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15.06.2018 | Vaskuläre Erkrankungen | Nachrichten

US-Registerstudie

Bluttransfusionen bei Operationen erhöhen Risiko für venöse Thromboembolien

Autor:
Peter Overbeck

Im Zusammenhang mit chirurgischen Eingriffen vorgenommene Bluttransfusionen  erhöhen anscheinend das Risiko für postoperative venöse Thromboembolien, wie Ergebnisse einer Analyse von Daten eines großen US-Registers nahelegen.

Die Autoren kommen in ihrer risikoadjustierten Analyse zu dem Ergebnis, dass Patienten, die sich Operationen einschließlich kardiothorakaler oder vaskulärer Eingriffe unterziehen mussten, im Fall perioperativer Bluttransfusionen in den ersten 30 Tagen nach der Operation ein doppelt so hohes Risiko für venöse Thromboembolien (VTE) hatten als Patienten ohne Transfusionen.  Die Ergebnisse sprechen dabei für eine „Dosis/Wirkung-Beziehung“: Je höher die Zahl der vorgenommenen Transfusionen, desto höher war das Risiko. Die Studienautoren halten nun eine prospektive Studie zur Bestätigung ihrer Ergebnisse für wünschenswert.

US-Untersucher um Dr. Ruchika Goel vom New York-Presbyterian/Weill Cornell Medical Center in  New York haben für die  Studie Daten von  750.937 Patienten aus der ACS-NSQIP-Datenbank (American College of Surgeons National Surgical Quality Improvement Program) herangezogen. Bei allen Patienten waren im Jahr 2014 chirurgische Eingriffe unterschiedlicher Art  vorgenommen worden, im Rahmen derer 47.410 Patienten (6.3%) mindestens eine  perioperative Bluttransfusion erhalten hatten. 

Bei  6309 Patienten (0.8%) waren im Zeitraum der ersten 30 postoperativen Tage venöse Thromboembolien  festgestellt worden, die sich bei  4336 Patienten [0.6%] als tiefe Beinvenenthrombose und bei  2514 Patienten [0.3%] als Lungenembolie manifestiert  hatten. Bei 541 Patienten (0,1%) hatten gleichzeitig Venenthrombose und Lungenembolie vorgelegen. 

VTE-Risiko doppelt so hoch 

Perioperative Bluttransfusion waren nach statistischer Adjustierung für andere mögliche Risikofaktoren im Vergleich zur Referenzgruppe ohne jegliche Transfusion  mit einem doppelt so hohen VTE-Risiko assoziiert (adjustierte Odds Ratio 2,1), was sowohl im Hinblick auf tiefe Beinvenenthrombosen  (aOR 2,2) als auch Lungenembolien  (aOR 1,9) galt. Das „Timing“ der Transfusionsbehandlung (prä-, intra- oder postoperative Gabe) machte dabei keinen Unterschied aus, wohl aber die „Dosis“: Zwischen der Zahl der verabreichten Blutkonserven und der Höhe des VTE-Risikos bestand ein signifikanter Zusammenhang. Am höchsten war das Risiko für Patienten, die drei oder mehr Blutübertragungen bekommen hatten (aOR 4,5).

Über die der gezeigten Assoziation zugrundeliegenden Mechanismen lässt sich nur spekulieren. Studienleiterin Goel und ihre Kollegen vermuten, dass der mit chirurgischen Eingriffen per se einhergehende „prothrombotische Stimulus“ durch Bluttransfusionen bei bestimmten Patienten in synergistischer und dosisabhängiger Weise verstärkt werden könnte.

Literatur

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Quelle:

kardiologie.org

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