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24.02.2016 | Nachrichten | Onlineartikel

Transkatheter-Aortenklappe: Frauen gegenüber Männern im Vorteil

Autor:
Peter Overbeck

Von einer kathetergeführten Aortenklappen-Implantation scheinen ältere Frauen mit schwerer Aortenstenose in besonderem Maß zu profitieren: Bei ihnen ist die Überlebensrate ein Jahr nach dem Eingriff deutlich höher als bei Männern.

Nach chirurgischem Aortenklappen-Ersatz wegen Aortenstenose sind Frauen gegenüber Männer prognostisch eher im Nachteil. Im Fall der Transkatheter-Aortenklappen-Implantation (TAVI) scheint sich dieses Verhältnis dagegen zugunsten von Frauen umzukehren.

Dafür sprechen Ergebnisse der bislang größten Studie zur Frage geschlechtsspezifischer Unterschiede bei der Prognose nach TAVI. Sie bestätigen, was sich zuvor in kleineren Studien bereits als Trend abgezeichnet hat.

Eine Forschergruppe um Dr. Susheel Kodali aus New York hat für diese Studie Daten aus der PARTNER-Studie (randomisierte Studie plus Register) herangezogen. Analysiert wurden Behandlungsergebnisse bei 2559 Patienten (1220 Frauen, 1339 Männer) mit schwerer Aortenstenose, die entweder als inoperabel eingestuft waren oder ein hohes Operationsrisiko hatten. Alle Patienten waren an 25 klinischen Zentren in den USA. Kanada und Deutschland einer TAVI-Prozedur unterzogen worden.

Mehr vaskuläre Komplikationen bei Frauen

Es bestanden deutliche Unterschiede zwischen beiden Geschlechtergruppen. Frauen hatten seltener Risikofaktoren wie Hyperlipidämie, Diabetes, Rauchen oder Nierenerkrankungen, dagegen war bei ihnen das im STS-Risikoscore vorausgesagte Sterberisiko für den Fall einer Herzoperation höher als bei Männern.

Im Zusammenhang mit den TAVI-Eingriffen kam es bei Frauen häufiger zu vaskulären Komplikationen (17,3 versus 10,0 Prozent) und zu Blutungen (10,5 versus 7,7 Prozent) als bei Männern. Andererseits waren bei Frauen nach TAVI seltener paravalvuläre Aorteninsuffizienzen, die bekanntlich mit einer ungünstigen Prognose assoziiert sind, nachweisbar (6,0 versus 14,3 Prozent).

Zum Zeitpunkt 30 Tage nach dem Eingriff lagen die Sterberaten mit 6,5 Prozent (Frauen) und 8,6 Prozent (Männer) noch relativ nahe beieinander; der Unterschied war nicht signifikant - was im Übrigen auch für die Inzidenz von Schlaganfällen gilt (3,8 versus 3,0 Prozent).

1-Jahres-Mortalität um 28 Prozent niedriger

Nach einem Jahr bot sich eine anderes Bild: Zu diesem Zeitpunkt war die Gesamtsterberate bei Frauen signifikant um 28 Prozent niedriger als bei Männern (19,0 versus 25,9 Prozent).

Über die Gründe für diesen Überlebensvorteil aufseiten der Frauen kann derzeit nur spekuliert werden. Es kursieren diverse Hypothesen. Ein Grund könnte die höhere Prävalenz von Komorbiditäten bei den Männern sein. Auch die Tatsache, dass sogenannte paravalvuläre Lecks bei Frauen seltener waren, könnte von Relevanz sein. Hier wäre zu untersuchen, ob dieser Unterschied zugunsten von Frauen auch bei Verwendung moderner Katheter-Aortenklappen-Prothesen, mit denen paravalvuläre Lecks deutlich reduziert wurden, weiter besteht oder verschwunden ist.

Eine weitere Hypothese besagt, dass auch die geringer ausgeprägte Fibrosierung im Herzgewebe von Frauen mit Aortenstenose von Bedeutung sein könnte, da dies eine raschere Rückbildung der Hypertrophie nach Korrektur der Herzklappenverengung ermöglichen würde.

TAVI nun Therapie der Wahl?

Bedeuten diese Ergebnisse, dass nun bei allen Frauen mit Aortenstenose und hohem Operationsrisiko die TAVI als Therapie der Wahl empfohlen werden sollte? Als Autorinnen eines begleitenden Editorials antworten Dr. Nina Johnston und Dr. Christina Christersson von der Universität Uppsala in Schweden darauf mit einem Nein. Nach ihrer Einschätzung reichen die verfügbaren Daten für eine solche Empfehlung noch nicht aus. Gleichwohl ist zu erwarten, dass die Studienergebnisse der Gruppe um Kodali Implikationen für die Therapiewahl bei Patienten mit Aortenstenose in der Praxis haben werden.


Literatur

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