Nachrichten 24.02.2017

Akuter Schlaganfall: Kopfposition ohne Einfluss auf Behandlungserfolg

Ist es für den Behandlungserfolg bei akutem Schlaganfall von Bedeutung, ob der Patient in den ersten 24 Stunden eine liegende oder eher aufrechte  Position einnimmt? Aus der jeweiligen Positionierung des Kopfes resultieren weder Vor- noch Nachteile, lautet die in einer großen internationalen Studie  gefundene Antwort.

Im Bett flach liegen oder eher aufrecht sitzen – beide Positionen des Kopfes könnten in der frühen Phase nach einem Schlaganfall mit  Vor- und Nachteilen verbunden sein. Bei tiefer Kopfposition im Liegen könnte etwa der zerebrale Blutfluss in die ischämische Penumbra über Kollateralgefäße verstärkt werden. Die mögliche Kehrseite: Das Risiko für Pneumonien infolge Aspiration von Mageninhalt  könnte bei dieser Körperlagerung erhöht sein.

Lagert man den Patienten zunächst in aufrechter Position, könnte dies vor allem bei ausgedehnten Schlaganfällen – ähnlich wie bei Kopfverletzungen –  dazu beitragen, Hirnödeme zu verringern.

Studie mit mehr als 11.000 Patienten

Welche die ideale Kopfposition nach akutem Schlaganfall ist, ist bisher nicht hinreichend geklärt. Das wollte eine internationale Arbeitsgruppe um Dr. Craig Anderson aus Sydney(Australien definitiv ändern. Sie hat dafür eine randomisierte Studie initiiert, in die an 114 Kliniken in neun Ländern mehr als  11.000 stationär behandelte Patienten mit akutem (zumeist ischämischem) Schlaganfall aufgenommen worden sind. Anderson hat die Ergebnisse der HeadPoST benannten Studie jetzt bei der International Stroke Conference (ISC) im texanischen Houston vorgestellt.

Den beteiligten Kliniken wurde auferlegt, dafür zu sorgen, dass die Patienten in den ersten 24 Stunden nach dem Schlaganfall im Bett entweder eine liegende oder aufrechte Position (mindestens 30°) einnahmen. Bei den ersten 70 Patienten war jeweils die eine, bei den nächsten 70 dann die jeweils andere Position sicherzustellen (Cross-over).  

Kein Unterschied  bezüglich  Behinderung

Primärer Studienendpunkt war die Rate für Tod und neurologische Beeinträchtigung   (beurteilt anhand der modifizierten Rankin-Scala) zum Zeitpunkt 90 Tage nach dem Schlaganfall . Wie Anderson bei der  ISC berichtete,  war bezüglich dieses Endpunktes  kein signifikanter Unterschied zwischen  den Gruppen mit unterschiedlicher Kopflagerung  auszumachen.

So wenig Vorteile hinsichtlich bleibender funktioneller Behinderungen  erkennbar waren, so wenig boten sich Anhaltspunkte für irgendwelche nachteilige Auswirkungen der einen oder anderen Kopfposition. Beispielsweise wurde keine Zunahme von Aspirationspneumonien bei liegender Position beobachtet. Anderson sah sich nach diesen Ergebnissen außerstande, klare Empfehlungen in Sachen Kopfpositionierung nach akutem Schlaganfall zu geben. Somit wird es wohl dabei bleiben, dass darüber  jeweils nach individuellen Kriterien entschieden wird.

Literatur

Late Breaking Science.  LB1: Head Position in Stroke Trial: An International Cluster Cross-over Randomized Trial, International Stroke Conference 2017, 22.-24. Februar, Houston, USA

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