Skip to main content
main-content

28.02.2017 | Vaskuläre Erkrankungen | Nachrichten

Nicht besser als Standardtherapie

Zweiten Schlaganfall verhindern: Aggressive Plättchenhemmung ohne Vorteil

Autor:
Veronika Schlimpert

Ein erneuter Schlaganfall oder eine TIA lassen sich durch eine aggressivere Antiplättchentherapie nicht effektiver verhindern als durch die Standardstrategie, wie eine Interim-Analyse der randomisierten TARDIS-Studie verdeutlicht. Der Studienleiter sieht daher keinen Anlass, die Leitlinien zu ändern.

Die Hoffnung, mit der Hinzunahme eines dritten Blutverdünners die Rezidivprophylaxe einer zerebralen Ischämie effektiver zu machen, hat sich nicht erfüllt. In der TARDIS-Studie konnte eine intensivierte Antiplättchentherapie aus ASS, Clopidogrel und Dipyridamol die Rate erneuter ischämischer Schlaganfälle und  transitorischer ischämischer Attacken (TIA) nicht stärker reduzieren als die von den Leitlinien empfohlene Therapie aus ASS plus Dipyridamol oder Clopidogrel allein. Obendrein kam es unter der aggressiveren antithrombotischen Strategie zu einer Zunahme von Blutungen.

Leitlinien nicht tangiert

„Wir sollten uns also weiterhin an die Leitlinien-Empfehlungen halten“, lautete das Fazit des Studienleiters Philip Barth von der University of Nottingham, der die Ergebnisse auf der International Stroke Conference 2017 in Houston vorstellte. In der aktuellen NICE-Leitlinien wird Clopidogrel als antithrombotische Standardtherapie empfohlen; ASS in Kombination mit Dipyridamol soll bei Patienten eingesetzt werden, die Clopidogrel nicht vertragen.

Die Annahme sei zwar naheliegend, dass drei Plättchenhemmer besser seien als zwei, erläuterte der Neurologe die Rationale hinter der TARDIS-Studie. Denn aus früheren Studien wisse man, dass sich ein erneuter Schlaganfall  oder TIA durch die Gabe von zwei Plättchenhemmer besser verhindern lasse als nur mit einer Substanz. Doch offenbar bringe eine Tripel-Therapie keinen zusätzlichen Nutzen gegenüber einer zweifachen Plättchenhemmung.

Kein Unterschied beim primären Endpunkt

In der TARDIS-Studie sind 3.096 Patienten, die innerhalb der letzten 48 Stunden einen nicht-kardioembolischen Schlaganfall oder eine TIA erlitten haben, randomisiert einer 30-tägigen Therapie aus ASS, Clopidogrel und Dipyridamol oder einer Standardtherapie (ASS plus Dipyridamol oder Clopidogrel allein) zugeteilt worden. In der Folge erhielten die Teilnehmer beider Gruppen für weitere 60 Tage eine Standardbehandlung.

„Im März 2016 riet uns das Data Monitoring Committee, die Studie zu stoppen“, berichtete Barth. Die Zwischenanalyse ergab keinen statistisch signifikanten Unterschied beim primären Endpunkt, also der Schlaganfall/TIA-Rate nach 90 Tagen. 93,6% der Teilnehmer in der intensiven Gruppe erlitten in diesem Zeitraum kein erneutes Ereignis, mit der Standardtherapie blieben 92,9% ereignisfrei.

Tripel-Therapie war ASS plus Dipyridamol überlegen

Auffällig war, dass die Tripel-Therapie im direkten Vergleich mit ASS plus Dipyridamol besser abschnitt (Odds Ratio, OR: 0,70), gegenüber Clopidogrel aber unterlegen war (OR: 1,6). „In anderen Worten: Wenn Sie Clopidogrel zu ASS und Dipyridamol dazugegeben, haben Sie vielleicht einen Benefit; andersherum aber nicht, also wenn Sie Dipyridamol plus ASS zu Clopidogrel dazugeben“, erläuterte Barth.

Darüber hinaus ergab die Subgruppenanalyse, dass Schlaganfallpatienten mit milder Symptomatik (NIHSS ≤3) von einer Triple-Therapie tendenziell profitieren (OR: 0,8), jene mit einem schweren Schlaganfall (NIHSS >3)  hingegen nicht (OR: 1,6).

