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17.12.2014 | Nachrichten | Onlineartikel

Hypertonie in Deutschland

Trend zu AT1-Antagonisten und Thiaziden

Autor:
Philipp Grätzel

Das Robert Koch Institut hat weitere Daten zur Hypertonieversorgung aus seinen Gesundheits-Surveys vorgelegt. Bei der Medikation gibt es deutliche Verschiebungen. Und am schlechtesten versorgt sind junge Männer.

Insgesamt hat sich die Versorgung in Deutschland zwischen 1998 und 2011 deutlich verbessert. Das zeigt ein Vergleich des Bundes-Gesundheitssurveys 1998 mit der Studie zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland (DEGS 2008-11). Bei hypertensiven Frauen sind die systolischen bzw. diastolischen Blutdruckwerte um je 7 mmHg gesunken, bei Männern um je 3 mmHg.

Dies ging einher mit einer Verringerung der Prävalenz der unkontrollierten Hypertonie von bevölkerungsbezogen 23% auf 15%. Dazu passt, dass der Anteil der Menschen, die mit der Indikation „Hypertonie“ ein antihypertensiv wirksames Präparat erhalten, von 16,3% auf 22,7% angestiegen ist. Es werden also mehr Hypertoniepatienten medikamentös versorgt, und die Erfolgsquote steigt.

Fast jeder dritte bekommt ein Thiazid

Beim 38. Kongress der Deutschen Hochdruckliga DHL hat Dr. Hannelore Neuhauser vom Robert Koch Institut diese im Frühsommer 2014 vorgelegten Daten jetzt um einige aktuelle Auswertungen zur Art der verordneten Medikamente ergänzt. So stieg der Anteil der erwachsenen Hypertoniepatienten, die ein Diuretikum einnehmen, von 23% auf 35%. Dies geht praktisch ausschließlich auf das Konto der Thiazide, deren Verordnungsquote von 8% auf 28% in die Höhe schnellte.

Noch deutlicher nach oben ging es für die AT1-Rezeptorantagonisten. 22% aller Hypertoniepatienten nahmen 2011 ein Sartan ein, gegenüber nur 3% im Jahr 1998. Auch der Anteil der Patienten mit ACE-Hemmer oder Betablocker legte jeweils zu, allerdings weniger massiv. Bei den ACE-Hemmern stieg die Versorgungsquote von 21% auf 33%, bei den Betablockern von 22% auf 39%. Die Debatten der letzten Jahre über Betablocker dürften in diese Zahlen von 2011 noch nicht Eingang gefunden haben. Mit rund 20% ist der Anteil der Patienten mit Ca-Antagonisten konstant. Sonstige Antihypertensiva nahmen 1998 noch 7% der Patienten ein, gut zehn Jahre später praktisch niemand mehr.

Junge Männer: In Sachen Blutdruck eher indolent

Neuhauser betonte, dass die jungen Männer derzeit die Problemgruppe Nummer eins bei der Hypertonietherapie seien. Die RKI-Zahlen zeigen das eindeutig: So werden über alle Altersklassen und beide Geschlechter hinweg 72% der Hypertoniepatienten auf irgendeine Art und Weise antihypertensiv behandelt. Bei den Männern zwischen 18 und 29 Jahren sind es dagegen nur 6%, deutlich weniger als bei den Frauen gleichen Alters (41%). Grund für den Unterschied ist vor allem eine geringere Krankheits-Awareness: 66% der jungen Frauen mit Hypertonie wussten im DEGS-Survey von ihrer Erkrankung, aber nur 24% der jungen Männer.

Literatur