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11.02.2015 | Nachrichten | Onlineartikel

Metaanalyse

Typ-1-Diabetes raubt Frauen mehr Lebenszeit als Männern

Autor:
Peter Overbeck

Frauen leben im Allgemeinen länger als Männer. Dieser Vorteil geht aber bei Erkrankung an Typ-1-Diabetes verloren: In diesem Fall ist die krankheitsbedingte Verkürzung der Lebenserwartung bei Frauen sogar stärker als bei Männern, so das Ergebnis einer großen Metaanalyse.

Trotz verbesserter Therapie ist die Lebenserwartung von Menschen mit Typ-1-Diabetes nach wie vor geringer als die der Allgemeinbevölkerung. Im höheren Lebensalter sind bekanntlich die Spätfolgen von Hyper- und Hypoglykämien und hier vor alle makrovaskuläre Erkrankungen ein entscheidender Grund für die erhöhte Mortalität.

Wiederholt gab es Hinweise, dass Frauen die ungünstigen Auswirkungen eines Typ-1-Diabetes stärker zu spüren bekommen als Männer. Systematische Untersuchungen dazu fehlten jedoch bisher.

Metaanalyse von Daten aus 26 Studien

Dieser Aufgabe hat sich nun eine Forschergruppe um Professor Rachel Huxley von der University of Queensland im australischen Brisbane angenommen. Dieses Team hat bereits in mehreren Metaanalysen geschlechtsspezifische Unterschiede bei Diabetes-assoziierten Risiken etwa für KHK oder Schlaganfall unter die Lupe genommen.

Für ihre aktuelle Metaanalyse haben Huxley und ihre Kollegen nach einer PubMed-Suche Daten aus 26 Studien herangezogen, in denen die gesundheitliche Entwicklung bei insgesamt 214.114 Personen zum Teil über Jahrzehnte nachverfolgt worden war. Berücksichtigt wurden nur Studien, die Aufschluss gaben über das geschlechtsspezifische Sterberisiko von Männern und Frauen mit Typ-1-Diabetes in Relation zum Risiko der daran nicht erkrankten Bevölkerung gleichen Alters innerhalb bestimmter Zeiträume („standardisierte Mortalitätsrate“, SMR). Im nächsten Schritt wurde dann das Frauen/Männer-Verhältnis für die mit Typ-1-Diabetes assoziierte Übersterblichkeit (Exzessmortalität) ermittelt.

Übersterblichkeit bei Frauen signifikant höher

Erwartungsgemäß war die Gesamtmortalität sowohl bei Männern wie auch Frauen mit Typ-1-Diabetes höher als in der daran nicht erkrankten Bevölkerung. Dabei zeigt sich aber, dass die Diabetes-assoziierte Exzessmortalität bei Frauen signifikant um 37 Prozent höher war als bei Männern.

Die Aufschlüsselung nach spezifischen Erkrankungen ergab, dass Frauen ein um 86 Prozent höheres Risiko für tödliche kardiovaskuläre Erkrankungen und ein um 44 Prozent höheres Risiko für tödliche Nierenerkrankungen hatten als Männer. Die Inzidenz von Koronarerkrankungen war bei Frauen mehr als doppelt so hoch, die von Schlaganfällen relativ um 37 Prozent höher.

Kein Unterschied bei Krebserkrankungen

Geschlechtsspezifische Unterschiede bei der Mortalität durch Krebserkrankungen oder Unfälle wurden bei Personen mit Typ-1-Diabetes dagegen nicht beobachtet.

Die spannende Frage ist natürlich die nach den Gründen für die Unterschiede. Schlüssige Antworten gibt es allerdings derzeit nicht, sondern nur Spekulationen. Huxley und ihre Forscherkollegen vermuten, dass Frauen mit Typ-1-Diabetes wegen einer schlechteren Stoffwechselkontrolle in ihrem Leben länger den schädigenden Wirkungen der Hyperglykämie ausgesetzt sind.

Studien hätten gezeigt, dass insbesondere Mädchen und jüngere Frauen mit Typ-1-Diabetes oft schlechtere Blutzucker- und HbA1c-Werte aufweisen als Jungen und Männer – trotz häufigerer Nutzung von Insulinpumpen. Als mögliche Ursache sei eine stärker ausgeprägte Verschlechterung der Insulinsensitivität bei Mädchen während der Pubertät in der Diskussion. Mädchen neigten auch eher als Jungen zu Essstörungen sowie dazu, Insulin zu niedrig zu dosieren, so die Studienautoren.

Sie schließen zudem nicht aus, dass mit Diabetes einhergehende Störungen der Hypothalamus- Hypophysen-Ovar-Achse von Bedeutung sein könnten, die sich als verspätetes erstes Auftreten der Regelblutung in der Pubertät, als Menstruationsstörungen und frühzeitige Menopause manifestieren können.

Literatur