Aber: Mehr Blutungen

Die aggressive Strategie ging aber generell mit einer Zunahme von Blutungen und auch von schweren Blutungen einher. Noch deutlicher fiel dieser Anstieg im Vergleich zu ASS plus Dipyridamol aus (OR: 4,0). Sprich, Clopidogrel zu diesen beiden Substanzen hinzuzugeben, könne kritisch sein, betonte Barth. Im Falle von Clopidogrel als Vergleichssubstanz war der Unterschied bei den Blutungsraten nicht ganz so groß (OR: 1,8). 

Insgesamt waren die Nutzen-Risiko-Profile beider Strategien vergleichbar. Nach Ansicht von Barth  wird sich in der endgültigen Analyse dahingehend nichts Fundamentales ändern. Als Limitation führte der Neurologe das offene Design der Studie an.

Literatur

Zurzeit meistgelesene Artikel

Highlights

13.11.2018 | AHA-Kongress 2018 | Highlights | Nachrichten

Ein Kommentar

Apple Watch ist zugelassen – die Jagd auf die rhythmologische Volksseuche ist eröffnet!

Die US-amerikanische Gesundheitsbehörde FDA hat der neuen Apple Watch ihren „Segen“ für eine EKG-Funktion und als Methode zur Erkennung von Vorhofflimmern erteilt. Teils hat dieses Urteil für Erstaunen gesorgt ­– ein Kommentar.

Quelle:

kardiologie.org

Autor:
PD Dr. Stefan Perings

09.11.2018 | DGK Herztage 2018 | Highlights | Video

Sollte jede nicht-aktive Sonde explantiert werden?

Es kann gefährlich sein, stillgelegte Sonden nicht sofort zu entfernen. Aber nicht bei jedem Patienten ist eine frühe Explantation sinnvoll. Was Prof. Thomas Blum empfiehlt, hören Sie in diesem Vortrag.

Aus der Kardiothek

09.11.2018 | DGK Herztage 2018 | Highlights | Video

Sollte jede nicht-aktive Sonde explantiert werden?

Es kann gefährlich sein, stillgelegte Sonden nicht sofort zu entfernen. Aber nicht bei jedem Patienten ist eine frühe Explantation sinnvoll. Was Prof. Thomas Blum empfiehlt, hören Sie in diesem Vortrag.

07.11.2018 | DGK Herztage 2018 | Highlights | Video

Spezielles System zum Vorhofohr-Verschluss – ein Fallbeispiel mit Details

Mit einem speziellen epikardialen Ligatursystem lässt sich sowohl der Vorhof elektrisch isolieren als auch anatomisch verschließen. Die Implantation ist allerdings nicht ganz einfach. Wie man dabei vorgeht, erklärt Prof. Thomas Deneke an einem Patientenfall. 

06.11.2018 | DGK Herztage 2018 | Highlights | Video

Kontroverser Fall: So kann man wiederkehrendes Vorhofflimmern auch behandeln

Ein Patient leidet an wiederkehrendem Vorhofflimmern. Das Team um Prof. Boris Schmidt entscheidet sich für eine ungewöhnliche Strategie: die Implantation eines endokardialen Watchmann-Okkluders, um den linken Vorhof zu isolieren. Das genaue Prozedere sehen Sie hier. 

Spezielles System zum Vorhofohr-Verschluss – ein Fallbeispiel mit Details

DGK Herztage 2018 - Interview Prof. Dr. Thomas Deneke

Mit einem speziellen epikardialen Ligatursystem lässt sich sowohl der Vorhof elektrisch isolieren als auch anatomisch verschließen. Die Implantation ist allerdings nicht ganz einfach. Wie man dabei vorgeht, erklärt Prof. Thomas Deneke an einem Patientenfall. 

Kontroverser Fall: So kann man wiederkehrendes Vorhofflimmern auch behandeln

DGK Herztage 2018 - Interview Prof. Dr. Boris Schmidt

Ein Patient leidet an wiederkehrendem Vorhofflimmern. Das Team um Prof. Boris Schmidt entscheidet sich für eine ungewöhnliche Strategie: die Implantation eines endokardialen Watchmann-Okkluders, um den linken Vorhof zu isolieren. Das genaue Prozedere sehen Sie hier. 

Spezielle Katheterablations-Strategie bei ausgeprägtem Narbengewebe

Vortrag Prof. Dr. Thomas Deneke - Jahrestagung DGK 2018

Die ventrikuläre Tachykardie eines 54-jährigen Patienten mit zurückliegendem Hinterwandinfarkt soll mit einer Katheterablation beseitigt werden. Prof. Thomas Deneke entscheidet sich für eine unkonventionelle Strategie und erläutert wie das CT  in solchen Fällen helfen kann. 

Bildnachweise