieser Thematik wird jetzt im Sommer 2015 erwartet.

Dass Trans-Fette das kardiovaskuläre Risiko erhöhen, gilt unter Kardiologen als weitgehend unstrittig. Unter anderem erhöhen Trans-Fette die LDL-Konzentrationen im Serum und senken gleichzeitig die HDL-Level.

Schon im Jahr 2004 hat die European Food Safety Authority (EFSA) im Auftrag der EU-Kommission eine wissenschaftliche Risikoanalyse erstellt, die zu dem Schluss kam, dass Trans-Fette das Risiko von Herzerkrankungen steigern und dass deswegen politische Anstrengungen unternommen werden sollten, den Gehalt in Nahrungsmitteln zu verringern.

Dänemark zog Konsequenzen

Die EU-Kommission hatte aus dem Bericht damals keine Konsequenzen gezogen. Anders mehrere EU-Mitgliedstaaten: Dänemark war 2003 das erste europäische Land, das Trans-Fett durch einen sehr niedrigen Grenzwert von 2% Trans-Fettsäuren in Nahrungsfetten weitgehend aus Nahrungsmitteln verbannte. Das in Kopenhagen ansässige WHO Regional Office für Europa hat kürzlich mitgeteilt, dass der deutliche Rückgang der kardiovaskulären Mortalität in Dänemark zumindest teilweise auf den Bann von Trans-Fettsäuren zurückzuführen sein könnte.

Der Konsum von 5 g Trans-Fetten pro Tag erhöht WHO-Angaben zufolge das Risiko einer koronaren Herzerkrankung um 23%. Wie viele Trans-Fette durchschnittlich aufgenommen werden, ist von Land zu Land sehr unterschiedlich. Die WHO spricht von bis zu 30 g in einigen osteuropäischen Ländern. Für mitteleuropäische Länder werden Werte um 5 bis 10 g angegeben. Außer in Dänemark gibt es mittlerweile in fünf weiteren europäischen Ländern Grenzwerte für Trans-Fettsäuren, nämlich in Österreich, Ungarn, Norwegen, Island und der Schweiz.

„Heart Group“ initiiert Symposium in Brüssel

Durch die guten Erfahrungen in Ländern, die Trans-Fette reduziert haben, ist der Druck auf die EU-Kommission in den letzten Jahren gestiegen. Die Kommission hatte deswegen für 2014 einen Bericht angekündigt, der sich mit der Frage einer europaweiten Limitierung von Trans-Fettsäuren auseinandersetzen sollte.

Als dieser Bericht nicht kam, wurde die von der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie (ESC) unterstützte „Heart Group“ der Europaparlamentarier aktiv. Sie hat jetzt ein Symposium in Brüssel veranstaltet, um das Thema am Kochen zu halten.

Seit den 70er Jahren sei zwar die durchschnittliche Aufnahme von Trans-Fettsäuren in Europa deutlich zurückgegangen, sagte Prof. Stehen Stender, Ernährungsexperte von der Universität Kopenhagen. Doch längst nicht jeder profitiere davon: „Vor allem sozial benachteiligte Gruppen konsumieren deutlich mehr Trans-Fettsäuren. Auch deswegen müssen wir jetzt handeln.“

Bericht der EU-Kommission im Juni erwartet

Stender betonte, dass nicht zuletzt die dänischen Erfahrungen gezeigt hätten, dass sich Trans-Fette reduzieren ließen, ohne dass die Qualität der Produkte sinke oder die Kosten stiegen. Diese Punkte bringen Vertreter der Ernährungsindustrie immer wieder als Argumente gegen eine Limitierung an.

Für die MEP Heart Group rief die EU-Parlamentarierin Mairead McGuinness die EU-Kommission dazu auf, endlich zu handeln. Die Kommission ließ anlässlich des Symposiums durchblicken, dass der Bericht aller Voraussicht nach im Juni vorgelegt werde. Welchen Tenor die Empfehlungen haben werden, wurde aber nicht verraten.

Literatur