Nachrichten 25.03.2022

Was eine eingeschränkte Vorhoffunktion mit Demenz zu tun hat

Eine echokardiografisch messbare Verringerung von Parametern der linksatrialen Funktion war in einer neuen Studie mit einem erhöhten Risiko für eine Demenz-Entwicklung assoziiert – auch dann, wenn kein Vorhofflimmern bestand.

Ein Zusammenhang von Vorhofflimmern mit Verschlechterungen der kognitiven Funktion und mit Demenz ist in epidemiologischen Studien wiederholt bestätigt worden. Aber auch ohne ein damit einhergehendes Vorhofflimmern scheint eine atriale Myopathie bereits per se mit einem erhöhten Demenz-Risiko assoziiert zu sein. Dafür sprechen Ergebnisse einer neuen retrospektiven Analyse von Daten der US-amerikanischen Bevölkerungsstudie ARIC (Atherosclerosis Risk in Communities).

Daten der Bevölkerungsstudie ARIC als Basis der Analyse

Die Studienautoren um Wendy Wang von der University of Minnesota in Minneapolis haben dafür Daten von 4.096 Teilnehmern und Teilnehmerinnern (mittleres Alter: 75 Jahre, 60% Frauen) der ARIC-Studie ausgewertet. Bei 531 von ihnen war im Verlauf von sechs Jahren eine Demenz diagnostiziert worden.

Wang und ihre Kollegen analysierten die Inzidenz der Demenz in Abhängigkeit von echokardiografischen Parametern der linksatrialen Funktion und der Vorhofgröße. Die Funktion des linken Vorhofhofs wurde dabei anhand von per Strain-Echokardiografie gemessenen linksatrialen Kontraktionsbewegungen beurteilt (reservoir strain, conduit strain, contractile strain, emptying fraction, passive emptying fraction und active emptying fraction), die Vorhofgröße anhand der Parameter maximaler oder minimaler linksatrialer Volumenindex (LAVI).

Wie die Analyse ergab, war eine relativ schlechte linksatriale Funktion – verglichen wurde die niedrigste mit der höchsten Quintile für die jeweiligen echokardiografischen Funktionsparameter – signifikant mit einem erhöhten Risiko für eine Demenz-Entwicklung assoziiert. Diese Βeziehung war unabhängig vom Auftreten von Vorhofflimmern, das als mögliches „Bindeglied“ nur zu einem geringen Teil zur Assoziation zwischen linksventrikulärer Funktion und Demenz-Inzidenz beitrug.

Vorhofgröße nicht mit Demenz assoziiert

Im Unterschied zur Vorhoffunktion war die Vorhofgröße nicht signifikant mit dem Risiko für Demenzerkrankungen assoziiert.

Wang und ihre Mitautoren betonen, dass die vorgelegte retrospektive Studie „exploratorischer Natur“ und nur „hypothesengenerierend“ sei. Weitere Studien seien nötig, um die Ergebnisse zu bestätigen und um im Hinblick auf künftige Studien genaue Grenzwerte für eine gestörte Vorhoffunktion definieren zu können. Auch bleibe zu klären, auf welchen von Vorhofflimmern unabhängigen Mechanismen die gezeigte Assoziation beruhe.

Ungeachtet der Limitierungen sprechen die gemachten Beobachtungen nach Ansicht der Studienautoren dafür, dass eine eingeschränkte linksatriale Funktion ein mit der Demenz-Entwicklung assoziierter und veränderbarer Risikofaktor sein könnte.

Literatur

Wang W. et al. Association of Echocardiographic Measures of Left Atrial Function and Size With Incident Dementia. JAMA 2022, 2022;327(12):1138-48.

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