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20.02.2019 | Vaskuläre Erkrankungen | Nachrichten

Radsport versus Laufen

Mehr Atherosklerose bei intensivem Sport: Macht die Sportart einen Unterschied?

Autor:
Peter Overbeck

Menschen, die intensiv Sport betreiben, scheinen anfälliger für atherosklerotische Koronarveränderungen zu sein als ihre bewegungsfauleren Mitmenschen. Neue Studiendaten legen nahe, dass dabei auch die Sportart von Bedeutung sein könnte.

Sportlich sehr aktive Menschen wie Marathonläufern entwickeln paradoxerweise mit der Zeit mehr Koronarveränderungen als sportlich weniger ambitionierte Zeitgenossen, haben Studien gezeigt. Zumeist handelt es sich dabei um stärker kalkhaltige Plaques, die als relativ stabil gelten. Die Gefahr von Plaque-Rupturen mit daraus resultierenden thrombotischen Koronarverschlüssen ist dementsprechend gering. Deshalb verwundert auch nicht, dass solche Läsionen längerfristig ohne Bedeutung für das Sterberisiko von Sportlern waren, wie erst jüngst eine Beobachtungsstudie bestätigt hat.

Niederländische Untersucher legen nun Studienergebnisse vor, denen zufolge die koronare Plaque-Bildung je nach Sportart unterschiedlich sein könnte. Die Forscher um Dr. Vincent Aengevaeren vom Radboud University Medical Center in Nijmegen haben in einer Post-hoc-Analyse von Daten der MARC-Studie (Measuring Athlete’s Risk of Cardiovascular Events) bei 284 männlichen Athleten mittleren Alters (über 45 Jahre)  nach möglichen Unterschieden in der Koronarsklerose in Abhängigkeit von der Sportdisziplin gefahndet. Dabei wurde bezüglich der Plaque-Morphologie zwischen kalzifizierten, nicht kalzifizierten und gemischten Läsionen differenziert.

Weniger Plaques bei Radsportlern

Festgestellt wurde, dass atherosklerotische Plaques insgesamt bei Radsportler signifikant seltener vorkamen als bei Läufern  (adjustierte Odds Ratio 0,41; 95% Konfidenzintervall 0,19-0,87). Die Prävalenz von per Bildgebung nachweisbarem Koronarkalk (CAC, coronary artery calcification) war bei ihnen tendenziell niedriger als bei den Läufern (aOR 0,55; 95% CI 0,26 – 1,16). Bei Athleten, die andere Sportarten wie Fußballspielen ausübten, waren Plaque-Prävalenz und –Morphologie ähnlich wie bei den Läufern.

In der Gruppe der Athleten mit manifesten Plaques war die Wahrscheinlichkeit, dass es sich um kalzifizierte und damit stabilere Plaques handelte, bei Radsportlern deutlich höher als bei Läufern (aOR 3,59; 95% CI 1,14-11,31). Die Prävalenz gemischter Plaques war in beiden Gruppen gleich.

Macht Gewichtsbelastung den Unterschied?

Von den analysierten Leistungs-und ambitionierten Freizeitsportlern waren  25% Läufer und  29% Radsportler. Die übrigen waren zumeist als Fußball-, Hockey, Wasserpolo- oder Tennisspieler aktiv. Bei allen Studienteilnehmern war mittels CT-Scans der Koronarkalkgehalt und mittels CT-Angiografie der koronare Plaque-Befall gemessen worden.

Darüber, was ursächlich hinter den beobachteten Unterschieden steckt, kann derzeit nur spekuliert werden. Aengevaeren und seine Kollegen bringen den Gedanken in die Diskussion, dass die geringere Gewichtsbelastung des Körpers beim Radfahren im Vergleich zu Laufen zu einer niedrigeren Knochendichte und zu weniger Plaques in Koronargefäßen führen könnte. Die Gruppe plant, ihre Studie nun über einen längeren Zeitraum fortsetzen, um etwa mithilfe regelmäßiger CT-Scans und Biomarker-Messungen möglichen Mechanismen der unterschiedlichen Atherosklerose-Entwicklung auf die Spur zu kommen. 

Zu früh für praktische Konsequenzen

Konsequenzen für die Praxis lassen sich aus diesen ersten Ergebnissen jedenfalls nicht ziehen. Als Begründung für die Empfehlung, aus Gründen der Atherosklerose-Vorbeugung den Radsport anderen Sportarten vorzuziehen, taugen sie sicher nicht. Denn noch ist völlig unklar, ob aus der gezeigten unterschiedlichen Plaque-Prävalenz und -Morphologie bei Sportlern auf lange Sicht überhaupt Unterschiede auf klinischer Ebene resultieren. Derzeit sieht es nicht danach aus. Die Botschaft, dass körperliche Bewegung das kardiovaskuläre Risiko reduziert, verliert somit nicht ihre Gültigkeit.

Literatur

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