Nachrichten 20.02.2020

Akuter Schlaganfall: Erfolg durch Stroke-Einsatzmobile im Rettungsdienst

Die Rettungsdienstversorgung von Schlaganfall-Patienten ist optimierbar: Wird dabei ein spezielles Stroke-Einsatzmobil genutzt, verbessert dies einer Studie Berliner Neurologen zufolge die Behandlungsergebnisse im Vergleich zur konventionellen Versorgung.

Je früher bei akutem ischämischem Schlaganfall mit der Thrombolyse begonnen wird, desto bessere Therapieergebnisse sind zu erwarten. Von Vorteil könnten hier speziell ausgerüstete Rettungsfahrzeuge – sogenannte Stroke-Einsatzmobile (STEMO) oder Mobile Stroke Units (MSU) – sein. Ausgestattet mit Möglichkeiten der zerebralen Bildgebung (CT-Scanner) und der prähospitalen Thrombolyse könnten sie zur besseren Versorgung betroffener Patienten und Minimierung von Folgeschäden beitragen.

Der Nachweis, dass dieses Konzept der prähospitalen Lysebehandlung tatsächlich zu besseren Behandlungsergebnissen führt, steht allerdings noch aus. Eine Gruppe Berliner Neurologen um Prof. Heinrich Audebert von der Klinik für Neurologie mit experimenteller Neurologie am Campus Benjamin Franklin, Berlin, hat dafür die B-PROUD (Berlin Pre-hospital Or Usual Delivery of stroke care)-Projekt initiiert. Die Ergebnisse der unter anderen vom Bundesministerium für Erziehung und Wissenschaften unterstützten Studie hat Audebert in einer „Late-Breaking Science“-Sitzung bei der International Stroke Conference (ISC) 2020 in Los Angeles vorgestellt.

Drei Stroke-Einsatzmobile genutzt

In die im Stadtgebiet von Berlin durchgeführte Studie waren zwischen Februar 2017 und Mai 2019 insgesamt 1543 Patienten mit akutem ischämischem Schlaganfall oder TIA aufgenommen worden. Davon waren 794 Patienten der Gruppe mit konventioneller Versorgung und 749 Patienten der Gruppe mit STEMO-Verfügbarkeit zugeteilt. Drei Stroke-Rettungswägen kamen zum Einsatz. De facto konnten in dieser Gruppe 74% aller Patienten im STEMO behandelt werden.

Früheren Beginn der Lysebehandlung ermöglicht

Wie Audebert berichtet, betrug der Anteil an Patienten mit durchgeführter tPA-Thrombolyse (Alteplase) im Fall der STEMO-Verfügbarkeit 60%, verglichen mit 48% bei den nach Ankunft in der Klinik behandelten Patienten (p<0,01).

Zudem war die Zeit zwischen eingegangenem Alarm und Thrombolyse-Beginn in der STEMO-Gruppe signifikant um 20 Minuten kürzer (50 vs. 70 min, p<0,01). Bei 13% vs. 4% der Patienten konnte die Lysebehandlung schon innerhalb der ersten 60 Minuten eingeleitet werden.

Vorteil bezüglich neurologischer Defizite nach Schlaganfall

Primärer Endpunkt der Studie war das nach drei Monaten feststellbare Ausmaß der Behinderung und neurologischen Beeinträchtigung, das von drei unabhängigen Neurologen anhand der modifizierten Rankin-Skala (mRS) verblindet beurteilt wurde (mRS 0-6). Hier gab es insgesamt einen signifikanten Unterschied um 26% zugunsten der Gruppe mit STEMO-Verfügbarkeit (Odds Ratio 0,74; 95%-Konfidenzintervall 0,60-0,90, p=0,003). Der Unterschied bezüglich eines aus drei Kategorien bestehenden co-primären Endpunkts (mRS 0-3 oder Rückkehr ins häusliche Leben; mRS 4-5 oder Leben in einer Pflegeeinrichtung; Tod) war dagegen nicht signifikant (Odds Ratio 0.75; 95%-Konfidenzintervall 0,56-1,01: p=0,057).

Zwar habe man bessere Ergebnisse in der Gruppe mit STEMO-Verfügbarkeit erwartet, gleichwohl sei man von Ausmaß der Effekte überrascht gewesen, äußert sich Audebert in einer Pressemitteilung der American Stroke Association. Es sei offensichtlich, dass die thrombolytische Therapie am effektivsten ist, wenn sie in der sehr frühen Phase nach Schlaganfall zum Einsatz kommt – idealerweise in der ersten oder so genannten „goldenen“ Stunde nach Symptombeginn. „Einfach zu warten, bis der Patient die Klinik erreicht, reicht da nicht mehr aus“, so Audebert.

Literatur

Audebert H.: Effects of Pre-hospital Acute Stroke Treatment as Measured with the Modified Rankin Scale; the Berlin - Pre-hospital Or Usual care Delivery (B_PROUD) trial, vorgestellt am 20. Februar 2020 bei der International Stroke Conference (ISC) 2020, 19. – 21. Februar 2020, Los Angeles

Highlights

CME-Highlight: EKG Intensivkurs

Anhand von 108 EKG-Fällen können Sie Ihre Kenntnisse zum EKG in diesem Kurs vertiefen und 12 CME-Punkte sammeln. Es gibt 3 Schwierigkeitsstufen, von Standard bis anspruchsvoll.

Corona, COVID-19 & Co.

Die Ausbreitung des Coronavirus hat einschneidende Folgen auch für die Herzmedizin. Aktuelle Meldungen zu SARS-CoV-2 bzw. zu der Lungenkrankheit COVID-19 finden Sie in diesem Dossier.

Aktuelles und Neues aus der Kardiologie

Visualisierung des PCI-Erfolgs lässt KHK-Patienten relativ kalt

Vorher ein verstopftes, danach ein durchgängiges Koronargefäß – würde die Visualisierung eines solchen Erfolgs der Revaskularisation mittels Angiogramm-Ausdruck das Befinden von Patienten nach PCI positiv beeinflussen? Eher nicht, fanden deutsche Kardiologen jetzt in einer Studie heraus.

4 Ernährungstrends auf dem Prüfstand

Der Schlüssel ist gesunde, frische Vielfalt – welche Ernährungsweise darüber hinaus neuen Daten zufolge zur kardiovaskulären Gesundheit beiträgt, erläuterte Dr. Elisabeth Schieffer von der Medizinischen Hochschule Hannover bei der 87. DGK-Jahrestagung.

Vorhofflimmern: Wie die EAST-Studie die Therapiepraxis verändern könnte

EAST-AFNET-4 gilt als eine der wichtigsten Arrhythmie-Studien der jüngsten Zeit. Warum und wie ihre Ergebnisse die Praxis der Therapie bei Vorhofflimmern grundlegend verändern könnten, war Thema bei der DGK-Jahrestagung 2021.

Aus der Kardiothek

59-jährige Patientin mit Dyspnoe – wie lautet Ihre Diagnose?

Elektrokardiogramm (Brustwandableitungen) einer 59-jährigen Patientin mit Dyspnoe. Die Herzfrequenz beträgt 122/min.  Was ist zu sehen?

80-jähriger Patient im CT – wie lautet Ihre Diagnose?

Kardiale Computertomografie bei einem 80-jährigen Patienten nach STEMI – was ist zu sehen?

62-Jähriger mit Schrittmacher – was ist im Röntgen zu sehen?

62-jähriger Patient mit Zustand nach 2-Kammer-Schrittmacher, aufgenommen bei respiratorischer Insuffizienz. Was ist auf den Röntgenbildern zu sehen?

Neueste Kongressmeldungen

Visualisierung des PCI-Erfolgs lässt KHK-Patienten relativ kalt

Vorher ein verstopftes, danach ein durchgängiges Koronargefäß – würde die Visualisierung eines solchen Erfolgs der Revaskularisation mittels Angiogramm-Ausdruck das Befinden von Patienten nach PCI positiv beeinflussen? Eher nicht, fanden deutsche Kardiologen jetzt in einer Studie heraus.

4 Ernährungstrends auf dem Prüfstand

Der Schlüssel ist gesunde, frische Vielfalt – welche Ernährungsweise darüber hinaus neuen Daten zufolge zur kardiovaskulären Gesundheit beiträgt, erläuterte Dr. Elisabeth Schieffer von der Medizinischen Hochschule Hannover bei der 87. DGK-Jahrestagung.

Vorhofflimmern: Wie die EAST-Studie die Therapiepraxis verändern könnte

EAST-AFNET-4 gilt als eine der wichtigsten Arrhythmie-Studien der jüngsten Zeit. Warum und wie ihre Ergebnisse die Praxis der Therapie bei Vorhofflimmern grundlegend verändern könnten, war Thema bei der DGK-Jahrestagung 2021.

Neueste Kongresse

AHA-Kongress 2020

Ein virtueller Kongress ist mittlerweile schon fast nichts ungewöhnliches mehr. Von der diesjährigen Tagung der American Heart Association (AHA) gibt es aber trotz allem einiges Ungewöhnliches und Spannendes zu berichten. 

DGK Jahrestagung und Herztage 2020

Alle Vorträge der DGK Jahrestagung und Herztage 2020 sind weiterhin on demand für DGK-Mitglieder kostenfrei zugänglich. Auch mit Ihrem Online-Ticket können Sie weiterhin auf alle Vorträge unbeschränkt zugreifen. 
Und wir haben für Sie die wichtigsten Studien und Neuigkeiten redaktionell zusammengefasst. 

DGK-Jahrestagung 2021 on demand

Alle Vorträge der DGK-Jahrestagung 2021 sind weiterhin on demand für DGK-Mitglieder kostenfrei zugänglich. Auch mit Ihrem Online-Ticket können Sie weiterhin auf alle Vorträge unbeschränkt zugreifen. Die wichtigsten Studien und Neuigkeiten haben wir außerdem für Sie redaktionell zusammengefasst. 

EKG Training/© fotolia / Sergey Nivens
Corona/© Naeblys / Getty images / iStock
Elektrokardiogramm/© M. Marwan, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Kardiale Computertomografie/© S. Achenbach (Medizinische Klinik 2 des Universitätsklinikums Erlangen)
Röntgen-Thorax/© PD Dr. med. Katharina Schöne, MediClinHerzzentrum Coswig
AHA-Kongress 2020 virtuell
Jahrestagung und Herztage (virtuell)/© DGK
DGK.Online 2021/© DGK